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"mutter courage und ihre kinder" als muster epischer theaterkunst

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"Mutter Courage und ihre Kinder als Muster epischer Theaterkunst



In Brechts Theorie des "epischen Theaters" vermengen sich politische mit ästhetischen Kategorien. Brecht selbst hat diesen Widerspruch nicht aufgelöst. Einmal erklärte er, das "Epische" seines Theaters sei "eine Kategorie des Gesellschaftlichen und nicht des Ästhetischen Formalen"53, ein andermal: "Es wäre zu schwierig, etwa die Theorie der theatralischen Verfremdung außerhalb einer ästhetisch darzustellen"54, dann wieder: "Ich muß zugeben, daß es mir nicht gelungen ist, klarzumachen, daß das Epische meines Theaters eine Kategorie des Gesellschaftlichen und nicht des Ästhetischen ist."



   Er wollte mit seinen Dramen politisch wirken, war aber ästhetisch zu skrupulös, um einfach politische Agitation mit theatralischen Mitteln zu betreiben. Der Dramatiker Friedrich Wolf, der in seinen Revolutionsdramen vordergründig plakative und parolen-haften Wirkungen nicht verschmähte, warf Brecht nach der Berliner Erstaufführung der Mutter Courage vor, er habe es nicht verstanden, mit seinem Stück das Volk "gegen einen neuen Krieg zu aktivieren"56, weil die Courage keine Einsicht und keine Wandlung zeige. Brecht hielt dagegen eine Entwicklung seiner Heldin zur Erkenntnis ihres Irrtums für "unrealistisch" und für nicht vereinbar mit einer "materialistischen" Darstellung. Er hielt es für notwendig, "das Bewußtsein der Personen vom sozialen Sein bestimmen zu lassen und es nicht dramaturgisch zu manipulieren."

   Brechts neues dramaturgisches Konzept seit 1930 zielte mit einer neuen Theaterkunst auf einen neuen Zuschauer, der nicht einfach politisch-agitatorisch mobilisiert, sondern im Sinne marxistischer Dialektik "philosophisch" aufgeklärt werden sollte. "Das komplexe Sehen muß geübt werden." Brecht wünschte sich nicht einen mitfühlenden und erschütterten, sondern einen wissenden, kritisch mitdenkenden Zuschauer, der nicht Mitleid empfindet, sondern Befremdung; er soll sich immer des paradigmatischen Charakters der Bühnendarstellung bewußt sein. Brechts im einzelnen nicht widerspruchsfreie dramaturgische Theorien sind in dieser Zielsetzung einhellig.
     

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