Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Schreiberlust und dichterfrust
Wie lang Bücher werden und welche Form sie haben Wenn mich jemand fragt, was ich von Beruf bin, muss ich oft kurz nachdenken, weil es so viel Verschiedenes ist. Ich schreibe für Zei
Index
» Schreiberlust und dichterfrust
» Sieben Jahre Ferien
» Schreiben nach Normen und dem Gesetz der Moden

Schreiben nach Normen und dem Gesetz der Moden



Das war nicht immer so, denn die Literatur kennt Moden, ein wenig wie die Kleidungsindustrie. Zur Zeit des berühmtesten Schriftstellers aller Zeiten konnte man beispielsweise mit Theaterstücken am besten Geld verdienen und berühmt werden. Also verwundert es nicht, dass der Engländer William Shakespeare Dramen schrieb. Ein paar Jahrhunderte vorher waren es eher Ritterepen und geistliche oder weltliche Lieder, die für besonders wichtig gehalten wurden. Also schrieb man solche Texte am häufigsten. Der Roman hatte dagegen vor 400 Jahren den Ruf eines schlüpfrigen Liebesabenteuerbuchs - nichts, womit man gern erwischt wurde, und also nichts, was Autoren oft schrieben. Im 18. Jahrhundert waren Gedichte und wieder Theaterstücke hoch angesehen. Gleichzeitig begann jedoch auch ganz langsam, aber sicher der Siegeszug des modernen Romans, der schon im 19. Jahrhundert sehr wichtig war und spätestens im 20. die bestimmende Gattung wurde, weshalb Schriftsteller sich immer mehr auf diese Form konzentrierten.

      Aus der großen Menge literarischer Textformen wählen Autoren also nicht völlig frei aus. Es kann durchaus von gesellschaftlichen Normen und literarischen Moden abhängen, welche Art von Werken ein Autor verfasst: Satiren, Fabeln, Epen, Tragödien, Komödien, Kurzgeschichten, Novellen oder Romane. Was gerade Mode war, erkennt man sehr schön daran, dass Schüler, die Schriftsteller werden wollten, in verschiedenen Jahrzehnten Unterschiedliches produzierten und in ihren Schreibtischschubladen verbargen. Mal waren es hauptsächlich wehmütige Gedichte, mal eher Trauerspiele, mal Romane, mal Drehbücher.
      Autoren, die erfolgreich sein und viele Menschen bewegen wollen, werden sich deshalb wahrscheinlich der gerade modischen Form zuwenden. Weil heute der Film die wirkungsvollste Kunst und das Leitmedium unserer Zeit ist, meinte der Krimiautor Raymond Chandler über William Shakespeare: »Lebte er heute, so würde er zweifellos Drehbücher schreiben und Filme ... Statt zu sagen >Dieses Medium taugt nichts

 Tags:
Schreiben  nach  Normen  dem  Gesetz  der  Moden    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com