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Wie sich das Verhältnis zwischen Autor und Geld entwickelt hat



Als vor dreitausend Jahren Dichter über die Irrfahrten des Odysseus oder über die Heldentaten des Achill sangen, da unterschied sich ihre Rolle nicht so sehr von der eines Priesters. Tausend Jahre lang hielt man sie häufig für eine Art Sprachrohr der Götter. Geld bekamen nur die berühmten Theaterdichter oder Sänger, viele Kollegen aber keines. Doch man ehrte sie, gewährte ihnen Unterkunft, gab ihnen zu essen. Nicht wenige Dichter gehörten zu den Reichen und Gebildeten, die aus kulturellem Ehrgeiz schrieben. Um Honorare für ihre Werke mussten sie sich nicht kümmern.

      Bis in das 18. Jahrhundert hinein hielt sich dann das Modell des Mäzenatentums. Es heißt so nach dem antiken König Mäzenas, der viele Künstler mit seinem Reichtum unterstützte. Lange Zeit bestand es darin, dass wohlhabende Adlige oder gar Herrscher Schriftsteller an ihren Hof holten, damit sie dort schreiben konnten. Beide hatten etwas davon: die Dichter ein luxuriöses Zuhause und meist eine Art Stipen-dium, die Adligen und Herrscher aber konnten sich in dem Ruf sonnen, Kunstförderer zu sein. Außerdem verfassten die Dichter in aller Regel Werke zu Ehren ihrer Gönner, so dass deren Name einen gewissen Ewigkeitswert errang. Solch ein Hofdichter-Amt war natürlich selten und hoch begehrt.
      Die Poeten, die nicht so viel Glück hatten, versuchten es anders. Sie schrieben ihre Werke und setzten an den Anfang eine Widmung an einen bedeutenden Mann oder eine adlige Dame. Von denen erhofften sie sich eine so genannte »Ehrengabe«. Das konnte Geld sein, oft waren es aber auch Schmuckstücke, mal ein kostbarer Pelz oder gar ein Haus mit einem Stück Land. Miguel de Cervantes widmete seinen »Don Quijote« beispielsweise: »Dem Herzog von Bejar, Marques von Gibraleon, Grafen von Benalcazar, Banares und Alcocer, Herrn der Städte Capilla, Curiel und Burguillos«. Man musste bei so etwas schon genau darauf achten, alle Titel eines mächtigen Mannes zu erwähnen, schließlich durfte man ihn nicht beleidigen. Die eigentliche Widmung des »Don Quijote« ging dann noch eine halbe Seite voller Lobsprüche weiter.
      Daneben gab es reiche Adlige oder aber Pfarrer, Lehrer, Professoren und andere gebildete Leute, die in der Freizeit Literatur verfassten und veröffentlichen ließen - oft ohne Honorar und sogar auf eigene Kosten. Ihnen ging es mehr um den Ruhm als den Reichtum. Den konnten sie auch nicht erwarten, weil es damals noch kein Urheberrecht gab, das die Werke von Autoren schützte. Wenn ein Verleger ein Buch auf den Markt brachte, wurde es rasch von einem anderen abgeschrieben und seinerseits veröffentlicht, ohne dem Autor oder dem Verleger etwas zu bezahlen. Man nannte solche Leute »Nachdrucker« und »Piraten«, die Bücher, die sie veröffentlichten, »Raubdrucke«, weil der Autor und sein Verleger um den Lohn ihrer Arbeit gebracht wurden. Leben konnte also bis ins 18. Jahrhundert hinein niemand vom Schreiben.
      Dann aber begannen immer mehr Leute immer mehr Bücher zu lesen, immer mehr gingen auch ins Theater und das Recht auf geistiges Eigentum wurde in vielen Ländern gestärkt. Wenn man beim Publikum Erfolg hatte, viele Bücher von einem gekauft oder Theaterstücke gut besucht wurden, konnte man zum ersten Mal von Literatur leben. Voltaire, der französische Verfasser satirischer Schriften, gehörte zu den ersten, die als freie Schriftsteller existierten, die also keine feste Stelle hatten, von der sie eigentlich lebten. »Frei« hießen diese Autoren auch, weil sie auf niemanden Rücksicht zu nehmen brauchten. In Deutschland versuchten das Gleiche mit mehr oder weniger Erfolg der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock , der Dramatiker und Kritiker Gotthold Ephraim Lessing und der Dichter, Historiker und Philosoph Friedrich Schiller.
      Doch die freien Schriftsteller, die es seit damals gibt, sind nicht so frei, wie man denkt. Außer sie hießen Lord Byron . Der reiche englische Adlige verfasste seit seiner Jugend Literatur zum Vergnügen und aus Begierde nach Ruhm. So konnte er 1814 ganz leichthin in einem Brief über das Honorar für zwei lange Gedichte schreiben: »Mr. Murray hat mir eintausend Guineen [damals ein kleines Vermögen] für den Giaour und die Braut von Abydos angeboten. Ich will sie nicht haben - es ist zu viel, obwohl ich sehr in Versuchung geführt werde, nur um darüber reden zu können. Kein schlechter Preis für eine vierzehntägige - ja was denn? - die Götter wissen - es sollte so etwas sein, was man Poesie nennt.«
Die meisten Autoren mussten dagegen sehen, wie sie zu Geld kamen. Zur Zeit von Lord Byron gab es wenige, die von ihrer Literatur leben konnten, und unter ihnen wiederum noch viel weniger Frauen. Die litten nicht nur unter den schon erwähnten Vorurteilen der Männerwelt gegenüber Literatinnen, sondern auch unter juristischen Problemen: Sie durften oft ja nicht einmal Verträge schließen ohne Zustimmung eines Mannes. Wie hätten sie also an eine angemessene Bezahlung denken dürfen oder gar an den Versuch, sie zu erstreiten? Dabei lasen schon seit dem 18. Jahrhundert Frauen mehr als Männer!

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