Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Moderne / postmoderne literatur
Der Titel deutet bereits an, daß sich die Problematik auf lileratur-wissenschalllicher Ebene verschiebt, weil hier nicht so sehr der Gegensatz zwischen Moderne und Poslmodcrne die Diskussion beherrsch
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» Modernismus und Postmoderne: Die literatur wissenschaftliche Debatte
» Postmoderne als Poststrukturalismus: Iterabilität, Aporie und Intertextualität

Postmoderne als Poststrukturalismus: Iterabilität, Aporie und Intertextualität



Wäre das Präfix »post« die einzige Gemeinsamkeit von Postmoderne und Poststrukturalismus, würde sich ein Kommentar erübrigen. Er ist deshalb sinnvoll, weil das Präfix in beiden Fällen andeutet, daß die Suche nach dem Sinn der Vergangenheil angehört. Während ein postmodemer Schriftsteller wie Werner Schwab sich von Musils aus der Ambivalenz hervorgehenden Frage nach dem wahren Leben ohne Nostalgie verabschiedet, erklären nach-strukturalistische Literaturtheoretiker wie Roland Barthes, Jacques Derrida oder Paul de Man die strukturalistische Suche nach Bedeutungen für illusorisch und schädlich: für eine logozentristische Unart, die sich nur deshalb am Leben erhält, weil sie weiterhinvon rationalistischen und hegelianischen Vorurteilen genährt wird. Es sind Vorurteile der Moderne, an denen der Modernismus als Selbstkritik der Moderne z.T. noch festhielt, denen aber die Postmoderne keinen Platz mehr einräumen will.
      Walter Benjamin läßt erkennen, wie sehr er sowohl der modernen als auch der modernistischen Fragestellung verpflichtet bleibt, wenn er in seinem Essay über den Erzähler Nikolai Lesskow bemerkt: »Der >Sinn des Lebens< ist in der Tat die Mitte, um welche sich der Roman bewegt.« Dieser Satz mag für Proust und noch für Sartre gelten, er gilt nicht mehr für Alain Robbe-Grillel, von dessen Romanen Roland Barthes sagt, daß sie die Dinge und die Menschen in ihrem »Da-Sein«, ihrem »etre lä«, darstellen, ohne Fragen nach ihrem Jenseils, ihrem Sinn aufzuwer-l'en."" Der späte Barthes, ein Nietzscheaner, der den begrifflichen Logos durch das Spiel und die spielerische Assoziation ersetzt, ist insofern ein Geistesverwandter des nouveau romancier als er strukturalistische Begriffe wie System, Bedeutung und Signifikat, die er in den strukluralistischen Phasen seiner Entwicklung gerne verwendetel suspendiert und statt dessen das offene, vieldeutige Zusammenspiel der Signifikanten erforscht. Er leistet dadurch einer Partikularisierungstendenz Vorschub, die für die gesamte Postmoderne charakteristisch ist und eng mit den Schlüsselbegriffen Pluralismus und Indifferenz zusammenhängt.
      Im folgenden soll gezeigt werden, wie in Barthes' und Dcrri-das signifiant, in Deiridas itenihilite bzw. differunce, in J. Hillis Millers repetilion und G.H. Hartmans Intertextualität der postmoderne Hang zu Partikularisierung und Pluralismus zum Ausdruck kommt und die strukturalistische Frage nach dem begrifflich faßbaren und allgemein erkennbaren Sinn ersetzt. Zugleich soll Paul de Mans und Hillis Millers Aporie-Bcgritl den Nexus von Partikularität, Pluralismus und Indifferenz erkennen lassen. In allen Fällen erscheint Nietzsche als der Philosoph, von dem der Anstoß zur Partikularisierung ausging.

Im Anschluß an Georges Bataille stellt Barthes fest, daß die Rhetorik eines Ignatius von Loyola anderen als logisch-begrifflichen Regeln gehorcht und schließt: »Seither haben immer wieder Schriftsteller, zum Beispiel Sade und Nietzsche, die Regeln intellektueller Darlegung verbrannt und übersprungen.« Ausgehend von Nietzsches These, daß die von Mctaphysikcrn inthronisierte Wahrheit lediglich das sie konstituierende »bewegliche Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismcn«' verdeckt, versucht Barthes immer wieder, einen Blick hinter die begrifflichen Kulissen zu werfen, um herauszufinden, was geschieht, wenn der Mensch darauf verzichtet, sich über die Einmaligkeit der Erscheinungen logozentristisch-identifizierend hinwegzusetzen; wenn er die beiden Behauptungen Nietzsches ernst nimmt: »Jeder Begriff entsteht durch Gleichsetzen des Nichtgleichen. Das Ãobersehen des Individuellen und Wirklichen gibt uns den Begriff .«I4h
Das Ergebnis ist - zumindest im literaturtheorelischen Bereich - eine drastische Aufwertung der Signifikanten und der gesamten Ausdrucksebene im Sinne von Hjelmslev"': Nicht seine Begrifflichkeit als eindeutige Aussage und Struktur von Signifikaten macht das Wesen des literarischen oder philosophischen Textes aus, sondern das Zusammenwirken seiner vieldeutigen Signifikanten, die in keiner begrifflich definierbaren, fixierbaren Struktur aufgehen. Von Balzacs Novelle Sarmsine heißt es in Barthes' S/Z: »Dieser Text ist eine Galaxie von Signifikanten und nicht Struktur von Signifikaten.«'4" Diese Aufwertung der Ausdrucks- oder Signifikantenebene bringt insofern eine radikale Partikularisierung mit sich, als die mit teilbare, verallgcmcincrungsfähigc und in andere Sprachen übersetzbare Begrifflichkeit des Textes schlicht negiert wird. Barthes geht nicht der Frage nach, die die Slruktura-listen von Jakobson bis Greimas beschäftigte14'', wie sich Signifikanten zu Signifikaten, Ausdrucksebene zur Inhaltsebene im Text verhalten, sondern erhebt den Signifikanten als phonetische und »sinnfreie« Einheit zur alleinigen Wahrheit-Nichtwahrheit des Textes.
      Es ist eine Nichtwahrheit, weil Barthes bewußt Adornos Frage nach dem Wahrheitsgehalt von Kunst und Literatur ausklammert: »Die Instanz des Textes ist nicht die Bedeutung, sondern der Signifikant in der semiotischen und psychoanalytischen Verwendung dieses Terminus .«l,m im Text fragt, im Gegensatz zum hegelianischen Strukturalistcn L. Goldmann, der meint, literarische Werke auf Totalitäten als Bedeutungsstrukturen und Weltanschauungen festlegen zu können1''2, möchte Barthes erfahren, aus welcher Vielheit ein Text besteht, »de quel pluriel il est fait«: »Dieses neue Vorgehen ist die Auslegung . Einen Text interpretieren heißt nicht, ihm einen Sinn geben, heißt vielmehr abschätzen, aus welchem Plündern er gebildet ist.«15' Im Gegensatz zu Greimas, der von der »Illusion des Text->reichtums< und der Vielzahl der möglichen Lektüren«1'' spricht, weil er meint, daß nur parziellc oder oberflächliche Analysen den Eindruck einer Textpluralität bestätigen können, insistiert Barthes auf der Pluralilät als dem konstituierenden Kernelement: »Das Werk besitzt gleichzeitig mehrere Bedeutungen, und zwar aufgrund seiner Struktur, nicht infolge eines Unvermögens derer, die es lesen.«1

   Hier wird deutlich, weshalb Manfred Frank den Poststrukturalismus als »Neostrukturalismus«1â"¢ bezeichnet: Weil Autoren wie Barthes nicht auf den Struklurbcgriff verzichten, sondern ihn durch die Ausrichtung auf den Signifikanten und die Hervorhebung der Bedeutungsvielfalt stark purtikularisieren und pluralixie-ren. In beiden Rillen verstärken sie Tendenzen, die zwar schon im Modernismus - etwa im New Criticism oder im russischen Formalismus - angelegt waren, innerhalb der postmodernen Problematik jedoch extreme Formen annehmen.
      Es kommt hinzu, daß Barthes, der in »Le Chain de la voix« von der »Wollust der Laut-Signifikanten der Sprache«15' spricht und in Le l'laisir du texte die erotischen Aspekte der Lektüre hervortreten läßt, nicht nur eine dionysische Ã"sthetik im Sinne von Nietzsche entfaltet, sondern auch das Körperliche im Sinne von Foucault anvisiert. »Der Text wird nicht mehr als körperloses Artefakt, als unabhängiges Gebilde von Zeichen präsentiert, sondern mit dem Körper verbunden«15*, kommentiert Ottmar Ette diesen Sachverhalt. Kurzum: Die Ausrichtung auf den sprachlichen und den menschlichen Körper trägt einerseits zu einer besseren Wahrnehmung von Einmaligkeit und Allerität bei, andererseits aber zu einer extremen Parlikularisierung von Sprach- und Tcxlbcgriff.
      Sie kommt besonders kraß bei Jacques Derrida zum Ausdruck, der als »Neostrukturalist« kaum mehr zu verstehen ist, weil sich bei ihm der semiotischc Strukturbegriff auflöst. Derridas Stellung zwischen Moderne und Postmoderne, von der im dritten Kapitel ausführlicher die Rede war, soll hier nicht mehr erörtert, sondern seine beiden Schlüsselbegriffc iterabilile und diffe-rance im strukturalistischen und lileraturwissensehaft-lichen Kontext kommentiert werden. Es wird gezeigt, daß Derrida Barthes' Betrachtungsweise radikalisiert, indem er mit Hilfe eines stark parlikularisierten Zeichenbegriffs die Struktur dekonstruiert, gleichsam gegen sich selbst wendet.
      Was bedeutet in diesem konkreten Fall Derridas allgemeine Strategie der Dekonstruktioiü Sie bedeutet zunächst, wie sich im dritten Kapitel gezeigt hat, eine systematische Subversion der europäischen Metaphysik im Anschluß an Nietzsche und Heidegger: vor allem eine Subversion des Wahrheitsbegriffs als Sinn-priisenz. Sie bedeutet konkreter: eine konsequente Zersetzung des semantischen Strukturbegriffs durch eine Ãoberpräzisierung - d.h. Parlikularisierung - der Kriterien, die die Konstitution des Struk-lurbegriffs ermöglichen.
      Um das Problem so anschaulich wie möglich darzustellen, sei nun mit Derridas Begriff der Iterabilität verglichen. Der Semioliker gehl von einem hermeneutischen Kohärenzpostulat aus, wenn er behauptet, daß verschiedene Textelemente gemeinsame semantische Merkmale aufweisen und daß es sinnvoll und lohnend ist, die Wiederholung oder Rekurrenz dieser Merkmale im Text zu untersuchen. Er nennt diese kohärenzbildenden, rekurrierenden Merkmale konlexlitelle Seme oder Klasseme und zeigt in zahlreichen Textanalysen - etwa in seinem Buch über Maupas-sants Kurzgeschichte Delix Amism -, wie durch Klassem-Re-kurrenz semantische Strukturen oder lsotopien Zustandekommen.
      Greimas' Schüler haben den Isotopicbegriff später systematisch auf Märchen, Gedichte und Prosatexte angewandt, um die kohärenzbildende Funktion der Ilerativität oder Klassem-Rckurrenz zu untersuchen. Francois Rastier hat anhand von Mallarmes Gedicht Salut eine »Systematik der lsotopien« konstruiert, um den hierarchischen Charakter der semantischen Strukturen zu illustrieren und um nachzuweisen, daß die Isotopie »Schrift« in diesem Gedicht die Dominante bildet."'"
Wie wichtig die Iterativität für den Isotopie-Begriff ist, läßt die Definition dieses Begriffs bei Grcimas und Court6s erkennen: » Wiederholtes Auftreten von Klasscmen auf einer syntagmati-schen Axe, die die Homogenität des Diskurses als Aussage gewährleistet« "'1. Die Iterativität als wiederholtes Auftreten von semantischen Merkmalen oder Klasscmen garantiert also in der slrukturalen Semiotik das Zustandekommen der Textkohärenz.
      Derridas post-strukturalistischer Angriff auf den Strukturalismus zielt auf dessen zentralen Begriff der Wiederholung oder Iterativität. Nicht in einer Auseinandersetzung mit Grcimas' strukturalcr Semiotik, die er nie unmittelbar kritisiert hat, sondern in einem Kommentar zu Austins Sprechakltheorie, der zahlreiche Kontroversen, vor allem mit John Searlc, ausgelöst hat, behauptet Derrida, daß Wiederholung eines Textelements die Textkohärenz, nicht stärkt, sondern zersetzt. Dadurch stellt er das Grundprinzip der strukturalcn Semiotik und der anglo-amerikanischen Sprechakttheorie in Trage, die in der Ansicht übereinstimmen, daß die Wiederholung eines Zeichens als Rekurrenz oder Iterativität kohärcnzbildcnd wirkt und den Sinn konstituiert, indem sie seine verschiedenen Aspekte hervortreten läßt.
      An diesen wesentlichen Gedanken heftet Derrida parasitär seine Kritik, indem er die semantische Wiederholung als llerabilität auffaßt: als ständige Abweichung von vorangegangenen Bedeutungen, d.h. als Sinnverschiebung und Sinnzerfall. In »Signatur, Ereignis, Kontext«, wo Austins Theorie der Sinnkonstitution zerlegt wird, spricht der Dekonstruktivist von »Einheiten von Iterierbarkeit« "'2, von »Einheiten, die von ihrem inneren oder

äußeren Kontext trennbar sind und von sich selbst trennbar sind, sofern die Iterierbarkeit selbst, die ihre Identität konstituiert, es ihnen nie gestattet, eine Idenlilätseinheit für sich zu sein.«"' In dieser Passage sind zwei Gedanken wesentlich: der paradoxe Gedanke, daß die iterabilite, die für die Sinn- und Identitätszer-störung verantwortlich ist, die Identität der Sinncinheiten bildet; der implizite nominalisti.sehe Gedanke, daß Wiederholung als llerabilität nicht die Verallgemeinerungsfähigkeit der rekurrierenden Bedeutungen und des Gcsamtsinncs steigert, sondern den Text immer mehr partikularisierl und plurali-siert, weil immer neue Abweichungen von der ersten Bedeutung hinzukommen.
      In einer Kritik am Thcmatologen Jean-Pierre Richard versucht Derrida zu zeigen, daß das Wort /;/;' in Mallarmes Dichtung trotz Wiederholung kein kohärentes Thema bildet, sondern stets neue und widersprüchliche Bedeutungen annimmt, die auf keinen gemeinsamen Nenner zu bringen sind."" Ãobrig bleibt schließlich nur das Partikulare: »Die unbestimmte Rüekvcrweisung eines Signifikanten auf einen Signifikanten«1"'' oder differance, von der im dritten Kapitel bereits die Rede war.
      Sie ist insofern ein Aspekt der llerabilität, als diese die Begrifflichkeit zersetzt und nichts übrig läßt als den offenen Ver-weisungszusammenhang von Signifikanten, den Barthcs als signi-fieuue bezeichnet. Wie Barthcs verfährt Derrida in seinen Beschreibungen der llerabilität nach Nietzsches Maxime: »Das Ãobersehen des Individuellen gibt uns den Begriff.« Die Poststruk-turalislen übersehen das Individuelle keineswegs - vielleicht aber den Begriff.
      Wie die Negation des Universellen und des Begriffs zugunsten des Individuellen und Partikularen in der Literaturtheorie aussieht, zeigt der amerikanische Dekonstruktivist J. Hillis Miller in zahlreichen Kommentaren zur amerikanischen Dichtung und zu englischen Romanen des 19. Jahrhunderts. Im Anschluß an Derrida und Deleuze geht er von der These aus, daß die Wiederholung von Zeichen oder Tcxtelementen den Textsinn zerfallen läßt, statt Kohärenz zu stiften.
      Wie der Nictzscheaner Gilles Deleuze unterscheidet er zwei Arten der Wiederholung: die platonische und die nietzscheanische. Während die platonische Wiederholung weitgehend mit Greimas' rationalistischem Prinzip der iteralivite übereinstimmt, weil die Reproduktion eines Zeichens oder Elements als getreue Kopie des Originals erscheint, ist die nietzscheanische Wiederholung ein radikaler Partikularismus: »Die andere, die nietzscheanische Art der Wiederholung geht von einer Welt aus, die auf der Differenz gründet. Jeder Gegenstand, besagt diese Theorie, ist einmalig und unterscheidet sich grundsätzlich von jedem anderen Gegenstand. Ã"hnlichkeit entsteht vor dem Hintergrund dieser nlisparitc du fondsimulacra SchoolcliildreN) und faßt es als Allegorie seiner eigenen Unlcsbarkeil auf. Die Fragen, die das Gedicht abschließen, sind nicht zu beantworten, sind unentscheidbar:
chcstniit-tree, great rooted hlossomcr, Are you (he leal, Ihe blossom or the hole? body swayed to inusic, O hrighlening glance, How call wc know the dancei" Moni Ihe dance?
De Man behauptet nun, daß diese Fragen sowohl rhetorisch als auch wörtlich gelesen werden können. Der Sinn ist unentscheidbar, aporetisch und das Gedicht, das de Man in seiner Gesamtheit nicht analysiert, unlesbar: »Die beiden Lektüren müssen sich in direkter Konfrontation aufeinander beziehen, denn die eine ist genau der Irrtum, der von der anderen denunziert wirdund von ihr aufgelöst werden muß. Wir können mit keinem Mittel eine gültige Entscheidung über die Priorität einer der beiden Lektüren über die andere herbeiführen; keine kann ohne die andere existieren.«' Die Indifferenz dieser Strategie der Aporie besteht darin, daß die beiden konträren Bedeutungen gleich wahr, gleich gültig sind und dadurch die Frage nach dem Wahrheitsgehall ad absurdum führen.
      De Man stört das nicht, weil ihm Theorie nicht als begrifflicher, erkenntnissuchender Diskurs erscheint, sondern als Literatur über Literatur, als Rhetorik: »Literatur und Literaturwissenschaft - die Differenz zwischen ihnen ist Trug - ist verurteilt , für immer die strengste und folglich am wenigsten verläßliche Sprache zu sein, in deren Begriffen der Mensch sich selber benennt und verwandelt.«" Der scheinbar paradoxe Ausdruck »die strengste und folglich am wenigsten verläßliche Sprache« ist keine leere Rhetorik, sondern meint die extreme Partikularisierung, die sowohl bei de Man als auch bei Derrida zu einer nominalistischcn Ãoberpräzisierung des sprachlichen Rasters führt. Da diese tendenziell zu einer Aufhebung der Begrifflichkeit in der Rhetorik führt, ist es nicht weiter verwunderlich, daß de Man und andere Dekonstruktivisten die von Adorno bewahrte Differenz zwischen Literatur und Theorie tilgen.
      Vor allem Geoffrey H. Hartman zögert nicht, Theorie in einem intertextuellen Experiment, das Derridas Glas nachempfunden ist, dem literarischen Diskurs anzugleichen. Er spricht von seinen »playful poctics«" und orientiert sich an Barlhes' nietzscheani-schem Spiel mit dem Text. »Is criticism finding its own style at last?«"s fragt er und nimmt sich vor, dem Criticism, der nicht mit Literaturwissenschaft verwechselt werden sollte, seine Kreativität wiederzugeben '76, die ihm in der Romantik eigen war, da der Kritiker als erweiterter Autor den kritisierten Text weiterschrieb. Diese mimetischc Angleichung ans Literarische ist - wie bei Barthes, Derrida und de Man - ein Aspekt der postmodernen Partiknlarisierung und ein Abrücken vom modernen und modernistischen Streben nach Begrifflichkeit, nach Verallgemeinerungsfähigkeit.
      Im Gegensatz zu »Modernisier!« wie Lukacs, Adorno oder Cjoldmann, die mit ihren wahrheitssuchenden Theorien die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft, eine bessere Zukunft verbanden, entfalten die Poststrukturalisten eine bald spielerische, bald tragische Rhetorik, in der die Suche nach Sinn und Wahrheit selbst als sinnlos, als unzeitgemäß erscheint. Sie fällt dem ambivalenten Nexus von Partikularismus, Pluralismus, Toleranz und Indifferenz zum Opfer, auf den auch Peter Tepe aufmerksam macht: »In dieser Hinsicht zeigt der radikale Pluralismus die Tendenz, in Indifferenz zu münden.«1"
Die Neigung der Poststrukturalisten zu Partiknlarisierung, unverbindlicher Pluralität und Indifferenz als Austauschbarkeit oder Gleich-Gültigkeil von Bedeutungen ist allerdings nicht aus den von ihnen kommentierten Texten Prousls, Rilkes, Dickens' oder George Bliols ableitbar; denn es ließe sich unschwer zeigen, daß diesen Autoren nichts wichtiger war als der »Sinn«. Sie ist am ehesten noch als eine Antwort auf die postmoderne Problematik zu verstehen, in der die Wertsel/.ungen, die die modernistische Suche nach Wahrheit und alternativem Leben ermöglichten, ihre Anziehungskraft einbüßen.

     
Literarische ist - wie bei Barthes, Derrida und de Man - ein Aspekt der postmodernen Partiknlarisierung und ein Abrücken vom modernen und modernistischen Streben nach Begrifflichkeit, nach Verallgemeinerungsfähigkeit.
      Im Gegensatz zu »Modernisier!« wie Lukacs, Adorno oder Cjoldmann, die mit ihren wahrheitssuchenden Theorien die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft, eine bessere Zukunft verbanden, entfalten die Poststrukturalisten eine bald spielerische, bald tragische Rhetorik, in der die Suche nach Sinn und Wahrheit selbst als sinnlos, als unzeitgemäß erscheint. Sie fällt dem ambivalenten Nexus von Partikularismus, Pluralismus, Toleranz und Indifferenz zum Opfer, auf den auch Peter Tepe aufmerksam macht: »In dieser Hinsicht zeigt der radikale Pluralismus die Tendenz, in Indifferenz zu münden.«1"
Die Neigung der Poststrukturalisten zu Partiknlarisierung, unverbindlicher Pluralität und Indifferenz als Austauschbarkeit oder Gleich-Gültigkeil von Bedeutungen ist allerdings nicht aus den von ihnen kommentierten Texten Prousls, Rilkes, Dickens' oder George Bliols ableitbar; denn es ließe sich unschwer zeigen, daß diesen Autoren nichts wichtiger war als der »Sinn«. Sie ist am ehesten noch als eine Antwort auf die postmoderne Problematik zu verstehen, in der die Wertsel/.ungen, die die modernistische Suche nach Wahrheit und alternativem Leben ermöglichten, ihre Anziehungskraft einbüßen.
     

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