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Schreiberlust und dichterfrust

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Mönchszellen, chaotische Zimmer, Prunkräume und Dunkelkammern



So ein Arbeitszimmer des Dichters kann ein einfaches Denkgehäuse sein. Ganz schlicht richtete es sich Goethe ein. Fast kahl wirkt es bei Robert Menasse , streng bei Elias Canetti . Nichts soll ablenken vom Denken und Ausdenken. So hielt es auch Gabriele D'Annunzio in einem seiner vielen Arbeitszimmer, sonst aber bevorzugte er eine überladene Ausstattung. Er kaufte sich einen ganzen Hügel mit Park, Bach, Schlucht und einer schlossartigen Villa mit Nebengebäuden, die er mit lauter Kunstgegenständen voll stopfte, in der er aber auch sein Lieblingsauto, ein Schnellboot und sein Flugzeug wie Museumsstücke ausstellte. Andere tauchen bei Betreten ihres Arbeitsraums in eine Welt voller bunter Bilder und Anregungen ein. Friedrich Schiller heftete bei der Arbeit am »Wilhelm Teil« an seine Wände geografische Karten und Landschaftsansichten der Schweiz. Gerhart Hauptmann benutzte die Wände seines Schlafzimmers als überdimensionales Notiz- und Trostbuch, wie sein ehemaliger Sekretär Erhart Kästner berichtet. Er und Hauptmann hatten begeistert über Arkadien geredet, von wo Kästner gerade zurückgekehrt war, und einiges getrunken. Kästner schreibt: »Er fragte mich aus, wie man einen Boten ausfragt, den man zur Erkundung ausgesandt hat. Am meisten fesselte ihn mein Schweifen auf den arkadischen Bergen ... Ich verabschiedete mich und stieg ins zweite Stockwerk hinauf, als es von drunten noch einmal rief. Als ich kam, sah ich den majestätischen Zecher im Rahmen seiner Schlafzimmertür stehen, das Antlitz purpurdurchwellt, von weißen Flammen der Haare umloht. Er hielt einen großen Bleistift in Händen.



     
>Ich bitte!< rief er. >Ich bitte! Wir wollen den Namen des Bergs hier an die Wand schreiben^
Die Wände des kleinen Schlafzimmers waren über und über mit Worten und Sätzen bedeckt, zu ganz verschiedenen Zeiten des Lebens mit eigner Hand aufgezeichnet, wahrscheinlich meist nachts, oft nur gekritzelt, in ganz verschiedener Zeilenordnung und Größe: Ausrufe, Schmerzliches, Tröstliches, Lichtspendendes in Schlaflosigkeit. Ich liebte unter diesen Ausrufen besonders das >Les grandes pensees viennent du cceur< [Die großen Gedanken kommen aus dem Herzen] des Vauvenargues, das in großen Buchstaben dastand.
      Ich hielt das Licht, und er schrieb zu Häupten des Bettes das Wort >Chelmos

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Mönchszellen,  chaotische  Zimmer,  Prunkräume  Dunkelkammern    





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