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Schreiberlust und dichterfrust

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Geburt und Existenz von Buchpersonen sowie einige Bemerkungen zum Stil



In dem Gedicht »Der Zauberlehrling« von Johann Wolfgang Goethe erlebt ein Nachwuchsmagier eine Katastrophe. Erst geht noch alles gut: Mit einem Zauberspruch verwandelt er einen Besen in einen Wasserträger, obwohl er noch nicht ohne Hilfe seines Meisters zaubern darf. Als der Besen aus dem nahen Fluss genügend Wasser herbeigebracht hat, bemerkt der Zauberlehrling, dass er den zweiten Zauberspruch vergessen hat, mit dem er den Besen zurück in ein totes Kehrgerät verwandeln kann. Selbst ein beherzter Axthieb verschlimmert nur die Situation, weil plötzlich zwei Besen aufstehen und weiter Wasser holen, so dass Badezimmer und Stuben überschwemmt werden. Da ruft der kleine Magier laut um Hilfe: »Herr, die Not ist groß! / Die ich rief, die Geister, / Werd' ich nun nicht los.« Der Hexenmeister erscheint und spricht die erlösenden Worte: »In die Ecke, / Besen! Besen! / Seid's gewesen! / Denn als Geister / Ruft euch nur zu seinem Zwecke / Erst hervor der alte Meister.«
Buchfiguren gleichen oft eigensinnigen Besen und Autoren Zauberlehrlingen. Dabei steht am Anfang noch alles zum Besten. Ist es doch interessant und reizvoll, Figuren für ein Buch herbeizuzaubern! Wie Gott bei der Erschaffung der Welt kann man seine Fantasien frei spielen lassen. Aber wie Gottes Menschen gleich seine Gebote missachteten, so proben auch Figuren schon einmal den Aufstand.
     

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Geburt  Existenz  Buchpersonen  sowie  einige  Bemerkungen  zum  Stil    





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