Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Schreiberlust und dichterfrust
Der Postbote muss vielleicht zweimal klingeln, bevor jemand öffnet, Regen oder Schnee versauen ihm manchmal den Tag. Aber hat er den letzten Brief in den Kasten gesteckt und die letzte Zeitung ausgetr
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» Was tun Autoren, wenn sie nicht schreiben'.

Was tun Autoren, wenn sie nicht schreiben'.



So leicht und mit so viel Selbstironie erzählen Autorinnen von ihrem Alltag. Dabei ist es eigentlich klar, dass Dichter nicht 24 Stunden am Tag schreiben können. Natürlich müssen sie auch einmal nachdenken. Sie müssen oft recherchieren, wenn ihre Bücher unbekannte Themen behandeln. Sie müssen mit ihren Verlegern telefonieren. Sie müssen Briefe beantworten und Besuche empfangen, Interviews geben, Lesungen vorbereiten oder durchführen. Sie schauen in Zeitungen, hören Radio, sehen fern, um ihre Umwelt besser zu verstehen. Sie gehen ein Bier trinken, ins Kino, auf Reisen. Sie spielen mit ihren Kindern - hoffentlich - und gehen mit ihren Liebsten spazieren. Sie müssen putzen und aufräumen . Und sie müssen einiges lesen. Denn man lernt aus Büchern sehr viel: wie man es macht oder nicht machen sollte, welche tausend Möglichkeiten es gibt, um gut zu schreiben. Der argentinische Dichter, Erzähler und buchverliebte Denker Jorge Luis Borges formulierte in einem Vortrag einmal sehr bescheiden: »Ich betrachte mich vor allem als Leser. Wie Sie wissen, habe ich mich ans Schreiben gewagt; aber ich glaube, das, was ich gelesen habe, ist viel wichtiger als das, was ich geschrieben habe. Denn man liest das, was man mag - aber man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist ... Während ich schreibe , versuche ich, mich völlig zu vergessen. Ich vergesse meine persönlichen Umstände. Ich versuche nicht, wie ich es einmal getan habe, ein südamerikanischer Schriftstellen zu sein. Ich versuche nur zu übermitteln, was der Traum ist. Und wenn der Traum verschwommen sein sollte , versuche ich nicht, ihn schöner zu machen oder auch nur zu verstehen. Vielleicht habe ich das Richtige getan, denn sooft ich Artikel über mich lese ..., bin ich gewöhnlich verblüfft über und sehr dankbar für die tiefen Bedeutungen, die man in meine eher beiläufigen Kritzeleien hineingelesen hat. Natürlich bin ich diesen Leuten dankbar, denn ich betrachte das Schreiben als eine Art von Kollaboration. Das heißt, der Leser tut seinen Teil der Arbeit; er bereichert das Buch.«

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