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Das Ziel von Agathons Btldungsgescbichte



Der Erzähler des Romans gibt sich hinsichtlich der Möglichkeiten Agathons, seine moralische Überzeugung gegen weitere Enttäuschungen zu behaupten, sehr nüchtern und illusionslos. Es scheint ihm außer Zweifel zu stehen, daß der Held seiner Geschichte durch weitere Abenteuer nach Art der in Smyrna und Syrakus erlebten auch den bislang noch geretteten "kostbaren Ueberrest seiner ehemaligen Tugend" verlieren würde . Er gesteht daher offen ein, daß zur Rettung Agathons ein Zusammenhang "glüklicher Umstände" nötig war, der jenseits aller Wahrscheinlichkeit liegt .

      Gelegentlich hat man in dieser Wendung einen radikalen Pessimismus finden wollen: Wielands Roman demonstriere mit seinem gewaltsamen und offen als unglaubwürdig deklarierten Happy End nur die finstere Wahrheit, daß die Welt dem Guten keinen gesicherten Platz biete . Nun läßt sich zur Stützung einer solchen Deutung zwar auf gelegentlich gemachte Bekenntnisse des Autors hinweisen, daß er allen Glauben an die Tugend verloren habe . Und ganz offensichtlich steht Wieland am Ende seines Romans vor einem Problem, für das ihm eine glatte Lösung nicht zur Hand war. Aber man kann denn doch nicht über die intensiven und wortreichen Bemühungen des Erzählers hinwegsehen, den moralischen Kern in der Person Agathons als unkorrumpierbar erscheinen zu lassen. Wenn er die Erziehung des Schwärmers durch Erfahrung schildern wollte, so mußte er darauf achten, daß nicht mit der Schwärmerei zugleich der Glaube an das Gute überhaupt ausgerottet wurde. Denn in Agathons Begeisterung hatte ein Moment der Wahrheit gesteckt: Sie war "die Quelle seiner Fehler sowol als seiner schönsten Thaten gewesen" .
      Daher mußte die Folge der enttäuschenden Erfahrungen abgebrochen werden, als eine gewisse Ernüchterung des Helden eingetreten war, aber seine "zarte Empfindlichkeit der Seele" noch keinen bleibenden Schaden genommen hatte . Ziel der Entwicklung ist eine Verbindung von skeptisch stimmender Erfahrung und apriorischen moralischen Gewißheiten: Selbsttäuschungen durch rauschhaften Enthusiasmus oder durch windige Spekulationen soll es nicht mehr geben. Aber der Mensch darf auch nicht in einer "gänzlichen Ungewißheit des Geistes" versinken, "welche eine eben so grosse Unentschlossenheit und Muthlosigkeit des Willens nach sich zieht, und dadurch eine Quelle so vieler schädlicher Folgen für die Tugend und Religion, und also für die Ruhe und Glükseligkeit unsers Lebens wird" .

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