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Schreiberlust und dichterfrust
Wie man zu seinem Stoff kommt Sieben geheimnisvolle Eichenkisten, mit Eisen beschlagen, stehen auf dem Dachboden einer Kirche in England. Eines Tages, Mitte des 18. Jahrhunderts, sprengt man die Schl
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Das eigene Leben als literarischer Stoff



Eine Menge Autoren kennen Gogols Probleme kaum. Ihnen fällt ihr Leben lang genügend ein und dazu ein Stoff, der vollständig ihr geistiges Eigentum ist: Sie schreiben über sich selbst. Oft heißt es ja sogar, Schriftsteller könnten gar nicht anders, selbst wenn es - oberflächlich betrachtet - erst nicht danach aussieht. Natürlich geht immer etwas Persönliches in Kunst ein. Von Fall zu Fall unterscheidet sich das allerdings sehr. Während der eine Autor beinahe eine Lebenserinnerung verfasst, maskiert die andere Autorin ihre Erlebnisse in einem Roman so überzeugend, dass man das Ganze gar nicht mit ihr in Verbindung brächte.



     
Die Idee, eigene Erfahrungen und Gefühle als Stoff für literarische Werke zu verwenden, gibt es sehr lange. Vor zweitausend Jahren schrieben in Rom Ovid und Catull über ihre Leiden in der Verbannung und ihren Liebeskummer, im späten Mittelalter verfasste Francesco Petrarca Verse über sein Denken in der Schönheit der Natur, ab dem 18. Jahrhundert aber brach eine Springflut von »Selberlebensbeschrei-bungen« über die Leser herein, die liebend gern in ihnen versanken. Der englische Dichter Alexander Pope sagt ganz richtig: »Know then thyself, presume not God to scan / The proper study of mankind is man« .
      Es verführt sehr, einmal alles so aufzuschreiben, wie man es erlebt hat und wie man es sieht, ganz ohne Rücksicht. Endlich kann man alle erlittenen Ungerechtigkeiten schildern, endlich den Lehrern, Eltern, Freunden, Feinden, Geliebten, Kollegen die Meinung sagen, ohne dass einen jemand unterbricht oder berichtigt. Außerdem ist es interessant, der Held seines eigenen Werkes zu sein. Im besten Fall finden die starken Gefühle der Schriftsteller so unmittelbar und kunstvoll in ihre Lebensbücher hinein, dass auch die Leser sie nachempfinden können und spannend finden. Dazu müssen die Werke nicht unbedingt gefühlvoll geschrieben sein. Oft erreichen Autoren sogar eine stärkere Wirkung, wenn sie eher sachlich beschreiben. Sie dürfen natürlich jederzeit von den wirklichen Erlebnissen abweichen oder sie ergänzen, was die Wahrhaftigkeit und die Wirkung des Werks sogar häufig verstärkt.
     

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Das  eigene  Leben  als  literarischer  Stoff    





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