Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Schreiberlust und dichterfrust

Index
» Schreiberlust und dichterfrust
» Schöpfungsgeschichten
» Die langsame Entstehung von Mittelerde

Die langsame Entstehung von Mittelerde



Der Anfang dieses Kapitels aber zitiert aus »Ainulindale«, dem Beginn des Buches »Das Silmarillion«. Es ist die Schöpfungsgeschichte, wie sie sich John R. R. Tolkien ausgedacht hat. Aus Musik entsteht bei ihm eine Welt, die er Mittelerde nennt. Tolkien breitet im »Silmarillion« gleichsam die sagenhafte Urgeschichte aus, die vor den Ereignissen seines drei Bände umfassenden Romans »Der Herr der Ringe« liegt.

      Er erfand also nicht nur Hobbits und Orks und Balrogs und Ents, er erfand mit Mittelerde eine eigene Welt und dazu Helden- und Göttersagen vom Ursprung seiner Schöpfung bis zum Ende des Ringkriegs und sogar noch ein wenig darüber hinaus. Daneben entwickelte er Schriftsysteme in Eiben- und Zwergrunen, außerdem Sprachen, ganz oder teilweise. Von denen klingt eine so: »Ciuo i Pheriain anann! Aglar'ni Pheriannath!«
Ã"hnlich seltsam wie diese Klänge hört sich die Entstehungsgeschichte des »Herrn der Ringe« an. Es begann alles, wie Tolkien erzählt, mit einem Satz, den er beim Korrigieren von Aufsätzen niederschrieb. Warum er ihm einfiel und woher er kam, wusste er nicht. Der Satz lautete: »In einem Loch in der Erde, da lebte ein Hobbit.« Ein anderer hätte vielleicht über sich selbst geschmunzelt und dann die Sache vergessen. Tolkien aber war - wie so viele seiner Kollegen - fasziniert von Namen und Bezeichnungen. Schließlich beschäftigte er sich schon als Student, später als Dozent und Professor mit der Geschichte der englischen Sprache und der alten Literatur. Er arbeitete lange Zeit am größten englischen Wörterbuchprojekt und erforschte die germanische Literatur in England. Neben seiner Hochschulkarriere verbrachte Tolkien viel Zeit mit Gleichgesinnten in Literaturclubs, in denen man sich gegenseitig Geschichten vorlas und kritisierte. Sie nannten sich die »inklings«, also die »Tintlinge«. Hier fand Tolkien einen engen Freund, Clive Staples Lewis, dessen »Chroniken von Narnia« zunächst viel bekannter werden sollten als »Der Herr der Ringe«.
      Kein Wunder also, dass Tolkien am Hobbit kleben blieb. »Namen«, schreibt er, »lassen immer eine Geschichte in meinem Kopf entstehen. Bei Gelegenheit, dachte ich, sollte ich besser herausfinden, was Hobbits sind.« Er fand heraus, dass sie eine neue Gattung von Wesen waren, die auch eine Geschichte verlangten. Eine Geschichte, die einem dieser kleinen Leute mit haarigen Füßen widerfährt. Die erzählte er nach und nach seinem Sohn Christopher. Am Ende verwandelte er alles in ein Buch, das 1937 in England unter dem schlichten Titel «The Hobbit« herauskam.
      Weil das Buch so erfolgreich war, drängten Freunde und sein Verleger auf eine Fortsetzung. Tolkien hatte Jahre zuvor schon Götter- und

Heldensagen erfunden, nun entwickelte er daraus und aus einigen offenen Fragen und geheimnisvollen Geschehnissen des »Kleinen Hobbit« den »Herrn der Ringe«. Dafür brauchte er von etwa 1939 bis 1955, dem Jahr, in dem der dritte und letzte Band erschien. In dieser langen Zeit probierte er viel herum, schrieb immer neue Texte, die sich teils widersprachen, und erweiterte die Handlung immer mehr. Vieles veränderte sich mit dem Charakter des Werkes. So sollte Frodo eigentlich Bingo Bolger-Beutlin heißen, was zur Welt des »Hobbit« gepasst hätte, zur düsteren, ernsten Sphäre des »Herrn der Ringe« aber nicht. Auch Gandalf hieß eine lange Zeit Bladorthin, bis Tolkien in der nordischen Sagensammlung »Edda« einen Zauberer namens Gandalf fand. Selbst nach 1955 hörte Tolkien nicht auf, über Hobbits, Eiben, Zwerge und Mittelerde zu schreiben. Aus den vielen hundert Seiten formte sein Sohn nach dem Tod Tolkiens »Das Silmarillion«.
     

 Tags:
Die  langsame  Entstehung  Mittelerde    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com