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Historische Diskursanalyse - Foucault und die Folgen



Foucault war Philosoph und Theoretiker der Humanwissenschaften, kein Literaturwissenschaftler. Dennoch galt der Literatur in allen Phasen seiner theoretischen Arbeit sein besonderes Interesse. Seine literaturtheoretischen Denkansätze gehen dabei von vier zentralen Problemstellungen aus:
- Im Mittelpunkt der Arbeiten der frühen und mittleren 60er Jahre steht die These von der « Selbstbezüglichkeit der Literatur» als einer die herrschende soziale Ordnung untergrabenden subversiven Praxis.

      - In der «Archäologie des Wissens» , dem Versuch eines «Discours de la methode» zu seinen bis dahin erschienenen Untersuchungen, entwickelt Foucault das Konzept einer Diskursanalyse, ohne allerdings die Besonderheit literarischer Diskurse eingehend zu berücksichtigen.
      - In den Arbeiten der 70er Jahre werden die institutionellen Rahmenbedingungen von Diskursen stärker thematisiert.
      - In den unmittelbar vor Foucaults Tod erschienenen Werken schließlich gerät Literatur als Technik der Selbstdarstellung und -konstitu-tion ins Blickfeld.
      1. Foucaults Forschungen finden im Diskursbegriff eine Art Kristallisationspunkt. Er definiert «Diskurs» als «eine Menge von Aussagen, die einem gleichen Formationssystem zugehören». Eine sprachliche Formulierung ist «Aussage» unter der Bedingung, daß sie als Resultat einer «diskursiven Praxis» beschreibbar ist. Diese Praxis ist weder die Tätigkeit eines Subjekts noch ein linguistischer Code, mit dessen Hilfe sich beliebig viele konkrete Aussagen erzeugen ließen, sondern ein Ensemble von «Regeln», die einen Diskurs als endliche Menge tatsächlich formulierter sprachlicher Sequenzen ermöglichen. Solche Regeln zu eruieren, ist das Geschäft der Diskursanalyse. Sie bestimmen die Formation der Gegenstände, auf die sich ein Diskurs beziehen kann, der Subjektpositionen, die in ihm eingenommen werden können, der Begriffe, die in ihm verwendet werdenund der Theorie bzw. < Strategien >, die ihn prägen. Nach diesen Regeln müssen die Diskurse einer gegebenen Epoche organisiert sein, um nicht aus dem Bereich des Sagbaren ausgeschlossen, also z. B. als Wahnsinn qualifiziert zu werden. Die Gesamtheit der in einer Epoche faktisch formulierten Diskurse bezeichnet Foucault als deren «Archiv». Als «Historisches Apriori» enthält es «die Gesamtheit der Regeln, die eine diskursive Praxis charakterisieren ».
      Die eigentliche Faszination dieses Ansatzes liegt in seiner Negation hermeneutischer Exegesen einerseits, strukturalistischer Systemanalysen andererseits. Foucault wendet sich also gegen die Suche nach einem verborgenen Sinn wie gegen ein Modell der Texterklärung, für das die empirischen Diskurse bloße Manifestationen einer abstrakten Struktur bleiben.z. Die offene Frage nach dem spezifisch «Literarischen» hat Foucault in den frühen Analysen zur «Archäologie der Humanwissenschaften» und in den etwa zeitgleich publizierten «Schriften zur Literatur» zu beantworten versucht. Literatur erscheint dort als « Gegendiskurs » zu den herrschenden wissenschaftlichen und philosophischen Rationalitätsformen der Moderne, die Foucault in «Die Ordnung der Dinge» mit den an Zeitgeist-Formeln erinnernden Kategorien «Episteme» bezeichnet. Als gleichsam «dionysisches» Kräftepotential mißachtet und verletzt sie die kulturell herrschenden Diskursregeln, um eine « Befreiung des Wortes » zu schaffen. Der neuzeitlich-rationalistischen Auffassung von der Sprache als einer Repräsentation des Realen stellt Foucault, hierin Nietzsche verpflichtet, die These von der radikalen « Selbstreferenz » der Sprache entgegen, deren Disziplinierung durch sprachliche Konvention das Resultat diskursiver Praxis sei. Literatur sei in der Moderne insofern «subversiv», als sich in ihr das eigentliche, anarchische, nicht auf die repräsentative Funktion reduzierbare «Sein der Sprache» manifestiere. Foucault selbst hat 1975 in einem Interview eingeräumt, daß seine frühen Schriften zur Literatur keine Diskursanalysen im strengen Sinn darstellten. Außerdem sei es in Büchern wie «Raymond Roussel» und « Der Fall Riviere » weniger um die internen Strukturen oder Diskursregeln von Literatur gegangen als um die Bestimmung der « Schwelle », hinter der ein Diskurs eines Kranken oder eines Kriminellen beginnt, «innerhalb des als Literatur qualifizierten Bereichs zu funktionieren ». Vor allem aber räumt Foucault hier ein, daß sein Versuch, im Anschluß an Blanchot, Bataille und Barthes die Literatur als Gegendiskurs ihrem die historisch-soziale Wirklichkeit wi-derspiegelnden Charakter entgegenzusetzen, nicht mit allen « Sakrali-sierungen» ihres Gegenstands brechen konnte. Denn die Rede vom « Gegendiskurs » habe den falschen Eindruck entstehen lassen, Literatur sei als solche subversiv.
      3. Ein weiterer Einwand wiegt jedoch schwerer, da er den methodologischen Status der Diskursanalyse selbst bis hin zur «Archäologie des Wissens » betrifft. Foucault hat in seinen frühen Schriften die dis-kurskonstitutive Rolle sog. « nicht-diskursiver » Praxisformen zu wenig beachtet. Zu Recht hat H. Fink-Eitel in diesem Zusammenhang von einer «Illusion des autonomen Diskurses» gesprochen.
      Mit dieser Illusion aufzuräumen, war das Ziel der machttheoretischen Schriften der 70er Jahre. Bereits in der « Archäologie des Wissens » hieß es, der Diskurs sei «von Natur aus der Gegenstand eines Kampfes und eines politischen Kampfes ». Dieser Gedanke wird in der Inauguralvorlesung am « College de France » aufgegriffen. Das Motiv des anarchischen Gegendiskurses, für den in seinen frühen Schriften Literatur und Wahnsinn Paradigmen waren, ist hier noch präsent. Ihm korrespondiert eine Gleichsetzung von Macht und « Repression ». Von dieser Vorstellung verabschiedet sich Foucault jedoch in den 70er Jahren, wenn er «Macht» zur Produzentin von Wissen erklärt und umgekehrt.
      Bereits die Frage, was «Literatur» sei, wird jetzt auf der Grundlage institutionell wie diskursiv verankerter Machtverhältnisse gestellt. Ob der Literaturbegriff als normative Kategorie verwendet wird oder z. B. auch Groschenhefte und Schlagertexte umfaßt, ist eine Frage, die von Institutionen in unterschiedlichen Epochen völlig verschieden beantwortet werden kann. Daraus folgt für den « Nominalisten » Foucault, daß « Literatur » nur ein Name ist, der in unterschiedlichen Diskursen unterschiedlichen Gegenstandsformationen zugeschrieben werden kann. Wenn sich diskursive und nicht-diskursive Elemente vereinigen, um zielgerichtet auf den Diskurs einzuwirken, so spricht Foucault von einem «Dispositiv». Denjenigen Theorietyp, der nicht bloß diskursive System- und Regelzusammenhänge «ausgräbt» , sondern gleichzeitig ihre Vernetzung mit Machtverhältnissen untersucht, die auch von außen auf Diskurse einwirken, nennt er « Genealogie ».
      4. Der strikte Nominalismus des Diskursanalytikers Foucault wird an der Rolle, die Literatur in seinem SpätwerkI spielt, vollends deutlich. In den frühen Schriften korrespondierte der These von der Selbst-bezüglichkeit der Literatur diejenige vom Verschwinden des Autorsals des vermeintlichen Urhebers seines Diskurses. In seinen letzten Schriften thematisiert Foucault autobiographische Literatur als Praxis der «Selbstsorge», als Form, in der sich Subjektivität in der Moderne konstituiert.
      Literaturwissenschaftliche Anschlüsse an Foucault
«Es kann keine Foucault-Schüler oder gar Foucault-Schule geben.» " Francpis Ewald begründet seine These mit dem Argument, daß Foucault sein Denken immer als « vagabundierendes » " verstanden habe, als Serie von philosophischen «Akten» in der Tradition Nietzsches, als Operationen des Denkens, die sich immer einer aktuellen Situation verdanken, in die sie strategisch eingreifen. Niemals aber habe Foucault den Anspruch auf ein Erfassen von Totalität gestellt. Dem entspricht seine konstante Weigerung, seine Arbeit als allgemeine «Theorie » etikettieren zu lassen. Statt dessen benutzt er das Bild der «Werkzeugkiste», deren Inhalt man sich aus gegebenem Anlaß bedienen könne, wenn es um die Demontage von Machtsystemen gehe.
      Wenn also Literaturwissenschaftler seine Arbeiten teilweise selektiv und eklektisch verwenden, ist das mehr als legitim. Allerdings hat es auch zu einer unübersichtlichen Forschungslage geführt." Zum einen erlebt Foucaults Diskursbegriff eine fragwürdige Konjunktur und läuft in bestimmten Verwendungsweisen Gefahr, zur Leerformel zu verkommen. Zum anderen verknüpfen manche Literaturwissenschaftler durchaus heterogene Ansätze aus dem Umkreis des französischen < Poststrukturalismus > zu einer < Diskurstheorie >, deren methodologischer Bezug zu den Arbeiten Foucaults rudimentär bleibt.
      Drei Linien literaturwissenschaftlicher Foucault-Rezeption soll im folgenden exemplarisch nachgegangen werden.
      1. In der Diskussion über Diskursanalyse und Literaturwissenschaft ist generell bezweifelt worden, daß sich die Foucaultschen «Werkzeuge » auf den Gegenstandsbereich Literatur anwenden lassen. So sah Manfred Frank einen Widerspruch zwischen Foucaults Ablehnung totalisierender Allgemeinbegriffe und seinem Begriff des «Archivs». Demgegenüber fanden andere - wie Frank hermeneutisch orientierte - Literaturwissenschaftler in Foucaults Arbeiten Ansatzpunkte für eine kritische Reflexion ihres theoretischen Selbstverständnisses.
     
Nach Auffassung Harro Müllers kann auch eine diskurstheoretisch-funktionale Analyse des Werkbegriffs die hermeneutische Perspektive bereichern. Dieser Begriff «homogenisiert das Kommunikationsprogramm über Kunstwerke, organisiert die Beteiligung, reduziert Einstellungsbeliebigkeit und reguliert massiv die Erwartungen» . Der Diskurstheorie wird von Müller innerhalb der Literaturwissenschaft die selbstreflexive Aufgabe zuerkannt, die eigene Arbeit als Machtspiel, als «aktive Sinnordnungspolitik» zu hinterfragen.
      Neben dieser «Beobachterperspektive» reklamieren H. Müller und auch J. Fohrmann aber weiterhin eine - mit Foucaults methodologischem Selbstverständnis sicher unvereinbare - hermeneutische «Teilnehmerperspektive». Denn die Literaturwissenschaft könne weder auf den Werkbegriff noch auf die interpretierende Arbeit des « Kommentars » verzichten. Danach läge die Aufgabe der Diskursanalyse -bezogen auf das hermeneutische Sinnverstehen der Literaturwissenschaft - auf einer Metaebene: Sie hätte zu zeigen, welche diskursiven Praktiken Interpretationen ermöglichen. Letztere bleiben nach Fohrmann das unabdingbare Geschäft der Literaturwissenschaft; denn « solange Bedeutung... hergestellt werden soll, sind Signifikate auf Signifikanten zu beziehen» . Dies bedeutet für die Diskursanalyse eine grundlegende Infragestellung ihrer von Foucault postulierten gegenstandsexternen Beobachterposition. Denn wenn die von Foucault geforderte Differenz von Objektsprache und Metasprache nicht existiert, ist seine Diskursanalyse nichts anderes als die unbewußte «Rückkehr des Kommentars - im Kommentar über seine Formierung» .
      2. Friedrich A. Kittler hat Foucaults Diskursanalyse auf der Basis ihrer methodologischen Prämissen in verschiedenen Arbeiten, insbesondere aber in seinem Buch «Aufschreibesysteme» weiterentwik-kelt. Auch Jürgen Link knüpft mit seinem Konzept von «Literaturanalyse als Interdiskursanalyse » l an Foucault an. Hatte Foucault in der « Archäologie des Wissens » von «interdiskursiven Konfigurationen » gesprochen, so bezog er sich auf regional begrenzte Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichen Diskursen. Link nennt im Anschluß daran «Interdiskurs » diejenigen diskursiven Elemente, die in mehreren Diskursen vorkommen.' Er unterscheidet dabei zwischen «operativen» interdiskursiven Elementen wie Meßverfahren oder mathematischer Formalisierung und «imaginären» Elementen , die als elementar-literarische Anschauungsformenden «Rohstoff» von Literatur bilden. Link wirft Foucault vor, die imaginären Elemente und die ihnen eigenen Machteffekte in seiner Analyse von Machtdispositiven zu wenig berücksichtigt zu haben.
      Als typische Beispiele für solche Diskurselemente führt Link die «Kollektivsymbole» an, Sinnbilder, die von verschiedenen sozialen Trägern in den unterschiedlichsten Praxisbereichen verwendet werden. Von « Fairness » etwa ist heute nicht nur im sportlichen, sondern auch im juristischen, ethischen oder politischen Diskurs die Rede. War es auf der Grundlage der methodologischen Reflexionen Foucaults zunächst schwierig, einen spezifischen Ort von Literatur innerhalb der Vielfalt des Diskurses zu bestimmen, so ist dies nach Link nun möglich: Der literarische Diskurs der Moderne ist für ihn ein «auf spezifische Weise elaborierter Interdiskurs »l8, der nicht zuletzt spezifisch literarischen Regeln gehorcht.
      Ein besonders prägnantes Beispiel für Links generatives Analyseverfahren bietet seine Untersuchung zur « Lyrikevolution Brecht - Mal-kowski» I9. Der «Diskurs » der « Buckower Elegien » Brechts, nach Link ein strukturiertes Ensemble literarischer Produktionsregeln wie Reimlosigkeit, epigrammatische Knappheit, prägnant lakonische Formulierung, dialektische Triade als Prozeßschema usw., sei durch Grenzen markiert, die andere mögliche Regeln ausschlössen. Link weist nach, daß Malkowski10, dessen Gedichte in der neueren Literaturwissenschaft einer «Neuen Subjektivität» zugerechnet werden, die Regelapparatur - vermutlich unbewußt - gleichzeitig benutzt und überschreitet. Die Gedichte des Brechtschen Zyklus unterliegen nach Link einer « Situationsregel»: Sie beziehen sich immer auf eine alltägliche Situation und verwenden die Form eines « quasi-pragmatischen » lyrischen Ichs, das im Unterschied zu einem « romantischen oder postromantischen » Ich dem Leser das «Verschmelzen in einer absoluten Subjektivität» unmöglich mache.
      Malkowski bedient sich beider Formen des lyrischen Ichs und verzichtet im Unterschied zu Brecht auf die Beschreibung solcher Alltagssituationen, die sich auf kollektive Erfahrungen beziehen lassen und diesen Bezug durch « die Konnotation von kulturell stereotypen Kollektivsymbolen » herstellen. So soll etwa in Brechts Version « Ginge da ein Wind / Könnte ich ein Segel stellen » aus dem Motto der « Buckower Elegien » der «Wind » das Kollektivsymbol « stürmische Massenbewegung» konnotieren. Die Regelüberschreitungen Malkowskis sind nach Link eine Reaktivierung von «Ideologeme des Natürlich-Gegebenen, Spontan-Erscheinenden und Anthropologisch-Konstan-ten», die der Marxist Brecht durch «ideologische Ausschlußregeln» aus dem Potential des lyrisch Sagbaren eliminiert habe.
      Das Problem, welche Arten von Regelabweichung innerhalb eines Diskurses noch zulässig sind, ohne dessen Grenzen zu sprengen, und welche «diskursiven Ereignisse» neue Diskurse konstituieren, löst Link mit Hilfe des von Foucault selbst abgelehnten Ideologiebegriffs. Malkowski - so Link - hebe die «ideologischen Ausschlußregeln» Brechts auf, um andere Ideologeme an ihre Stelle treten zu lassen.
      Jochen Hörisch und Hans-Georg Pott kritisieren das szientistische Selbstverständnis des Linkschen Ansatzes, das in Links Ablehnung der Theorie des «hermeneutischen Rests» seinen Ausdruck finde. Dieser «Rest» sei auch der differenziertesten Literaturanalyse prinzipiell unzugänglich. «Systematische Verkennung rätselhafter Strukturen», die für Dichtung charakteristisch seien, ja «Identifikation mit dem Aggressor von Dichtung» lauten die Vorwürfe. Interessanterweise trifft sich diese Kritik teilweise mit Foucaults früherer Konzeption von Literatur als «Gegendiskurs», wenn Hörisch und Pott in der Negation « okzidentaler Herrschaftslogik » die eigentliche Leistung von Literatur sehen und auf deren «Autonomie» gegenüber der Zwangsrationalität sozialer Zusammenhänge innerhalb der modernen Industriegesellschaft pochen.

     
   3. Link wie auch seine Kritiker können sich also auf Foucault berufen. Denn dieser hat seinen Lesern auch empfohlen, die von ihm zur Verfügung gestellten Werkzeuge pragmatisch zu verwenden, statt nach dem «wahren» theoretischen Ansatz oder der verborgenen Sinnkontinuität seines Werks zu fragen.
      Der Literaturtheoretiker Terry Eagelton vergleicht die Diskursanalyse deshalb mit der klassischen Rhetorik: Diese untersuche «die Art, wie Diskurse aufgebaut sind, um bestimmte Effekte zu erzielen». Das setze einen bewußten Umgang mit den eigenen politischen Zielen voraus. Als Beispiel für das Gelingen einer solchen Diskurspolitik führt Eagelton die Frauenbewegung an. Hier habe man Diskurse konsequent im Kampf gegen Unterdrückung benutzt.
      Der Wahrheitswert von Diskursen ist für Eagelton wie für Foucault von sekundärem Interesse, da es ihnen nicht um Wahrheit als solche, sondern nur um ihre möglichen Wirkungen im Machtspiel der Diskurse geht. Hier droht an die Stelle begründeter Entscheidungen für bestimmte Diskursstrategien postmoderne Beliebigkeit zu treten. Eagelton siedelt daher am Ausgangspunkt jeglicher Diskursanalyse und -politik die Beschäftigung mit Moral an. Nur eine «ge-nuin moralische Argumentation » könne die Grundlage angemessener Diskursstrategien sein.

     
   Doch bleibt anschließend zu fragen, ob das Problem der Wahrheit hier nicht nur von der theoretischen auf die praktische Ebene verschoben wird, ohne dort wirklich gelöst zu werden. Denn welche andere Grundlage hätte eine solche Moral als die widersprüchlichen Dispositive des Machtwissens selbst, in die wir verstrickt sind ? Ist es auf einer solchen < Grundlage > nicht entweder der Beliebigkeit oder dem puren Machtinteresse überlassen, wofür oder wogegen sich der Diskursstratege engagiert? Was soll beispielsweise einen Mann dazu veranlassen, sich für die Frauenbewegung einzusetzen, außer dem Interesse, sich bei den Frauen beliebt zu machen? Und was soll uns dazu bringen, dem von Eagelton befürchteten «Tod der Literatur» entgegenzuarbeiten, außer der Tatsache, daß wir selbst Literaturwissenschaftler sind und dieser uns arbeitslos machen würde?
Antworten auf diese Fragen sind möglich. Eine Diskursanalyse, die ausschließlich an Foucault orientiert bleibt, wird solche Antworten allerdings nicht liefern können.
     

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