Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Schreiberlust und dichterfrust

Index
» Schreiberlust und dichterfrust
» Brotlose Kunst
» Ein Beispiel aus den USA: Raymond Carver

Ein Beispiel aus den USA: Raymond Carver



Als Raymond Carver, der inzwischen berühmte und wohlhabende Autor von Short Storys und Gedichten, einmal gefragt wurde, warum er diese beiden Gattungen gewählt habe, stellte er ganz klar die Bedeutung des Geldes heraus. Von Anfang an habe es sein Schreiben beeinflusst und der Mangel an Geld habe sein Leben geprägt, ja beinahe zerstört. Sein Beispiel kann für viele Autoren als typisch gelten: »Niemand hat mich aufgefordert, Schriftsteller zu werden. Aber es warhart, zu überleben und die Rechnungen zu zahlen und Essen auf den Tisch zu kriegen und mich gleichzeitig als Schriftsteller zu sehen und schreiben zu lernen. Nach Jahren mit Scheißjobs, Kindererziehen und Versuchen zu schreiben, begriff ich, dass ich Sachen schreiben musste, die ich beenden konnte und die schnell zu machen waren. Es war unmöglich, einen Roman anzugehen, eine Zwei- oder Drei-Jahres-Arbeit für ein einziges Projekt. Ich musste etwas schreiben, für das ich sofort irgendeine Bezahlung bekommen könnte, nicht nächstes Jahr oder in drei Jahren. Deshalb Gedichte und Storys. Ich begann einzusehen, dass mein Leben nicht - lassen Sie uns sagen, dass es nicht so war, wie ich es wollte. Immer war da ein Haufen Frustration, mit dem ich klarkommen musste -schreiben zu wollen und nicht die Zeit oder den Raum dafür finden zu können. Ich ging oft weg und setzte mich ins Auto, wo ich versuchte, mit einer Schreibunterlage auf meinen Knien zu schreiben. Das war in der Jugend der Kinder. Ich war Ende 20, Anfang 30. Wir waren arm, hatten einen Bankrott hinter uns und Jahre harter Arbeit und nichts vorzuweisen als ein altes Auto, ein gemietetes Haus und neue Schuldner im Nacken. Es war deprimierend, und ich fühlte mich geistig vernichtet. Alkohol wurde ein Problem. Ich gab mehr oder weniger auf, warf das Handtuch und machte aus dem Vollzeit-Trinken eine ernsthafte Aufgabe ... Ich nehme an, ich begann heftig zu trinken, als ich begriff, dass die Dinge, die ich im Leben für mich, für mein Schreiben, für meine Frau und meine Kinder am meisten wollte, einfach nicht geschehen würden.« Im Jahr 1977 kam Raymond Carver dann ganz unten an: Er hatte häufiger Ã"rger mit der Polizei, wurde mehrfach zu kleineren Strafen verurteilt und in Entzugskliniken eingeliefert. Mit viel Glück und Unterstützung durch die Anonymen Alkoholiker rettete er sich im letzten Augenblick vor dem endgültigen Absturz.

      Viele Autoren beklagen wie Carver den steinigen, langen und unsicheren Weg zu einem doch eigentlich selbstverständlichen Zustand: von seiner Arbeit leben zu können. Viele zerbrechen an dem Widerspruch von künstlerischen Ansprüchen und denen der Gesellschaft.
     

 Tags:
Ein  Beispiel  aus  USA:  Raymond  Carver    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com