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Der Kunstgriff im poetologischen Zusammenhang des Einzelwerks



Hermeneutisch bedeutet das: All die Handbücher zur Identifikation literarischer Techniken sind soviel wert wie der Interpret, der sie zur Auslegung eines Einzeltextes nutzt. Sucht der Interpret sein Heil in den Kunstgriffen, dann hat er zwar die unmittelbare Nachvollziehbarkeit von allem, was er sagt, auf seiner Seite, der künstlerischen Substanz aber, die in der poetologischen Bewältigung von Zeit und Raum ihren Ausdruck findet, kommt er damit nicht nahe.



     
Solche Warnung darf jedoch nicht missverstanden werden. Deshalb sei nachdrücklich betont: Der Sinn für das Handwerkliche am literarischen Kunstwerk kann gar nicht intensiv genug ausgebildet werden. Alle großen Erzähler, Dramatiker, Lyriker waren Virtuosen ihres Mediums. Homer, Shakespeare, Hölderlin - Flaubert, Ibsen, Rilke waren »technisch« mit allen Wassern gewaschen, und es ist zweifellos ein Vergnügen eigener Art, die Kunstgriffe solcher Meister zu studieren. Insofern können literaturwissenschaftliche Standardwerke wie Franz Stanzeis Theorie des Erzählens, Gustav Freytags Die Technik des Dramas oder Horst Joachim Franks Handbuch der deutschen Strophenformen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Stichwort: »Formen der Literatur« . Auch Joseph Warren Beachs The Twentieth-Century Novel. Studies in Technique und Wayne C. Booths The Rhetoric ofFiction seien nicht vergessen.
      Unser Blick darf sich aber nicht in den Kunstgriffen des literarischen Textes verfangen, als sei Kennerschaft in dieser Region, der Region der Virtuosität, das Nonplusultra aller Ã"sthetik.
      Es kommt darauf an, einen einzelnen literarischen Text auf seine Kunstgriffe hin zu betrachten, ohne dabei in die formalistische Falle zu geraten. Das heißt: Die Kunstgriffe sind auf ihre Leistung hier und jetzt anzusehen, auf ihre Leistung in diesem einen Fall. Gefordert ist also das Denken der poetologischen Differenz mit dem Ziel der poetologischen Rekonstruktion des Einzelwerks.
     

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