Rollencharaktere und Sozialtypen |
| Die Geschichte ist nicht verbürgt, aber, wie alle guten Anekdoten, aufschlußreich: Nach der Züricher Uraufführung der Mutter Courage, heißt es, habe der Regisseur Leopold Lindtberg an Brecht telegrafiert: „Großer Erfolg. Publikum erschüttert." Brechts telegrafische Antwort: „Sofort absetzen!"
Der A |
Geschäftsfrau oder 'Muttertier? - Die Courage |
| Auch gegen den Willen des Autors: Die Courage erweckt Sympathie. Ihre charakterliche Ambivalenz, die Brecht als dialektischen Ausdruck gesellschaftlicher Widersprüche gewertet wissen will, mindert nicht den Eindruck ihrer kräftig ausgeprägten, lebensvollen und wirklichkeitsgetreuen Individualität. W |
Die Verführung zur Güte - Kattrin |
| Die Gestalt des mütterlichen Mädchens, der niederen kinderliebenden Dienstmagd, die, ohne biologisch Mutter zu sein, die Mutterrolle aus Mitleid und fürsorglicher Gesinnung ergreift, hat Brecht mehrmals gestaltet. Im Kaukasischen Kreidekreis ist es die grusinische Magd Grusche, die eine Nacht bei ei |
Die Verführung zum Heldentum - Eilif |
| Der Feldhauptmann (zum Eilif): 'In dir steckt ein junger Cäsar" (25). Salomon-Song: 'Ihr saht den kühnen Cäsar dann / Ihr wißt was aus ihm wurd" (94).
Die Beziehung ist eindeutig: 'Kühnheit" gehört zu den Tugenden, 'die gefährlich sind auf dieser Welt" (93). 'Wann ein Feldhauptmann oder König recht |
Die Verführung zur Redlichkeit - Schweizerkas |
| Außer dem 'kühnen" hat die Courage einen 'redlichen" Sohn. Aber auch die Tugend der Redlichkeit ist im Krieg verderblich: 'Beneidenswert, wer frei davon" (94).
Die Empfehlung der Courage an ihren Sohn Fejos, genannt Schweizerkas, redlich zu sein, ist fürsorglich gemeint: Sie hält ihn für dumm. Die |
Kontrastfiguren |
| Chargen und Randfiguren sind für Brecht nirgends bloß Staffage oder Stichwortgeber. Mit ihren starken negativ-positiv-Kontrasten dienen sie alle der episch-gestischen Absicht des Stückeschreibers. Sie deuten auf die Fabel in ihrer sozialen Gleichnishaftigkeit.
Um seine materialistisch-dialektische |