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Furcht und Angst



Das Phänomen Angst wirft im Unterschied zum Phänomen Furcht Schwierigkeiten auf, sobald es literarisch gestaltet werden soll, denn die Furcht hat ein »objektives Korrelat«, nicht aber die Angst. Die Angst hat kein konkretes Wovor, sie ist gegenstandslos. Literarische Darstellung aber ist auf objektive Korrelate angewiesen, um Befindlichkeiten verständlich zu machen. Wie also muss der Autor eines literarischen Kunstwerks vorgehen, um Angst anschaulich und damit plausibel werden zu lassen?

In seiner Schrift Der Begriff Angst aus dem Jahre 1844 unterscheidet S0ren Kierkegaard zwischen Furcht und Angst:
Den Begriff Angst sieht man fast niemals in der Psychologie behandelt, ich muss deshalb darauf aufmerksam machen, dass er gänzlich verschieden ist von der Furcht und ähnlichen Begriffen, die sich auf etwas Bestimmtes beziehen, während die Angst die Wirklichkeit der Freiheit als Möglichkeit für die Möglichkeit ist.
Wie Michael Schmidt-Degenhard in seinem Forschungsbericht zu den problemgeschichtlichen und klinischen Aspekten der Angst kenntlich macht, hat Karl Jaspers nach intensiver Beschäftigung mit Kierkegaard, die aber nach Jaspers' eigenen Worten erst nach 1914 einsetzte, die Unterscheidung zwischen Furcht und Angst in die Psychopathologie eingeführt - allerdings erst 1946, in der vierten Auflage seiner Allgemeinen Psychopathologie. Es heißt dort:
Ein häufiges und qualvolles Gefühl ist die Angst. Furcht ist auf etwas gerichtet, Angst ist gegenstandslos. Als eine spezifische Gefühlsempfindung des Herzens ist die Angst vital [...], aber Angst ist auch ein ursprünglicher Seelenzustand, in Analogie zur vitalen Angst, immer das Dasein im ganzen betreffend, es durchdringend und beherrschend.
Ihre fundamental-ontologische Ausrichtung hat die Unterscheidung zwischen Furcht und Angst in Heideggers Sein und Zeit aus dem Jahre 1927 erhalten. Hier wird die »Grundbefindlichkeit der Angst« als eine »ausgezeichnete Erschlossenheit des Daseins« gekennzeichnet. Angst ist ursprünglicherals Furcht. Es heißt: »Furcht ist an die >Welt< verfallene, uneigentliche und ihr selbst als solche verborgene Angst.«
Während die Furcht ihr Wovor in der Welt hat und immer auf Welt angewiesen bleibt, holt die Angst »das Dasein aus seinem verfallenden Aufgehen in der >Welt< zurück. Die alltägliche Vertrautheit bricht in sich zusammen.« . Welt ist zwar auch jetzt noch da, aber nur, um das »Un-zuhause« des Daseins auszuweisen. »Die Angst vereinzelt und erschließt so das Dasein als >solus ipseunheimlich

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