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Robert musil

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Robert Musil



In der Forschung fand Musils Roman ,Der Mann ohne Eigenschaften' als sein eigentliches Lebenswerk - trotz des Umstandes, daß bis heute keine gültige Edition des Werkes vorliegt - breite Beachtung. Auch die übrigen Prosawerke ziehen seit Jahren immer stärker die Aufmerksamkeit an. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, die verschiedenen Dichtungen zu einer einheitlichen Darstellung des Dichters zusammenzufassen. Tatsächlich erweist es sich als schwierig, den utopischen Entwurf des Romans etwa mit einer Novelle wie ,Grigia' zu einer Synthese zu vereinigen. Auch das Kapitel, das die Einleitung zu seinem Novellenschaffen bildet, wird angesichts dieser Forschungslage auf eine übergreifende Deutung verzichten müssen. Indessen kann keine Darstellung der Novelle im 20. Jahrhundert an Musil vorbeigehen, der einige Erzählwerke veröffentlicht hat, die künstlerisch von hohem Rang sind.
      Man wird das 1906 erschienene Erstlingswerk ,Die Verwirrungen des Zöglings Törless' kaum als Novelle bezeichnen dürfen. Dazu fehlt ein Hand-lungsgefüge, das auf ein zentrales Ereignis hin begriffen und in dem ausgespart ist, was auf dieses Ereignis nicht bezogen erscheint: Gestalten, Räume, Episoden innerhalb der Handlung. Der ,Törless' ist eine moderne ohne die Tiefenpsychologie nicht denkbare Spielart des Entwicklungsromans, der allerdings keinen Abschluß gefunden hat. Man bezeichnet im allgemeinen die unter dem Titel Bereinigungen' zusammengefaßten Erzählwerke ,Die Vollendung der Liebe' und ,Die Versuchung der stillen Veronika' gattungsmäßig als Novellen. Musil selbst zog es vor, von Erzählungen' zu sprechen. Charakteristisch für den Geist dieser Dichtung ist vor allem die erste, Vollendung der Liebe'. Auch hier zögert man, das Werk als novellistisch zu charakterisieren, und zwar aus einem ähnlichen Grund wie im Falle des ,Törless'. Gegenüber der ersten, romanhaft ausgeweiteten Dichtung sind die beiden 1911 publizierten Erzählwerke zwar straffer gefügt. Aber wieder fehlt jene finale Bezogenheit, wie sie der Novelle eigen ist. Das ist nicht zufällig. Der Charakter Claudinens, der Mittelpunktgestalt der ersten Dichtung, ist so passiv gestaltet, sie ist in einer so extrem widerstandslosen Weise den sich ihr bietenden Gele-genheiten ausgeliefert, daß schon diese Umstände eine konsequente Handlungsführung nicht Zustandekommen lassen.
      Das Interesse richtet sich in der vorliegenden Darstellung dagegen auf die Erzählwerke, die in einer Art von Zyklus unter dem Titel ,Drei Frauen' zusammengefaßt sind. Sie wurden 1924 publiziert. Benno von Wiese hat die gemeinsame Thematik zusammengefaßt, indem er darauf hinwies, daß jede Novelle in ihrer Weise um das "verrätselte Phänomen möglicher Untreue" kreist. Man wird diese Deutung akzeptieren, allerdings gleichzeitig hinzufügen, daß das Spannungsfeld zwischen den einzelnen Werken und die Art und Weise, wie die Thematik entfaltet wird, ungewöhnlich weit gefaßt ist; am weitesten zwischen der ersten und der dritten der Novellen.

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