Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Schreiberlust und dichterfrust
Index » Schreiberlust und dichterfrust
» Der Autor auf der Lokomotive

Der Autor auf der Lokomotive


Über Realismus, Glaubwürdigkeit, Details und die nötige Abweichung Sehr viele Autoren schreiben irgendwann ein literarisches Werk über ihr Leben. Ob sie es in einen Roman verwandeln, in dem sie Orte, Namen, Ereignisse verändern und in eine künstlerische Struktur einbinden, oder ob

sie eine Autobiografie schreiben, immer gibt es ein Problem: die Erinnerungslücken. Wer weiß schon noch genau, was er vor 13 Tagen gemacht, wen er vor 19 Tagen getroffen oder wie er sich vor 26 Tagen gefühlt hat? Wenn es dann noch viele Jahre sind, hilft oft nichts anderes, als Nachforschungen anzustellen. Man durchsucht Schachteln nach alten Briefen, fahndet nach den Tagebüchern, befragt Verwandte und sieht sich Fotoalben an. Plötzlich merkt man, wie wenig man sich in etwas auskennt, das man doch so gut wie niemand anderer zu kennen glaubte: im eigenen Leben.


Das Problem der Glaubwürdigkeit
Wenn man nun als Schriftsteller über andere Menschen und Zeiten schreibt, wird es noch viel komplizierter, denn darüber weiß man ja noch weniger. Natürlich könnte man sich auf seine Fantasie verlassen und mutig etwas hinschreiben wie: »Goethe störten die lauten Lokomotiven am Bahnhof Weimar.« Johann [ ... ]
Der Zauber der Details
Glaubwürdigkeit oder Wahrscheinlichkeit von Büchern ist eine Qualität, die von Autoren wie von Lesern sehr geschätzt wird. Um sie zu erreichen, sind Genauigkeit, Detailkenntnis und Stimmigkeit wichtig. Vladimir Nabokov, der in seinen Romanen sehr wachsam darauf achtete, dass alles seine Richtigkeit [ ... ]
Wirklichkeit pur ist langweilig
Ãober eine Figur kann man aber auch zu viel schreiben. Wenn wir vier Seiten lang über jedes einzelne Hemd eines Mannes läsen, langweilte es uns zu Tode, selbst wenn es ganz realistisch wäre. Es ist wie beim Film. Natürlich könnte man eine Kamera in eine Fußgängerzone stellen und einen Tag laufen las [ ... ]
Der Kampf um die Wirklichkeit in der Kunst
Wenn sich ein Autor aber auf unsere Welt und ihre Geschichten beschränkt, stellt sich schnell die Frage: Was soll er eigentlich beschreiben und wie? Lange Zeit gab es sogar noch die Frage: Was darf er in seine Werke aufnehmen? Bis weit in das 18. Jahrhundert hinein galten beispielsweise ungeschrieb [ ... ]
Die Recherche: Von teilnehmender Beobachtung, Tratsch und ausführlicher Lektüre
Wie aber schreibt man realistisch? Nehmen wir an, du willst einen Roman über eine TV-Serien-Schauspielerin verfassen. Es soll um hinterhältige Gemeinheiten gehen, die ihr von neidischen Kollegen angetan werden, also richtiges »TV-Mobbing«. Sie soll mit Drogen Probleme bekommen. Der Beleuchter soll s [ ... ]
Genauigkeit verbessert den Stil
Gustave Flaubert, sein etwas älterer französischer Kollege, hütete sich dagegen meist vor Drastik und Ãobertreibungen. Ihm kam es auf größte Genauigkeit an, ob er nun einen historischen Roman über die Phönizier schrieb oder einen über die Frau eines Landarztes, die ihren Mann und sich selbst betrügt [ ... ]
Das Unrealistische der Wirklichkeit
Nach so vielen Tipps sollte es doch eigentlich leichtfallen, realistische Literatur zu verfassen. Schließlich gibt es im eigenen Leben und in der Welt rundherum so viele seltsame Ereignisse, so merkwürdige Charaktere, so kuriose Handlungen, dass man sie nur aufschreiben müsste. Doch davon abgesehen, [ ... ]
»Kaltblütig«: Die Kunst des Tatsachenromans
Man kann aber Journalist oder Historiker und trotzdem Künstler sein. Reporter wie Egon Erwin Kisch (1885-1948) schrieben so eindrucksvolle, sprachlich meisterhafte Zeitungstexte, dass sie in Buchform erschienen und als Literatur angesehen wurden. Natürlich waren sie realistisch, weil sie wirkliche M [ ... ]

Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com