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Schreiberlust und dichterfrust
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Heimlich schreiben



Über das freie Schreiben unter falschem Name
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»Das Tagebuch der Anne Frank« ist eines der berühmtesten Bücher der Welt. Es ist sogar eines, das Millionen Menschen nicht nur kennen, sondern tatsächlich auch gelesen haben. Dabei deutet der Titel an, dass es eigentlich gar nicht veröffentlicht werden sollte. Tagebücher schreibt man ja hauptsächlic [ ... ]
Eine Spur hinterlassen und den Verfolgern ein Schnippchen schlagen
Verfolgung, Gefängnis, Krieg und Flucht erzwingen noch heute heimliches Schreiben und haben es getan, seit die Menschen Buchstaben verwenden. Sie hoffen, damit eine Spur zu hinterlassen, die noch Zeugnis von einem ablegen kann, wenn man schon gestorben ist. Man setzt dem Versuch der Verfolger, einen [ ... ]
Der Widerstand sowjetrussischer Autoren
So gab es in der Sowjetunion die »Samisdat«-Literatur. Wörtlich heißt »Samisdat« eigentlich nur »Selbstverlag«, doch da in der kommunistischen Diktatur alle Publikationen in offiziellen Verlagen erscheinen mussten, wurde das Wort gleichbedeutend mit »unerlaubter Literatur«. Der Begriff bezeichnete m [ ... ]
Das Schicksal Osip Mandelstams
Gleichwohl versuchten damals nicht alle Autoren, sich möglichst ungefährlich zu äußern und unauffällig zu leben. Einige weigerten sich auch, Lobgesänge auf den russischen Diktator Josef Stalin zu verfassen. Zu ihnen gehörte der Dichter Osip Mandelstam (1891-1938), der über Jahre hinweg von staatlich [ ... ]
Der lange Arm der Mullahs
Heutzutage sieht es so aus, als gebe es kaum noch einen Grund, heimlich zu schreiben; jedenfalls im freien Westen. Salman Rushdie (geboren 1947) musste es aber seit 1989 tun, denn damals erließ im Iran der Ajatollah Khomeini wegen Rushdies Roman »Die satanischen Verse« folgendes Urteil, das er für a [ ... ]
Falsche oder neue Namen und ihre Auswirkung aufs Schreiben
Der Fall zeigt, wie ernst Literatur von Diktaturen und undemokratischen Regierungen heute noch genommen wird. Sie gilt ihnen als Zeichen des freien Denkens und schon an sich als gefährlich, weshalb sich Autoren verstecken und heimlich schreiben müssen. Natürlich versuchen sie trotzdem, ihre Gedanken [ ... ]
Das Spiel mit den Namen
Ganz üblich sind Pseudonyme bei Krimis, wobei aber oft klar ist, wer dahintersteckt. Auf den Umschlägen steht beispielsweise »Jan Seghers«, der Klappentext [Text auf dem Buchumschlag] erklärt aber, dass sich Matthias Altenburg den Namen ausgesucht hat. Auf diese Weise trennt ein Autor seine Krimis, [ ... ]
Was ein Name wert ist
Mit einem Pseudonym lässt sich auch Geld verdienen, wie Thomas Chatterton zeigt, der im Kapitel »Junge und jüngste Autoren« erwähnt wurde. Er erfand Dichter der Vorzeit und verkaufte »deren« Werke, die er ja eigentlich selber verfasst hatte. Uralte Texte ließen sich einfach leichter losschlagen als [ ... ]
Ein mexikanisches Phantom
Sehr konsequent verwischte dagegen B. Traven (1882-1969) seine Spuren, obwohl er mit seinem Roman »Das Totenschiff« schon früh einen Welterfolg geschrieben hatte. Er ließ jahrzehntelang niemanden wissen, wer sich hinter dem Pseudonym versteckte, hielt Kontakt mit Verlagen, Filmgesellschaften, Regiss [ ... ]
Das Werk ist sich selbst genug. Oder?
B. Traven kam es einzig und allein auf sein Werk an. Das Pseudonym schützte ihn als Person vor der zudringlichen Ã-ffentlichkeit, es schützte gleichzeitig seine Bücher vor billigen biografischen Rückschlüssen und Deutungen. Eigentlich wissen wir ja, dass die Buchstaben und ihr Sinn gleich bleiben, o [ ... ]
Das heimliche Schreiben der Frauen
Für eine Autorengruppe war es lange Zeit besonders bedeutsam, heimlich und oft auch unter Pseudonym zu veröffentlichen: die der Frauen. Ãober Jahrhunderte durften sie überhaupt nur in Ausnahmefällen schreiben. Die meisten Männer waren damals überzeugt, dass Bildung der weiblichen Natur widerspreche [ ... ]
Heimliche Weisheiten
Am Schluss dieses Kapitels will ich aber noch ein paar positive Gründe nennen, heimlich zu schreiben. Da ist zum Beispiel die Erweiterung schriftstellerischer Möglichkeiten. Kurt Tucholsky (1890-1935) hatte großen Spaß daran, unter den Namen Ignaz Wrobel, Peter Panther und Theobald Tiger zu schreibe [ ... ]

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