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Sachkultur und gesellschaftsstil

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Burgen- und Pfalzenbau im I2. und I3. Jahrhundert



Das Aufkommen der hochmittelalterlichen Adelsburg stand im Zusammenhang mit einem Prozeß, der die Struktur und das Erscheinungsbild der adligen Gesellschaft grundlegend verändert hat. Seit dem 11. Jahrhundert verließen die Hochadelsgeschlechter ihre angestammten Höfe und Herrensitze und bauten sich, oft mit großem Kostenaufwand, an unzugänglichen Stellen, auf Bergrücken oder hinter Wassergräben, wehrhafte Burgen, die ihnen als Wohnsitze dienten. Damit begann der Prozeß der Feudalisierung und Verherrschaftlichung, der schließlich zur Ausbildung der Landesherrschaft geführt hat. Die persönlichen Motive zu dem Ortswechsel in die Wildnis der Berge und Wälder sind unbekannt. Daß der Burgenbau jedoch eine große Bedeutung für das Selbstverständnis der hochadligcn Familien besaß, ist daran zu erkennen, daß viele Geschlechter anfingen, sich nach ihren Burgen zu nennen. Der Besitz von Burgen war seitdem ein wichtiges Attribut adliger Lebensweise. »Ihr Könige und ihr Herzöge und alle die, denen der allmächtige Gott Gewalt verliehen hat«, hieß es in einer Predigt Bertholds von Regensburg, »man muß vor euch niederknien und muß sich vor euch erheben und muß euch fürchten, und ihr habt viel Platz um euch und ihr reitet prächtig und geht prächtig und habt hohe Burgen und schöne Damen.«

Das Recht, Burgen zu bauen, war altes Königsrecht. Noch im 12. Jahrhundert sind vereinzelt Baugenehmigungen erteilt worden. So hat König Konrad I

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um 1145 dem Grafen von Arnsberg erlaubt, »in unserem Reich Burgen zu bauen, wo immer er wollte, auf seinem Eigengut oder auf seinem Lehnsbesitz«2.
      Selbst der >Sachsenspiegel< hielt im 13. Jahrhundert noch an einem generellen Bauverbot fest. Die meisten Burgen sind jedoch ohne besondere Genehmigung gebaut worden. Wahrscheinlich haben die Herzöge und Markgrafen das Recht dazu aus ihrer Amtsgewalt abgeleitet. Ebensowenig wie den Königen ist es später den Landesfürsten gelungen, den Burgenbau in ihren Territorien unter Kontrolle zu halten. Es war ein Ausnahmefall, wenn der Erzbischof von Köln, als Herzog von Westfalen, im 13. Jahrhundert eine Befestigungshoheit durchsetzen konnte, die auch von den gräflichen Familien respektiert wurde.
      Bis zum Ende des 12. Jahrhunderts gab es noch nicht viele Burgen. In der Beschreibung der >Zustände im Elsaß zu Beginn des 13. JahrhundcrtsGesta Frederici< über die Bautätigkeit des Kaisers: »Die herrlichen, einst von Karl dem Großen errichteten Pfalzen und die mit großartiger Kunstfertigkeit ausgeschmückten Königshöfe in Nimwegen und bei dem Hof Ingelheim, äußerst starke, aber durch Vernachlässigung und Alter schon sehr brüchig gewordene Bauwerke, hat er aufs herrlichste wiederhergestellt und dabei eine außergewöhnliche, ihm angeborene Hochherzigkeit bewiesen.« Rahewin erwähnte auch die von Friedrich I. neu angelegten Pfalzen in Kaiserslautern und in verschiedenen italienischen Städten. Wie sehr dem Kaiser diese Bauten am Herzen lagen, bezeugt der Brief, den er am 16. November 1189, auf dem Zug nach Palästina, an seinen Sohn Heinrich

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schrieb - es war das letzte Lebenszeichen des Kaisers, das nach Deutschland gelangte - und worin er den Sohn mahnte: »Laß die Wasserburg Kaiserswerth und laß Nimwegen vollenden und bestens bewachen, denn wir halten dies für höchst vorteilhaft.« Von den Pfalzanlagen in Ingelheim, in Nimwegen und Kaiserslautern sind nur unbedeutende Reste übriggeblieben, ebenso von Kaiserswerth und von der Pfalz in Hagenau. Um sich eine Vorstellung von der architektonischen Eigenart und der künstlerischen Bedeutung der staufischen Kaiserpfalzen zu machen, muß man die reicheren Überreste in Wimpfcn, Eger, Seligenstadt und vor allem in Gelnhausen betrachten. Ungeachtet ihrer verschiedenen Lage - Gelnhausen und Hagenau waren Wasserburgen, Wimpfen und Eger lagen auf einem Höhenrücken - zeigen die staufischen Pfalzburgen ein einheitliches Konzept. Außer den wehrhaften Teilen - Mauern und Türmen - treten überall zwei Baukomplexe besonders hervor: die kaiserlichen Wohn- und Repräsentationsgebäude und die Pfalzkapelle, die meistens die charakteristische Form der zweistöckigen Doppelkapelle besaß. Diese Gebäude wiesen auch den reichsten architektonischen Schmuck auf: Säulen mit reich verzierten Kapitellen, Blendarkaden, Portalrahmungen, Freitreppen und vor allem die großartigen Fensterstellungen,die den staufischen Anlagen ihr unverwechselbares Aussehen geben .
      Denselben Stil wie die Kaiserpfalzen und dasselbe hohe Niveau künstlerischer Gestaltung zeigen einige Burgen, die von Adligen aus dem engsten Kreis der Ratgeber und Hofbeamten Kaiser Friedrichs I. erbaut wurden. Die Burg Münzenberg in der Wetterau mit ihren beiden Türmen und den weit ins Land sichtbaren Fensterarkaden in der Palasfront gehörte Kuno von Hagen, einem der mächtigsten und einflußreichsten unter den großen Reichsministerialen. Der Bauherr der Burg Wildenberg im Odenwald war der Freiherr Rupert von Durne, der in über hundert Urkunden Friedrichs i. und Heinrichs

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als Zeuge erscheint. Die Ähnlichkeit der Bau- und Schmuckformen läßt vermuten, daß der Kaiser die in seinem Auftrag tätigen Baumeister und Steinmetze an seine Getreuen vermittelt hat. Ob sich der Hof auch finanziell an den sehr aufwendigen Unternehmungen beteiligt hat, ist nicht bekannt. Überhaupt wissen wir allzu wenig über die Finanzierung und die praktische Durchführung der Bauarbeiten. Die Nachrichten über die Bautätig-keit Bennos IL von Osnabrück und Ottos von Bamberg , die beide im Auftrag Kaiser Heinrichs

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maßgeblichen Anteil an der Fertigstellung des Speyerer Doms hatten, deuten daraufhin, daß der Bau der größeren Burgen und Pfalzen von denselben Personen geleitet 'wurde, die auch im Kirchenbau führend waren. Die Übereinstimmung einzelner Schmuckelemente - zum Beispiel der Kapitelle und Konsolen in der Nürnberger Pfalzkapelle und in der Regensburger St. Jakobskirche - weist in dieselbe Richtung.
     

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Burgen-  Pfalzenbau  I2.  I3.  Jahrhundert    





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