Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Moderne / postmoderne literatur
Jean-Erancois l.yotard mag nocli so oll behaupten, daß die Post-moderne nicht als neue Epoche oder gar als neues Zeitaller, sondern als eine der Moderne innewohnende kritische Gegen-bewegung aufzufass
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» Postmoderne Philosophien als Kritiken der Moderne
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Im Falle von Deleuze



Im Falle von Deleuze, Lyotard, Foucault und Rorty wird man jedoch stets von neuem an die ausweglose Situation von Musils Protagonistin Diotima erinnert: »Jedesmal, wenn Diotima sich beinahe schon für eine solche Idee entschieden hätte, mußte sie bemerken, daß es auch etwas Großes wäre, das Gegenteil davon zu verwirklichen.« Was soll nun in der Postmoderne verwirklicht werden, deren Vertreter neben dem Pluralismus und der Partikularitäl auch der Kontingenz aller Perspektiven das Wort reden? Weshalb sollte man Rortys »liberale Demokratie«15, für die der amerikanische Pragmatist aus versländlichen Gründen plädiert, Lyotards antikapitalistischcm »Patchwork der Minderheiten« oder Ltzionis »communitarian politics« vorziehen? Wäre es nicht »auch etwas Großes«, das Gegenteil davon zu verwirklichen? Und so bliebe alles beim alten, wobei die Indifferenz der Marktgescllschaft die immer schon vorausgesetzte Grundlage der Orientierungslosigkeit wäre.
      Die Gefahr der Inkommensurabilität und Austauschbarkeit der vielen heterogenen Partikularismen ist wohl einer der Gründe, weshalb der postmoderne Pluralist und Lyotard-Schüler Wolfgang Welsch alles unternimmt, um aus dem extremen Pluralismus postmoderner Philosophie herauszufinden und den Sturz in die Indifferenz zu vermeiden. Zu Dclcuzes und Guattaris Rhizom-Metapher bemerkt er: »Insofern stellt das rhizoma-tische Denken den gesuchten Denktypus dar, der die paradoxe Aufgabe erfüllt, Hcterogenität und Übergang, die anscheinend nicht zusammengedacht weiden können und doch zusammen-gedacht werden müssen, auch tatsächlich zusammenzubringen.«"' Wclschs Konzept der »transversalen Vernunft« könnte als ein großangelegter Versuch aufgefaßt werden, den postmodernen Pluralismus und Partikularismus durch partielle und das Singulare bewahrende Universalisierung gegen eine indifferente Hcterogenität abzugrenzen und zu retten. Von ihm soll nicht nur im vierten Abschnitt, sondern vor allem im letzten Kapitel die Rede sein. Statt eines transversalen Denkens im Sinne des Rhizoms wird dort eine dialogische Lösung vorgeschlagen und die Dialektik zwischen Besonderem und Allgemeinem auf diskursiver Ebene konkretisiert."
Die im folgenden vorgeschlagene Konstruktion der postmodernen philosophischen Problematik ist nicht so sehr als ein Ensemble von Einzeldarstellungen aufzufassen, sondern - wie schon der vorausgegangene soziologische Entwurf- als ein Versuch, Heterogenes zu strukturieren und gemeinsame Fragestellungen oder Tendenzen aufzuzeigen. Dies bedeutet, daß -for the heiter orfor llie worse - eher Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten als Gegensätze oder Widersprüche hervorgehoben werden.
      Wie alle Schemata ist diese Konstruktion leicht dekonstiuier-bar: indem man beispielsweise mit Hilfe von einschlägigen Selektionen und Aktantcnmodellen1" nachweist, daß die hier kommentierten Ansätze kaum etwas miteinander zu tun haben. Ein solcher Nachweis ist allerdings jenem unverbindlichen Partikularismus verpflichtet, der hier durchgehend kritisiert wird. Im Gegenzug zu solch dekonstruktivem Nominalismus soll dargetan werden, daß die gemeinsamen Elemente stärker ausgeprägt sind, als die heterogenen Hintergründe der einzelnen Ansätze vermuten lassen: Nicht das einzelne Werk soll dargestellt werden, sondern die poslmodcr-ne Problematik. Sie »gibt« es zwar nicht im Sinne eines naiven Realismus, ihre Konstruktion ist aber dennoch nicht willkürlich, zumal Nietzsches Genealogie immer wieder als ihr zentraler Bezugspunkt erscheint.

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