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Ãobersetzungen belletristischer Texte in der Zeitschrift ,Die Karpathen' (I907-I9I4) und in der Wochenschrift ,Karpatenrundschau' (I980-I989)



Mankos und Frustrationen der Literatur von nationalen Minderheiten sind mit Bezug auf die siebenbürgisch-sächsische, banat-schwäbische und nicht zuletzt auf die sogenannte rumäniendeutsche Literatur bereits öfters und kompetent untersucht und nachgewiesen worden. Die Jahrestagung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde 1989 in Hamburg war fast ausschließlich dem Thema 'Regionalliteratur" gewidmet, ein Begriff, der an sich schon unter Umständen als negativer gehandhabt werden kann. Die Untersuchung literarhistorischer, -theoretischer, sozio-psy-chologischer, politischer und sprachlicher Aspekte innerhalb des Rahmenthemas Die siebenbürgisch-deutsche Literatur als Beispiel einer Regionalliteratur sowie die Analysen zumWerk einzelner Autoren führten denn auch bei dieser Gelegenheit vielfach zu negativen Attributen im Zusammenhang mit der genannten Literatur: 'Klischeecharakter" in Meschendörfers Siebenbiirgischer Elegie , 'Nationale Erbauungs- und Heimatliteratur" in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Siebenbürgen , 'eingepflanzte Muster" beim siebenbürgisch-deutschen Expressionismus , 'Qualitätsrabbat" der rumäniendeutschen Kurzprosa , 'Produktionsschwierigkeiten" und 'Sprachmisere" der rumäniendeutschen Autoren , 'Rezeptionsschwierigkeiten" ; derartige Charakterisierungen verweisen auf ein Dilemma, das sich nicht zuletzt aus einer wesentlichen Bedingung jeder Regionalliteratur ergibt: aus ihrem Entstehen im Schnittpunkt mehrerer und sehr verschiedener Kulturen .

      Die Stelle der hemmenden Ãoberschneidung zweier oder mehrerer Kulturen bietet sich aber gleichzeitig an, verstärkt über Vorteile und Vorzüge, auch Leistungen kultureller, hier literarischer, Wechselwirkung nachzudenken, ihr greifbares Ergebnis ist jene Vermittlung, die literarische Ãobersetzungen leisten.
      'Treuhänder" nennt Georg Scherg die Ãobersetzer, die dafür verantwortlich sind, wann und wie Literatur aus ihren sprachlichen Grenzen tritt und Anderssprachige erreicht, zugleich nennt er die Ubersetzerarbeit 'die entsagungsvollste Arbeit, die ihren Lohn fast allein in sich selbst trägt".
      Etwas drastischer kennzeichnet der rumänische Schriftsteller und Literaturkritiker §tefan Augustin Doinas die Situation des Ãobersetzers von Sprachkunstwerken: 'Seit Jahrhunderten erfüllen die Ãobersetzer in allen Kulturgebieten ihre Aschenput-tenrolle glänzend: die Sprachwissenschaftler lehnen sie prinzipiell ab, die Ã"sthetiker übersehen sie und die Literaturhistoriker zählen sie nicht zu den Nationalliteraturen".
      Dieser alten Fehlleistung der Literaturwissenschaft entgegenzuwirken, ist nur in kleinen Schritten möglich; einen solchen gedenkt die Autorin vorliegender Arbeit zu tun.
      Wichtige Beiträge in diese Richtung haben bereits mehrere Literaturfachleute aus Rumänien geleistet, es seien hier genannt: Horst Fassel: Die Beziehungen der sieben-bürgisch-sächsischen Literatur zum rumänischen Schrifttum im 17. Jahrhundert*; Michael Kroner, Elisabeta Dinu: Die Bemühungen der Zeitschrift 'Klingsor" um einen rumänisch-deutschen Dialog5'; Jänos Ritoök: 'Der Klingsor" und die ungarische Literatur Rumäniens und Ketrös tükör. A magyar-szäsz együtteles multjäböl es a ket viläg-hdborü közötti irodalmi kapcsolatok törteneteböl [Doppelspiegel. Aus der Vergangenheit des ungarisch-sächsischen Zusammenlebens und aus der Geschichte ihrer literarischen Beziehungen zwischen den beiden Weltkriegen]; Walter Engel: Deutsche Literatur im Banat . Der Beitrag der Kulturzeitschriften zum banatschwäbi-schen Geistesleben8, mit Kapiteln über die Rezeption von rumänischer und ungarischer Literatur; Horst Weber: Pflege geistiger Kontakte. Die kulturelle Mittlerrolle der Zeitschrift 'Klingsor"9; Horst Schuller Anger: Aspekte vergleichender Literaturbetrachtung im Klingsor L0; Käroly Köllö, Ket irodalom mezsgyejen. Tanulm-dnyok a romän-magyar irodalmi kapcsolatok törteneteböl1 [An der Grenze zweier Literaturen. Studien zur Geschichte der rumänisch-ungarischen literarischen Beziehungen].
      Zweisprachigkeit, ja nicht selten Dreisprachigkeit, ist für den südosteuropäischen Raum, also auch für Siebenbürgen und vor allem das Banat, eine Selbstverständlichkeit, doch auch jenseits der Karpaten haben sie Tradition und nehmen besonders in letzter Zeit durch allgemeinen und privaten Sprachunterricht zu. So nimmt es nicht wunder, daß literarisches Interesse, das die Grenzen von Liebhaberbeschäftigungen überschreitet und in die Sprachkunst, aber auch in die Wissenschaft der vergleichenden Volkskunde und der literarischen Komparatistik vorstößt, in Siebenbürgen schon sehr früh nachweisbar ist . Vor allem im 19. Jahrhundert erwachte dieses Interesse, als Sammler und Forscher der siebenbürgisch-sächsischen Volksdichtung in ihren Feldforschungen auch auf rumänische Volkslieder, Märchen, Sprichwörter stießen, sie sammelten, übersetzten, edierten und auf solche Weise auch jenseits der Landesgrenzen bekannt machten. Auf einige der bedeutenden Mittlerleistungen von sächsischen Sammlern und Ãobersetzern aus dem Rumänischen, Ungarischen und Zi-geunischen soll an dieser Stelle kurz hingewiesen werden:
- Martin Samuel Möckesch's Romanische Dichtungen, erschienen 1851 bei Theodor Steinhaußen in Hermannstadt, vom selben Ãobersetzer 1873 bei Thiel & Weiss Heideblümchen. Zigeunerische Dichtungen und Sprichwörter.

     
   - 1877 erschien Proverbele romänilor, eine Sammlung rumänischer Sprichwörter, gesammelt und herausgegeben von dem aus Mühlbach stammenden Sachsen Josef Carl Hintz, der in mehreren rumänischen Zeitschriften unter dem Namen Hin-fescu veröffentlicht hat. Hintzens Sammlung bildete die Grundlage für die 400 ins Ungarische übersetzten rumänischen Sprichwörter, die Moldovan-Gergely in der Zeitschrift ,Kelet' publizierte, sowie der 1884 erschienenen Sammlung in deutscher Sprache Rumänische Sprichwörter.

     
   - Bekannt ist außerdem, daß Joseph M a r 1 i n rumänische Volksdichtung in eigener Ãobersetzung in der Wiener Zeitschrift österreichische Blätter für Literatur und Kunst' veröffentlicht und daß er zusammen mit Friedrich Wilhelm Schuster an einer Sammlung rumänischer Volksdichtungen gearbeitet hat.

     
   - Johann Karl Schullers Sammlung Aus der Walachei. Rumänische Gedichte und Sprichwörter enthielt bereits die Ãobersetzungen der rumänischen Volksballaden Mio-ri[a und Mesterul Manole. 1859 erschien in Hermannstadt seine Anthologie Rumänische Volkslieder, 63 Ãobersetzungen, die Jakob Grimms 'große Aufmerksamkeit" geweckt haben sollen.

     
   - 1890 brachte Heinrich von Wlislocki Dichtungen der Zigeuner in deutscher Ãobersetzung heraus.

     
   - In unserem Jahrhundert wurde die Ãobersetzertradition nicht nur fortgeführt, etwa mit Pauline Schullerus' Rumänische Volksmärchen aus dem mittleren Har-bachtale, die 1906 in Band 33 des ,Archivs für siebenbürgische Landeskunde' abgedruckt wurden, mit der von Michael Orend 1925 ebenfalls im ,Archiv' veröffentlichten Sammlung und Ãobersetzung Rumänische Märchen und Sagen aus Siebenbürgen, mit Adolf Schullerus' Zigeunerschwänken Geschichten vom Tschiripik sowie mit seinem ebenfalls in Hermannstadt 1930 postum erschienenen Siebenbürgischen Märchenbuch , sondern diese Tradition hat sozusagen zu einem Ãobersetzerboom geführt. Es gab und gibt fast keinen deutschschreibenden Autor im Rumänien unseres Jahrhunderts, der nicht auch übersetzt hat und übersetzt, außerdem gibt es eine Vielzahl von Redakteuren, Studenten und Akademikern, die sich des Ãobersetzens befleißigten und befleißigen. Ein Verzeichnis der von Rumäniendeutschen übersetzten ungarischen und rumänischen Literatur sowie der Ãobersetzer steht noch aus, wäre aber sehr aufschlußreich.
      Besonders in den sechziger und siebziger Jahren wurde das Interesse der -deutschen und der Ã-ffentlichkeit der DDR an rumänischer Literatur in deutscher Ãobersetzung durch zahlreiche Anthologien gerecht.

     
   Doch das Interesse der deutschen Medien und Verlage an Ãobersetzungen aus der rumänischen und ungarischen Literatur hielt sich in Grenzen trotz ihrer großen Zahl; es erwachte, wie wir alle wissen, besonders im Zusammenhang mit der politischen Rolle von Autoren wie Mircea Dinescu und Ana Blandiana für kurze Zeit auch an deren poetischem Werk und damit z.B. auch an einem Autor wie Werner Söllner, der Dinescu übersetzt hatte.

     
   Eine wichtige Rolle in der Ãobersetzer-Mittler-Tätigkeit deutscher Autoren aus Siebenbürgen, dem Banat bzw. aus Rumänien spielten und spielen die dortigen deutschen Zeitungen und Zeitschriften.
      Eine Grobuntersuchung der sieben Jahrgänge der von Adolf Meschendörfer in Kronstadt/Siebenbürgen herausgegebenen Zeitschrift ,Die Karpathen' und der letzten zehn Jahrgänge der in der gleichen Stadt erscheinendenWochenschrift ,Karpatenrundschau' ist in dieser Hinsicht interessant. Ein Vergleich zwischen beiden bietet sich an, obwohl sich das sozialpolitische und kulturelle Umfeld des heutigen Rumänien von dem Ungarns, zu dem Siebenbürgen bis 1918 gehörte, radikal unterscheidet.
      Doch bekannte sich die ,Karpatenrundschau' in ihrer ersten Nummer zu den 'fortschrittlichen Pressetraditionen" der Stadt, gemeint ist vor allem die Zeitschrift ,Die Karpathen', worauf sie mit ihrem Namen ausdrücklich hinweist.
      Ãobersetzungen aus der ungarischen und rumänischen Volks- und Kunstdichtung und deren Publikation als Teil eines kulturpolitischen Programms sächsischer Intelligenz sind in Siebenbürgen erstmalig in Meschendörfers Zeitschrift nachweisbar .
      In seinem Aufsatz Die Karpathen , in dem der Herausgeber Ziel und Programm der Zeitschrift umreißt, formuliert er - auch als Antwort auf kritische Reaktionen seiner sächsischen Leser -, bilanzierend für die drei bereits erschienenen Jahrgänge und programmatisch für die folgenden zugleich, daß seine Zeitschrift 'nicht mehr und nicht weniger will, als ein Abbild liefern von dem geistigen Leben des Deutschtums in Ungarn, vor allem der Siebenbürger Sachsen, in Gegenwart undVergangenheit, und der dieses Deutschtum in seiner Entwicklung am meisten beeinflussenden Völker: der Magyaren und Rumänen". In der Fortsetzung heißt es: 'Müßten wir uns nicht schämen, wenn unsere Publikationen, wenn unsere Literatur nicht auch Aufschluß gäbe über das Land, das uns eine zweite Heimat ward, und über die Leute, mit denen wir seit Jahrhunderten zusammen wohnen? Nein, die treiben bei uns eine kurzsichtige Politik und haben wenig Verständnis für deutsches Wesen, die auf dem Gebiete der Kultur einen sächsischen Globus mit einer chinesischen Mauer umziehen möchten! Mit Recht verlangt man von uns Sachsen [Hvh. Meschendörfer] Aufschluß über Magyaren und Rumänen; wenn wir ihn nicht geben könnten, die wir mitten zwischen ihnen leben, wer sollte es sonst tun?"

   Meschendörfer versucht seinen konservativen sächsischen Zeitgenossen im Hinblick auf ihre Mittlermission gelegentlich mit der Parole ihres Deutschtums beizukommen; so z. B. in der Rubrik 'Rundschau", Heft 9,1910. Hier begründet er, warum 'wir nach acht sächsischen Heften wieder einmal ein 'magyarisches" herausbringen [...]. Wohin aber die chinesische Mauer führt, mit welcher einige uns Sachsen sowohl dem modernen Auslande als auch den übrigenVölkern unseresVaterlandes gegenüber abschließen möchten, das haben gerade wir jungen Modernen gar oft empfunden, und gerade gegen diese Verknöcherung haben wir die ,Karpathen' gegründet. Wir haben es ferner auch in dem Bewußtsein getan, daß wir Deutsche, wie alle deutschen Sprachinseln, die Pflicht und Schuldigkeit haben, auch als Kulturvermittler der deutschen und der uns umgebenden fremden Kultur etwas zu leisten".
      In den sieben Jahrgängen der .Karpathen' wurden Ãobersetzungen aus den Werken von 21 Autoren veröffentlicht. Es handelt sich hauptsächlich um Klassiker der ungarischen Nationalliteratur , doch auch zeitgenössische ungarische Literaten wurden dem sächsischen Leser vorgestellt: Kosztolänyi, Komjäty, Ady, Juhäsz, Petelei, Bfro u.a.
      Rumänische Autoren sind auffallend weniger vertreten, unter ihnen figurieren von den bekannteren z.B. Eminescu und Vlahujä. Erklärbar ist diese Tatsache sicher mit den engeren literarischen Beziehungen zur ungarischen Metropole, den dortigen Intellektuellen und Publikationen: Budapest war Europa, und mit dem Blick auf europäische Maßstäbe und 'Modernität" - ein Begriff, den Meschendörfer immer wieder definierte und auf sein Banner schrieb - versuchte er, das literarische Leben der Siebenbürger Sachsen zu öffnen und zu dynamisieren.
      Die 'erstklassigen Ãobersetzungen" , z.B. von Heinrich Horvät, Eduard Schullerus, Herman Roth, Egon Hajek, sollten aber in erster Linie dem gegenseitigen Kennenlernen der anderen Ethnie dienen und stellten daher eher ein 'Dokument der geistigen Anlage oder Haltung eines Andersnationalen" dar, waren als 'Informationsträger" gedacht, mit deren Hilfe 'nationale und sprachliche Isolation durchbrochen werden sollten".22Was Zsolt Lengyel im Zusammenhang mit der Zeitschrift ,Cultura', die 1924 in Klausenburg viersprachig erschien, behauptet, trifft auf ,Die Karpathen' auch zu: Durisins Begriffe 'genetische Beziehung", 'äußerer" und 'innerer Kontakt" als Analysebegriffe für die von Meschendörfer veröffentlichten literarischen Ãobersetzungen dürften für die Komparatistik mehr oder weniger unergiebig sein, weil die Notwendigkeit eines Vergleichs zwischen Original und Ãobersetzung für das Leserpublikum der ,Karpathen' nicht gegeben war.
      Die Autoren, aus deren Werk Ãobersetzungen veröffentlicht wurden, stellt Meschendörfer in einem Vorspann mit Hinweisen auf Person und Beruf kurz vor. Einen vergleichsweise großen Raum nehmen die Ãobertragungen aus der ungarischen und rumänischen Volksdichtung ein. Es überwiegt die Lyrik.
      Was die Qualität derTexte betrifft, läßt sich ganz allgemein feststellen, daß die Ãobersetzer Text- und Bildtreue anstrebten, poetische Freiheit des 'Nachdichtens" eher vermieden. Daß die meisten Originaltexte aber keine besonderen Schwierigkeiten des Ãobersetzens boten, dürfte auch zu besagter Texttreue geführt haben. Die Ãobersetzungen sind sprachlich, rhythmisch und vom Standpunkt des Reims flüssig und glatt, gut deutsch.
      Ebenfalls dem weiter oben genannten Zweck der Vermittlung des Andersnationalen und des gegenseitigen Kennenlernens zwischen Deutschen, Ungarn und Rumänen dienen mehrere in der Zeitschrift abgedruckte Aufsätze: Der Geist der ungarischen Dichtung von Lajos Palägyi , Die rumänische Volksdichtung von Alexandru Birseanu , Ãober die Frage einer ungarischen Kultur von Aladär Körösföi-Kriesch sowie die beiden Aufsätze Die ungarische Literatur in Deutschland und Andreas Ady von EmmaVeigelsberg.
      Literarische Ãobersetzungen treten in den beiden letzten Jahrgängen der ,Karpathen' auffallend zurück. Ursachen dafür gibt es sicher, doch konnte ihnen in vorliegender Arbeit nicht nachgegangen werden.
      Meschendörfers Verdienst bleibt es, Ãobertragungen aus der ungarischen und rumänischen Volks- und Kunstdichtung programmatisch in seine Zeitschrift aufgenommen zu haben. Spätere Publikationen, besonders der ,Klingsor', haben diese begonnene Linie fortgesetzt - von den deutschsprachigen Zeitschriften Rumäniens nach 1944 vor allem die in Bukarest erscheinende ,Neue Literatur' und die in Kronstadt erscheinende Wochenschrift ,Karpatenrundschau'.
      Einen anderen Stellenwert haben literarische Ãobersetzungen in der ,Karpatenrundschau' . Sie sind quantitativ zahlreicher und qualitativ differenzierter, weil die theoretische Diskussion um das Ãobersetzen angeregt wurde und auch auf rumänischer Seite im Gange war.
      Aus Werken von 69 Autoren hat die ,Karpatenrundschau', die bekanntlich keine Literaturzeitschrift ist, in den letzten Jahrgängen Ãobersetzungen veröffentlicht, davon 60 aus dem Rumänischen und nur neun aus dem Ungarischen. Die 44 Ãobersetzer sind vor allem rumäniendeutsche Autoren, Journalisten, Lehrer und Germanistikstudenten. Kulturredakteur Horst Schuller Anger betreute und betreut die Rubrik und hat selber auch mehrere Texte übersetzt.
      In den 520 untersuchten Ausgaben der Zeitschrift läßt sich mit Sicherheit Kontinuität in der Veröffentlichung übersetzter Belletristik nachweisen. Ãobertragungen aus der klassischen rumänischen, weniger aus der klassischen ungarischen Literatur erschienen anläßlich runder Jubiläen In der Hauptsache veröffentlichte die ,Karpatenrundschau' jedoch Texte zeitgenössischeer Autoren , darunter z.B. in Nr. 12/21. März 1980 Gedichte von Ana Blandiana in der Ãobersetzung von Walter Seydner und in Nr. 43/24. Okt. 1980 zwei Gedichte von Mir-cea Dinescu in der Ãobersetzung von Werner Söllner. An solchen Beispielen läßt sich außer Kenntnis der zeitgenössischen rumänischen Literaturszene auch Fingerspitzengefühl für eine Literatur erkennen, die anläßlich der jüngeren politischen Ereignisse in Rumänien auch der westlichen Welt bekanntwurde und die im Rahmen der vorrevolutionären Publikationsmöglichkeiten während der Ceausescu-Diktatur und deren Kunstfeindlichkeit als oppositionell zu bezeichnen ist. Allerdings gewinnt man bei der Durchsicht der genannten Jahrgänge der ,Karpatenrundschau' gelegentlich auch den Eindruck, daß in der Wahl der rumänischen und ungarischen Autoren und in der Auswahl der zu übersetzenden oder übersetzten Texte oft der Zufall eine Rolle spielte, man kann nämlich nicht behaupten, daß die in der ,Karpatenrundschau' abgedruck-tenTexte den deutschen Leser systematisch über die aktuelle rumänische oder ungarische Literaturszene zu informieren beabsichtigen.
      Den Großteil der Ãobersetzungen bilden auch hier lyrischeTexte, elfmal erschienen Romanauszüge, dreizehnmal Kurzprosa, viermal Reportagen undTagebuchaufzeich-nungen .
      Nicht enthalten sind in diesen Zahlen die Huldigungsgedichte anläßlich der Geburtstage des Herrscherehepaares sowie anläßlich des Nationalfeiertages vom 23. August. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Ãobertragungen aus dem Rumänischen, ausnahmslos wird der Name des Ãobersetzers nicht genannt, ausnahmslos entbehren sie jeder literarischen Qualität.
      Daß das ,Ãobersetzen-Ãobertragen-Nachdichten-Vermitteln' belletristischerTexte in den Spalten der ,Karpatenrundschau' auch als theoretische Auseinandersetzung in zahlreichen Aufsätzen und Interviews seinen Niederschlag gefunden hat, beweist, daß man an diese Kunst vorsichtiger, bewußter und vom künstlerisch-ästhetischen Standpunkt, weniger vom volkskundlich-informationellen herangeht. Aufsätze über das Ãobersetzen, Berichte und Informationen über Ãobersetzersymposien und -kollo-quien , Gespräche mit Autoren und Ãobersetzern , Selbstzeugnisse einzelner Autoren , Artikel über Ãobersetzer belegen dieseTatsache .
      Bemerkenswert im Hinblick auf die theoretische Diskussion über Funktion und Qualität des Ãobersetzens ist beispielsweise der in der ,Karpatenrundschau' veröffentlichte Essay von §tefan Augustin Doina§ Wie ich Hölderlin übersetzt habe: 'Gedichte werden nicht aus einer Sprache in die andere übertragen, sondern aus einer Sprachkultur in eine andere Sprachkultur. [...] Sinnentsprechung und formelle Identität genügen nicht; auch nicht die Umschreibung in eine andere Sprache. [...] Nachdichtung benötigt schöpferische Initiative [...]: das sprachlich Unfaßbare einesWerkes muß in der Zielsprache durch Neuschöpfung wiedergegeben werden. [...] Das fremde Muster zwingt in Raster wie in einen Käfig, in dem der Ãobersetzer zum Vogel werden und singen muß".

     
   Georg Scherg lieferte mit seinem ebenfalls in der ,Karpatenrundschau' veröffentlichten und hier bereits zitierten Essay Treuhänder sind die Ãobersetzer nicht nur einen weiteren Beitrag zu dem zwar nicht systematisch, aber kontinuierlich behandelten Thema der literarischen Ãobersetzung im Kulturteil dieser Wochenschrift, sondern bewies auch anhand eines praktischen Beispiels, nämlich an Ãobersetzungsvarianten von Herman Roth, ImmanuelWeissglas und Georg Scherg, daßWort- und Bildtreue eben noch keine Garantie für die Ãobertragung jenes 'Unfaßbaren" aus einer Sprache in die andere sind: Sprachmelodie und der das Wesen des Gedichts bestimmende Wiegenrhythmus in Eminescus Mai am un singur dor seien von seinen Vorgängern verkannt worden.
      Unter völlig anderen Bedingungen beschäftigen sich demnach die deutschsprachigen Publikationen Rumäniens nach 1944 mit dem genanntenThema: Vor allem der rumänische Literaturbetrieb ist allgegenwärtiger, die Information durch Medien und persönliche Kontakte sind direkter, die Sprachkenntnisse differenzierter, Ãobersetzen ein auch theoretisch diskutiertes Thema, nationale Vorurteile geringer; dazu kommt, daß die Zahl der Schreibenden und der Ãobersetzer unter den Rumäniendeutschen bis 1989 bedeutend größer war als zur Zeit, als Meschendörfer seine ,Karpathen' herausbrachte.
      Die Mittlerrolle der deutschen Ãobersetzer vor allem aus dem Rumänischen wird von der rumänischen Literaturkritik auch wahrgenommen und geschätzt. Das dokumentiert z.B. ein Aufsatz des bekannten Literaturtheoretikers und -kritikers Adrian Marino, Deutsche Studien und Ãobersetzungen P Darin unterstreicht er besonders die Verdienste Peter Motzans und Franz Hodjaks um die Vermittlung rumänischer Literatur bei dem rumänien- und binnendeutschen Leserpublikum.
      Die vorliegende Arbeit enthält im Anhang Titel und Genrebezeichnung der übersetzten Texte, die Nummer der Zeitschrift, in der sie veröffentlicht wurden, und den Namen des Ãobersetzers; außerdem ein Namenverzeichnis der übersetzten Autoren und der Ãobersetzer.
      Es wäre sinnvoll, zumindest eine quantitative Erfassung der Ãobersetzungen aus der rumänischen und ungarischen Belletristik durch Rumäniendeutsche vorzunehmen, die Namen der Autoren, der Ãobersetzer sowie die Titel der Ãobersetzungen enthält, um eine Seite des literarischen Lebens in Siebenbürgen/Banat/Rumänien zu beleuchten, die systematisch noch nicht dokumentiert ist und die gleichzeitig jenseits der bekannten objektiv und subjektiv bedingten Spannungen zwischen den dort lebenden Völkern stets nur der Vermittlung gedient hat.
     

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