„Mutter Courage und ihre Kinder als Muster epischer Theaterkunst |
| In Brechts Theorie des „epischen Theaters" vermengen sich politische mit ästhetischen Kategorien. Brecht selbst hat diesen Widerspruch nicht aufgelöst. Einmal erklärte er, das „Epische" seines Theaters sei „eine Kategorie des Gesellschaftlichen und nicht des Ästhetischen Formalen"53, ein andermal: „ |
Grundzüge der epischen Dramaturgie Brechts und ihre Entwicklung |
| Brecht wollte auf dem Theater Vorgänge beschreiben, 'damit das Veränderbare der Welt herauskomme und uns Vergnügen bereite".59 Gezeigt werden soll der dialektische Wandel, der Fluß aller Dinge und deren Widersprüchlichkeit zur Begründung der gesellschaftlichen Antagonismen. Die begriffliche Paradoxi |
Die 'Courage-Fabel - Quellen und Abwandlung |
| Aber der Grimmeishausen läßt sich das Moralisieren und Abstrahieren nicht verbieten.65 Brecht, 1938
Der Satz, geschrieben zur Abfassungszeit der Mutter Courage und gegen Georg Lukäcs' Realismus-Thesen gerichtet, nimmt den barocken Sozialsatiriker als Vorläufer für Brechts didaktischen Literaturbegr |
Handlung und Handlungsform |
| Grimmeishausen, wie auch andere Barockerzähler, verwendete bekanntlich nach antikem Komödienmuster das argumentum, eine antizipierende Inhaltsangabe als Kapitelüberschrift. Dessen vage andeutende, oft verrätselnde und ironisierende Formulierung weckte die Neugier des Lesers, ohne sie zu befriedigen. |
Zwölf Jahre - zwölf Bilder |
| Die epische Montagetechnik der Mutter Courage dient dazu, 'den Krieg als historisch-soziales Phänomen in den Dimensionen des Dramas abzubilden."72 Die dargestellte Zeit reicht vom Frühjahr 1624 bis zum Winter 1636. Am Anfang ist der Krieg noch 'jung". Am Ende weiß der Zuschauer, daß noch zwölf weite |
Kontraste und Parallelen |
| Der Planwagen ist
'voll behängt und frisch bespannt. Er wird gezogen von den beiden Söhnenf. . .] Auf dem Bock sitzen die stumme Kattrin, die Mundharfe spielend, und die Courage. Die Courage sitzt bequem, ja faul, sich auf dem Wagen wiegend, sie gähnt." (Brechts Regiemodell für Szene 1)
Mutter Cou |
Der 'Chronik-Stil |
| Der Untertitel der Mutter Courage: 'Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg" schien Brecht selbst erläuterungsbedürftig. In seinem Gespräch mit Friedrich Wolf über 'Formprobleme des Theaters aus neuem Inhalt" setzt er den Begriff 'Chronik" gleich mit dem Gattungsbegriff 'History" aus der elisabet |
Die Sprache der Courage |
| Gängige Sprachmuster umzumontieren, um erstarrte Denkgewohnheiten aufzulösen, bereitete Brecht offenbar ein besonderes Vergnügen. Manchmal genügt ihm die Änderung eines Satzzeichens, um den Sinn einer Aussage in sein Gegenteil zu verkehren. Aus der frommen Redensart 'Der Mensch denkt, Gott lenkt" m |
Sprachliche Verfremdungen |
| 'Die Auslegung der Fabel und ihre Vermittlung durch geeignete Verfremdungen" bezeichnete Brecht 1948 als das Hauptgeschäft des Theaters.85 Sein Begriff von Verfremdung ist allerdings vieldeutig schillernd. Er ist vom Zweck bestimmt, nicht von der Form, 'eingeengt auf ein Ensemble von Kunstmitteln zu |
Szenische Verfremdungen |
| Nach dem Muster des Züricher Antigone-Modells von 1948 verfaßte Brecht auch für seine folgenden Inszenierungen Modellbücher. Sie dienten als Regievorlagen, die mit den Rollentexten an die Theater geliefert wurden. Auf Wunsch wurden auch Szenenfotos aus dem Archiv des 'Berliner Ensembles" ausgeliehen |
Verfremdung durch Songs und Musik |
| Der Vorwurf des 'Formalismus" und der 'volksfremden Dekadenz", von Kulturfunktionären der DDR gegen Brecht erhoben, richtete sich vor allem gegen die Musik zur Mutter Courage. Dabei hatten sie nichts einzuwenden gegen die parteipolitische Zuverlässigkeit des Komponisten Paul Dessau, der sich schon i |