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Schreiberlust und dichterfrust

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Ordnung ist das halbe Leben



Wieder begegnet uns hier das Bild vom Buch als Kind des Autors. Und wie selbst bei der bestens geplanten Erziehung doch die Kinder mit eigenem Kopf und oft ganz anders heranwachsen als gewünscht, so geschieht es auch mit manchen Büchern und Plänen. Fontane bekam immer nur folgsame Bücher, die dem Plan gemäß wuchsen, wenn eben auch langsamer, als es ihr Erzeuger hoffte.

      Das zu langsame Schreiben kennt Flaubert, Fontanes französischer Kollege, ebenfalls. Er führt es in einem Brief an seine Geliebte darauf zurück, dass die Ordnung nicht ausreicht: »Heute Abend habe ich nach einem neuen Plan abermals meine verflixte Lampionszene angefangen, die ich schon viermal geschrieben habe. Man könnte darüber den Schädel an der Wand einrennen! ... Im Ãobrigen kommen alle Schwierigkeiten, die man beim Schreiben hat, aus einem Mangel an Ordnung. Das ist eine Ãoberzeugung, die ich jetzt habe. Wenn man sich wegen eines Ausdrucks oder einer Wendung quält, die nicht kommen will, so deshalb, weil man die Vorstellung nicht hat. Das Bild oder das Gefühl, das man deutlich im Kopf hat, bringt auch das Wort auf das Papier.«
Planung kann also sehr weit gehen, bis in die Einzelheiten der Formulierung. Außerdem erlaubt Planung in der Regel einen distanzierten Blick auf das Ganze eines Buches. Dabei kann es schon einmal, ganz unverhofft, zu Folgen wie einer Zwillingsgeburt kommen. So etwas geschah Jules Verne, der stets seine Romane genau plante. Erlegte einfach nicht los, bevor Anfang, Handlung und Ende klar waren. Trotzdem geschah es manchmal, dass aus einem zwei Romane wurden, weil es zu viel Stoff gab oder widersprüchliche Handlungsteile.
      Besonders genau muss ein Autor von Kriminalromanen planen, denn sie gleichen ein wenig Rechenaufgaben, für die es eine richtige Lösung gibt. Viele Leser »rechnen« gern mit, achten auf alle Daten und Hinweise, überlegen, wer der Täter ist und wie er die Tat vollbracht hat. Am Ende dürfen sie nie den Eindruck haben, betrogen worden zu sein. Es kommt auf jede Minute an, auf exakte Entfernungen, auf Einzelheiten des Wetters, der Kleidung, der Lebensgewohnheiten, der Figurenzeichnung. Stimmt hier etwas nicht, ärgert sich der Leser. Am meisten, wenn Fehler den ganzen Tathergang unwahrscheinlich erscheinen lassen oder die Aufklärung eigentlich unmöglich machen.
      Der Krimiautor Raymond Chandler wagte dennoch, anders vorzugehen: »Ich plane im Kopf, während ich losschreibe, und gewöhnlich geht's mir daneben, und ich muss alles noch einmal machen. Ich weiß, es gibt Schriftsteller, die ihre Geschichten sehr detailliert entwerfen, bevor sie mit dem Schreiben beginnen, aber zu dieser Gruppe gehöre ich nicht. Bei mir wird die Handlung nicht geplant, sie wächst. Und wenn sie sich dem Wachsen widersetzt, dann wirft man das Zeug weg und fängt von vorne an.« Trotzdem entwickelte Chandler in seinen Werken sehr komplizierte Fälle, die »aufgehen«. Vielleicht ist aber die nicht so genaue schriftliche Planung die Ursache für ein Erlebnis, das ihm im Zusammenhang mit dem Roman »Der große Schlaf« widerfuhr. Das war 1939 Chandlers erster längerer Krimi und gleich ein Erfolg, weshalb das Buch sieben Jahre später auch verfilmt wurde. Chandler schreibt an eine Freundin, dass dabei etwas Seltsames geschah: »Ich erinnere mich, wie vor mehreren Jahren, als Howard Hawks [der Regisseur] den >Großen Schlaf< drehte, er und Bogart [der Hauptdarsteller] in Streit gerieten, ob eine der Figuren nun eigentlich ermordet worden sei oder Selbstmord begangen habe. Sie schickten mir ein Telegramm, um mich zu fragen, und verdammt noch mal, ich wusste's selber nicht...«

Was aber helfen alle Romanpläne, wenn die Schreibarbeit nicht richtig vorwärtsgeht? Nichts! Deshalb erstellen Autoren manchmal, hauptsächlich wenn die Zeit knapp wird, einen Zeitplan. Hier ist einer von Paul Maar:

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