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Die ungarndeutsche Gegenwartsliteratur vor historischem Hintergrund



Die ungarndeutsche Gegenwartsliteratur mußte Anfang der siebziger Jahre - aus einem Zustand des Scheintodes - sozusagen mit Gewalt wieder ins Leben gerufen werden. Es fing 1973 mit dem Preisausschreiben desWochenblatts ,Neue Zeitung' 'Greift zur Feder!" an. Aus den überraschend zahlreichen Einsendungen stellte man 1974 die Anthologie 'Tiefe Wurzeln" zusammen, der - etwa in jährlichen Abständen - zwei Dutzend weitere Publikationen, Anthologien und Einzelbände mit lyrischen und epischen Texten folgten. Die Verfasser der Preisschriften schrieben nämlich weiter, sie bildeten eine Stammgarde, zu der noch anderthalb bis zwei Dutzend neue Autoren stießen. Um ihre Betreuung machte sich - durch die Sicherung von Publikationsmöglichkeiten und einer gewissen Ã-ffentlichkeit, durch ästhetisch-sprachliche Beratung und so weiter - in erster Linie die seit 1972 bestehende und seitdem von Johann Schuth geleitete ,Literarische Sektion des Verbandes der Ungarndeutschen' verdient. Seit Juni dieses Jahres heißt die Sektion 'Verband ungarndeutscher Autoren" und ist völlig selbständig mit allen Vor- und Nachteilen dieses Zustandes.

      Die Hauptgefahr, die der ungarndeutschen Literatur in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten drohte, war nicht politischer Natur. Zerstörend war und ist in erster Linie die Anspruchslosigkeit in den eigenen Reihen; Literatur wird von den meisten Autoren als eine reine Hobbybeschäftigung betrachtet, die zu nichts verpflichtet. Durch die Veröffentlichung unreiferWerke. das Fehlen einer funktionsfähigen literarischen Ã-ffentlichkeit und die allzu vorsichtige Kritik wird die Lage weiter erschwert. Das Interesse des potentiellen Publikums hält sich ohnehin in Grenzen.
      Die Produktion der siebziger und achtziger Jahre verdient immerhin - bei allen ästhetischen Vorbehalten - die Aufmerksamkeit der Forschung, wenn auch vor allem als literatursoziologischer Beleg der Existenz einer Volksgruppe. Sie beweist, daß Kultur im Minderheitendasein nicht unbedingt auf die folkloristische Fassade, auf Tanzen, Singen und höchstens etwas handwerkliche Tradition reduzierbar ist. Die ungarndeutsche Gegenwartsliteratur vermag Außenstehenden - und nicht nur Germanisten - einen Eindruck von der Situation der Volksgruppe zu vermitteln, wobei gewisse schöpferisch bedingte Grenzen nicht verschwiegen werden dürfen. An einem Beispiel von der-zu Recht - bekanntesten ungarndeutschen Gegenwartsautorin Valeria Koch soll dies kurz beleuchtet werden.
      Ihr Gedicht Dichtung und Wahrheit hat folgenden Wortlaut:
Willkommen gnädige Frau begrüßte der nette Herr aus Wien im prunkvollen Haus die Schriftstellerin und küßte ihr die Hand
Nach der Vorlesungging sie nach Hauseund putzte rasch den frischen Dreckder alten Damemit derselben Hand
Im Gedicht, dessen Titel bewußt mit Goethe kokettiert , kommt nicht nur der allgemeine Widerspruch zwischen Poesie und Realität zum Ausdruck, sondern zugleich ein erschütternder Zug der gegenwärtigen Lage in Ungarn: die aussichtslose Wohnungssituation. Der Durchschnittsbürger hat keine Chance, eine Wohnung zu mieten ; um eine zu kaufen, müßte er über horrende Summen verfügen, die er nicht hat. Um doch noch ein Dach über dem Kopf zu haben, ist er zu verschiedenen Tricks gezwungen. Einer dieser Tricks ist, mit einer alleinstehenden alten Person einen Vertrag abzuschließen, daß man sie bis zum Tod versorgt, als Gegenleistung erbt man dann die Wohnung. . Am Anfang hat man zunächst darum zu bangen, daß der alte Mensch nicht stirbt, denn der Vertrag gilt nur, wenn er schon zwei Jahre alt ist, danach wünscht man sich aber das Gegenteil. Wenn man Pech hat - und davon redet hier Valeria Koch - bedarf der Pflegling fremder Hilfe, bevor er stirbt. Wenn Ihnen, meine Damen und Herren, diese Dimension des Problems ohne meine Erläuterung nicht ganz klar geworden wäre, so liegt es wohl kaum an Ihnen, sondern eben am Gedicht.
      Die Gattungslage bei den Ungarndeutschen ist typisch für eine Minderheitenliteratur. Es gibt so gut wie keine dramatische Produktion; in der Prosa werden kurze, aus betont auktorialer Perspektive erzählte Geschichten bevorzugt - der lange Atem und der Wille zur Neuerung fehlen; dieTradition der Dorfgeschichte wirkt nach. Nur in der Lyrik gibt es eine relativ reiche Produktion. Das geht zum einen auf die scheinbare Einfachheit des lyrischen Festhaltens von Gedanken und auf die Illusion zurück, Papier und Stift reichten schon für Literatur; die fehlende Sprachkompetenz bei so manchem Autor, auf die Alexander Ritter in der Studie 'Germanistik ohne schlechtes Gewissen" hinweist, wird wohl mit ein Faktor sein, nicht aber die Tatsache, wie ich neulich von Franz Hodjak gehört habe, daß in der rumäniendeutschen Literatur die Lyrik auch aus dem Grund bevorzugt wurde, weil sie am unangenehmsten für die Zensur war. Dazu gehört ein fachliches Können, über das unsere Autoren wohl kaum verfügen.
      Stilistisch wie inhaltlich zerfällt die ungarndeutsche Gegenwartsliteratur ziemlich klar in zwei Teile. Bei den Ã"lteren überwiegt die Produktion von liedhaften Gedichten in der Nachfolge von Unland, Lenau und Heine, die Jüngeren bedienen sich meist impressionistischer Muster und verwenden am liebsten freie Rhythmen. Für die erste Gruppe gilt Literatur als Mittel dazu, ein Kollektiv zu erreichen, etwas lange Verschwiegenes auszudrücken. Sie sprechen im Namen einer Gemeinschaft, ihr bevorzugtes Personalpronomen ist 'wir"; sie übernehmen vieles aus derTradition der Heimatliteratur. Die Nachkriegsgeneration schafft wiederum Literatur streng im eigenen Namen, von subjektiven Erkenntnissen ausgehend, in der ersten Person Singular.
      Im Laufe der Tagung werden Sie, meine Damen und Herren, noch Gelegenheit haben, einen ausführlichen Vortrag über die Problematik zu hören und typische Vertreter und Werke dieser bescheidenen Literatur kennenzulernen. Lassen Sie mich daher den erstenTeil des Referats hier mit einer kurzen Bilanz über die Forschungslage abschließen. Es gibt mehrere knappe Zusammenfassungen zum Thema, die alle mit einem ziemlich gleichlautenden Urteil - eben der Betonung der literatursoziologischen Relevanz und der Relativierung des ästhetischen Wertes - enden. Nennenswert sind Nachworte von Bela Szende zu mehreren Anthologien, Helmut Rudolfs 1979 erschienener 'Erster Beitrag zur Positionsbestimmung" und vor allem Jürgen Englers Aufsatz 'Ungarndeutsche Literatur oder deutschsprachige Literatur Ungarns?" in der .Neuen Deutschen Literatur'. Man begegnet in allgemeinen Darstellungen der deutschsprachigen Minderheitenliteraturen immer wieder Hinweisen auf die ungarndeutsche Situation, allerdings meist ohne Aussagen zu deren Spezifik. Die Aufmerksamkeit der Forschung verdient in erster Linie Oskar Metzlers Buch 'Gespräche mit ungarndeutschen Schriftstellern", eine präzise, philologisch äußerst zuverlässige Leistung, auf die man sich in Einzelfragen stets gut stützen kann. Da das Buch literarische Größenverhältnisse behutsam ausklammert, ist es jedoch alles in allem nicht unkritisch zu sehen. Es existieren - das folgt nun eigentlich aus dem Charakter der ungarndeutschen Gegenwartsliteratur - nicht sehr viele Arbeiten über einzelne Werke, über Detailfragen, über Aspekte der Entwicklung. Helmut Rudolf hat einige analytische Texte verfaßt, und meine Wenigkeit hat auch etliches vorgelegt. Ich habe mir jetzt eine umfassende Darstellung der ungarndeutschen Literaturentwicklung der Nachkriegszeit vorgenommen, das Material liegt beisammen, es fehlt nur noch an Zeit; ein Forschungssemester würde reichen.
      Wer die Geschichte der ungarndeutschen Literatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch immer schreibt, an der Gesamteinschätzung wird das nicht viel ändern. Die Grenzen des Forschungsgegenstandes sind klar, die Frage, ob dies oder jenes nun zum Thema gehört oder nicht, wird nicht auftauchen, man wird nicht mit Bedenken über die eigene Zuständigkeit zu ringen haben und so weiter. Nicht so einfach sieht es mit der Zeit vor 1945 - und vor allem vor 1918 - aus.
      Allein schon die geographische Nachbarschaft des deutschen Sprachraums und die sehr lebhaften Kontakte in jeder Sphäre des privaten und öffentlichen Lebens bürgten dafür, daß auf demTerritorium des jeweiligen ungarischen Staates traditionell eine reiche deutsche Kultur vorhanden war, mit vielschichtigem Theater- und Pressewesen, zahlreichen literarischen Werken und so weiter. Träger dieser Kultur war das deutschsprachige Bürgertum, Stützen der Entwicklung waren die Städte, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem großen Prozentsatz, ja überwiegend von deutschen Bürgern bewohnt waren: Ofen , Raab oder Ã-denburg zum Beispiel. In diesem Zusammenhang wird in der Forschung meist auf eine große Breitenwirkung hingewiesen ; herausragende Leistungen, heißt es, seien kaum zu verzeichnen, wer wirkliche literarische Ambitionen hatte, konnte ja - ob er Lenau oder Saphir hieß - nach Wien oder noch weiter ziehen.
      Diese allgemeine Tendenz ist kaum zu bezweifeln, trotzdem kann man nicht ausschließen, daß sie einer gewissen Relativierung bedarf. Der zur Zeit an der Berliner Humboldt-Universität tätige Budapester Germanist Läszlö Tarnöi hat vor einigen Monaten auf einerTagung dieThese aufgestellt, das ästhetisch-literarische Niveau der deutschsprachigen Literatur Ungarns in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sei um keinen Deut niedriger gewesen als das der zeitgenössischen ungarischen Literatur. Eine gedruckte Fassung des Referats liegt meines Wissens bisher nicht vor, und ohne die genaue Kenntnis der Werke von Johann Ladislaus Pyrker , Leopold Petz , Ignaz Aurel Feßler sowie ihrer ungarischsprachigen Zeitgenossen Ferenc Kazinczy oder Jözsef Bajza wäre eine Stellungnahme zuTarnöis These, die ein bißchen an die Auffassung von der deutschen Kulturhoheit in unserem Raum erinnert, sicherlich gewagt. Warum ich sie hier trotzdem ins Gespräch bringe? WeilTarnöis Problemstellung eindeutig ein Defizit der Forschung markiert. Deutschsprachige Literatur und Kultur in unserem Raum bilden in Anbetracht der gesamtdeutschen, genauso der gesamtösterreichischen Kulturentwicklung eine marginale Erscheinung, und so wurden sie auch von der Forschung betrachtet, nach dem Motto, was soll ein Pyrker, wenn es gleichzeitig auch einen Goethe beziehungsweise einen Grillparzer gibt? Ungarndeutsche Forscher haben die historische Entwicklung aktuellen Problemen derTraditionsfindung, der Kontinuität untergeordnet. Im Blickwinkel der ungarischen Forschung wiederum stand die Entwicklung der ungarischen Nationalkultur; die den Deutschen im Prinzip immer zugestandene Vermittlerfunktion wurde kaum herausgestellt. Ein kurzes Beispiel dafür: Das 1837 gegründete Ungarische Nationaltheater in Pest spielt in unserem Traditionsbewußtsein eine sehr wichtige Rolle; aus aktuellem Anlaß wird es am laufenden Band erwähnt. Daß bereits 1812, also ein Vierteljahrhundert vor dem ungarischen, ein deutsches Theater in der Stadt eröffnet wurde - das wird bei uns kaum beachtet.
      Ich habe hier eigentlich zu ausführlich über die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts gesprochen, sie ist aber, wenn man die zweite Hälfte und das 20. Jahrhundert verstehen will, nicht außer acht zu lassen, alles fing ja mit dem Aufkommen des Nationalbewußtseins an. Die deutsche Kultur wurde bei den Völkern der Region zwangsläufig immer mehr mit der übernationalen Idee der Habsburger identifiziert und als Konkurrent aufgefaßt, und die einzelnen Nationalkulturen strebten danach, sie möglichst zu verdrängen. Diese Tendenz verstärkte sich nach 1848 in Ungarn ganz besonders, vor allem eben in den Städten, quasi als Gegenbewegung zu der erstarkenden politischen Einflußnahme der Habsburger nach der niedergeschlagenen Revolution. Die gesellschaftliche Entwicklung schien sich eng mit der nationalen zu verknüpfen. Nach Königgrätz und dem anschließenden Ausgleich 1867, der zur Entstehung der Doppelmonarchie führte und den nationalen - oft nationalistischen - Bestrebungen Ungarns einen freien Lauf ließ, wurde die spontane Assimilation in zunehmendem Maße von der gewaltsamen begleitet, ja durch diese ersetzt. Die unduldsame ungarische Staatspolitik manifestierte sich vor allem im Schulwesen.
      Durch die Friedensverträge nach dem ErstenWeltkrieg verlor Ungarn die meisten Gebiete mit einer geschlossenen deutschen Volksgruppe: die Zips, Siebenbürgen, das Burgenland. Innerhalb der Grenzen des Landes sind nur noch etwa eine halbe Million Deutsche verblieben, fast ausschließlich Nachfahren der nach den Türkenkriegen -vor allem unter MariaTheresia - aus verschiedenen Teilen Deutschlands angesiedelten Bauern, ziemlich zerstreut, hauptsächlich in ländlichen Gebieten . Die Ungarndeutschen hatten von der Zeit an praktisch keine Intellektuellenschicht , und so geriet auch die Literaturproduktion immer mehr ins Stocken. Zu behaupten, daß diese Zeit literaturgeschichtlich ohne Interesse gewesen sei, wäre jedoch verfehlt; die Beispiele, die ich mir am Ende des Referats zu erwähnen erlaube, stammen alle aus dieser Periode.
      Ãober die traurigen Jahre des Zweiten Weltkriegs braucht man in diesem Zusammenhang nicht ausführlich zu reden - aus der Sicht der ungarndeutschen Literatur waren sie nicht ergiebig. Und die Entwicklung nach 1945 erwies sich durch die Aussiedlung der Hälfte der deutschen Bevölkerung, die massenhafte Verschleppung zum Arbeitsdienst in die Sowjetunion, die These von der Kollektivschuld auch nicht gerade als günstig für die Entfaltung einer Literatur. Mitte der fünfziger Jahre lockerte sich der Druck ein bißchen, dann wurden die Lebensbedingungen der Volksgruppe etwas besser - für das Entstehen einer Literatur reichte es, wie anfangs erwähnt, noch lange nicht; die ersten zaghaften Schritte waren erst in den siebziger Jahren zu vermerken.
      Was hat nun die germanistische Forschung von all dem aufgearbeitet? Vom Ende des 19. Jahrhunderts, als Gustav Heinrich die wissenschaftliche Germanistik in Ungarn schuf, bis in die dreißiger Jahre hat man etliches getan. Jözsef Szinnyei hat in einem monumentalen bibliographischen Werk, auf das man bis heute getrost zurückgreifen kann, das Schrifttum des jeweiligen ungarischen Staates - unabhängig davon, in welcher Sprache die Werke entstanden - erfaßt. Käroly Szabö hat in einer sorgfältigen Bibliographie alle in nichtungarischer Sprache erschienenen heimischen beziehungsweise im Ausland von ungarländischen Verfassern in nichtungarischer Sprache erschienenen Druckwerke des Zeitraums 1473-1711 verzeichnet. Die Bibliographie der deutschen Zeitungen und Zeitschriften in Ungarn von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkrieges von Heinrich Rez ist ebenfalls eine verdienstvolle Arbeit. Last but not least ist der Literaturwissenschaftler Bela Pukänszky zu nennen. Sein Hauptwerk, die 'Geschichte des deutschen Schrifttums in Ungarn" gibt eine zuverlässige Auskunft über die Zeit bis 1848, es kann heute noch als eine geeignete Grundlage für weitere Forschungen bezeichnet werden. Die Epoche von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ist demgegenüber- obwohl außerordentlich interessant - im wesentlichen ein weißer Fleck, es gibt zwar wertvolle Detailuntersuchungen, vor allem in der von Gustav Heinrich gegründeten Schriftenreihe 'Nemet Philolögiai Dolgozatok" und in den 'Deutschungarischen Heimatblättern" , aber eine Bilanz fehlt.
      Seit dem Zweiten Weltkrieg scheint die ungarische Germanistik - sicherlich nicht zuletzt aus ideologischen Gründen - das Naheliegende zu übersehen und in der Regel allgemeinere Themen zu bevorzugen. . Eine gewisse Ausnahme bildet das von Antal Mädl zuerst vor einem Jahrzehnt angekündigte 'Lexikon des deutschsprachigen Schrifttums in Ungarn , ein Vorhaben, das durch die konkreten Arbeitsbedingungen für Intellektuelle, durch den Mangel an brauchbaren Mitarbeitern und und und dermaßen verzögert wird, daß es immer noch in der Vorbereitungsphase steckt. Man fragt sich überhaupt, ob es bei solch umfassenden Arbeiten heute nicht angebrachter wäre, ab ovo grenzüberschreitend vorzugehen; die meisten Literaten, deren Schaffen untersucht werden muß, lassen sich ja kaum so einfach einordnen, wie Germanisten sich dies vielleicht wünschen würden - und wenn doch, dann eben mehrfach. Lohnt aber mehrfache Arbeit, oder sollte man nicht lieber sinnvoll zusammenwirken? Der Banater Arbeiterdichter Nikolaus Schmidt verließ den ungarischen Staat nie, publizierte fast ausschließlich in Ungarn und starb in Budapest -sollte er nur die ungarische Germanistik interessieren? Der Zipser Lyriker und Ãobersetzer Friedrich Läm wurde ein Raaber Lokalpatriot und starb in Budapest. Wer ist für ihn zuständig? Andreas Latzko , der berühmte pazifistische Autor des Ersten Weltkrieges, Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie in Budapest, studierte in Berlin, zog sich als Offizier der k.u.k. Armee eine schwere Verletzung zu, veröffentlichte seine wichtigsten Bücher in der Schweiz, wo er zur Kur weilte, und verbrachte die letzten Lebensjahre im holländischen Exil. Wer soll sich um sein Schaffen kümmern? Wer soll sich des deutsch und ungarisch geschriebenen dramatischen Werks von Julius Hay annehmen, der zwar nichts mit der ungarndeutschen Volksgruppe im engen Sinne des Wortes zu tun hatte, aber eine Zeitlang weltberühmt war und sogar ins Chinesische und Singalesische übersetzt wurde?
Für mich liegt die Antwort auf diese Fragen auf der Hand; die Zauberformel heißt Ãoberwindung der Isolation und Zusammenarbeit. Ich hoffe, der Ablauf der Tagung und ihre Folgen werden mich bestätigen.
     

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