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Schreiberlust und dichterfrust
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Die Karte der »Schatzinsel«


Wie man zu seinem Stoff kommt Sieben geheimnisvolle Eichenkisten, mit Eisen beschlagen, stehen auf dem Dachboden einer Kirche in England. Eines Tages, Mitte des 18. Jahrhunderts, sprengt man die Schlösser und findet darin uralte Papier- und Pergamenthandschriften. Weil sie niemand beson

ders interessant findet, verwendet man sie im Haushalt des Kirchendieners für allerlei Zwecke: um Garn aufzuwickeln, um einfache Puppen zu basteln, um Bücher mit dem schönen, dünn geschabten Leder einzubinden, um Feuer anzuzünden.


Findeglück und Fälschung
In diesem Haushalt wächst Thomas Chatterton (1752-1770) auf. Die ersten Lebensjahre hält man ihn für einen sehr dummen Jungen, aber mit sechs Jahren fallen ihm Pergamentblätter auf, mit denen die Mutter den Ofen anschürt. Die farbigen Bilder auf einigen der Blätter wecken sein Interesse und offensic [ ... ]
Die Bedeutung des Stoffs
Im Schicksal des armen Chatterton spielte der Zufall eine große Rolle. Wäre er nicht der Sohn des Kirchendieners gewesen, hätten die Truhen nicht auf dem Dachboden der Kirche gestanden, wären die Pergamente nicht im Hause verwendet worden, hätte er sich nicht für die Bilder darauf begeistert... dann [ ... ]
Der Stoff findet seinen Autor: Die Karte der »Schatzinsel«
Wenn sie jedoch zusammenpassen, dann geschehen kleine oder größere Wunder. Bei manchen Stoffen glaubt man sogar, sie hätten auf geheimnisvolle Art nur auf einen Autor gewartet, der sie aufschreibt. So erging es Robert Louis Stevenson (1850-1894) mit seinem berühmtesten Buch, das in gewisser Weise se [ ... ]
Das geistige Eigentum und seine Grenzen
Eine Sache blieb Stevenson stets peinlich. Der Stoff für sein Buch entstand zwar vor seinem geistigen Auge, während er an einer Karte zeichnete, doch dass er zu Beginn so rasch und leicht schreiben konnte, hing damit zusammen, dass er eine Geschichte erzählte, die schon einmal erzählt worden war. Da [ ... ]
Kunst kommt von Kunst
Die Musik, die Literatur, die Malerei, sie alle kennen ja die Variation von Themen, das Zitat, die Weiterführung von Gedanken, die ein Vorgänger entwickelt hat. Die Kunst insgesamt gleicht darin einem unendlichen Teppich, an dem immerzu fortgewebt wird. Da nimmt jemand ein vorgegebenes Muster auf un [ ... ]
Ein Bild als Auslöser für einen Dichterwettbewerb
Bei dem Schweizer Schriftsteller Heinrich Zschokke waren drei Autoren zu Gast: Ludwig Wieland, Heinrich Geßner und Heinrich von Kleist. Aus einer fröhlichen Stimmung heraus kamen die vier Kollegen auf die Idee eines »poetischen Wettkampfs«. Zschokke erzählt später, wie es dazu kam: »In meinem Zimmer [ ... ]
Stoffgeschenke
Viele Dichter kennen die schrecklichen Momente oder sogar Phasen, in denen ihnen überhaupt nichts einfällt. Nicht einmal ein Stoff, um darüber zu schreiben. Wenn man mutig ist und seine Scham überwindet, kann man sich ein Beispiel an einem der bedeutendsten russischen Autoren nehmen. Nikolai Gogol ( [ ... ]
Das eigene Leben als literarischer Stoff
Eine Menge Autoren kennen Gogols Probleme kaum. Ihnen fällt ihr Leben lang genügend ein und dazu ein Stoff, der vollständig ihr geistiges Eigentum ist: Sie schreiben über sich selbst. Oft heißt es ja sogar, Schriftsteller könnten gar nicht anders, selbst wenn es - oberflächlich betrachtet - erst nic [ ... ]
Ein Psychologe seiner selbst: Karl Philipp Moritz und sein »Anton Reiser«
Sehr eindrucksvoll, vielleicht unerreichbar, tut dies Karl Philipp Moritz (1756-1793) in seinem Werk »Anton Reiser. Ein psychologischer Roman«. Hier beschreibt er die Kindheit und Jugend von Anton Reiser. Eine ganze Menge von dem, was der Held erlebt, stimmt mit dem überein, was Moritz selbst erlebt [ ... ]
Ein Fischer im Netz der Weltliteratur: Hemingways »Der alte Mann und das Meer«
Die besondere Aufmerksamkeit der Autoren beschränkt sich nicht nur auf das eigene Leben. Sie nehmen die Welt um sich herum und die Menschen darin oft sehr genau wahr. Das eine wie das andere steckt voller Geschichten. Bei Ernest Hemingway (1899-1961) verlief die Stoffsuche oft sehr glücklich. Er fan [ ... ]
Wem gehört das Leben?
Weil Hemingway so viel veränderte, weil er so viele eigene Erlebnisse in die Geschichte verwob, sie so mit eigenen Gedanken anreicherte und so kunstvoll darbot, eignete er sie sich vollkommen an. Anselmo Hernandez hätte deshalb vor Gericht vergeblich geklagt, hätte er behauptet, jemand habe ihm sein [ ... ]



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