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Modernismus und Postmoderne: Die literatur wissenschaftliche Debatte


Der Titel deutet bereits an, daß sich die Problematik auf lileratur-wissenschalllicher Ebene verschiebt, weil hier nicht so sehr der Gegensatz zwischen Moderne und

Poslmodcrne die Diskussion beherrscht, sondern der zwischen Modernismus und Postmoderne. Anders als die meisten Philosophen und Soziologen, die sich durch die Krise der Moderne als Modernisierung, Rationalisierung und Aufklärung herausgefordert fühlen, setzen sich Literaturwis-senschafller vorwiegend mit der Frage nach dem Verhältnis von Modernismus (als literarischer Spätmodernc: s. Kap. I) und Post-moderne auseinander. Sofern dieser literarische Modernismus als ein Rcl'lexivwerden und als Selbstkritik der Moderne in den Werken von James Joyce, D.H. Lawrence, Thomas Mann, Hermann Hesse, Franz Kafka, Luigi Pirandello oder Albert Camus aufgefaßt wird, kann er nicht der Moderne der Soziologen und Philosophen gleichgesetzt werden, die als Rationalisierungs- und Aufklärungsprozeß im 16. oder 17. Jahrhundert beginnt. Das ist auch das Hauptargument von Matei Calinescus Faces oj Modenü-ty, wo die ästhetische Moderne (»modernity as an aesthetie concept«)1 der Moderne als Rationalisierungsprozeß gegenübergestellt wird. Im Anschluß an diese Unterscheidung von Moderne und Modernismus (als spätmoderner Selbstkritik der Moderne) erscheint es in jeder Hinsicht konsequent, symmetrisch vorzugehen und im lileraturwissenschaftlichen Kontext von Postmodernismus zu sprechen. Dieser Terminus hat zwar den Vorteil, daß er spezifischer ist, weil er der besonderen Problematik der Literaturwissenschaft Rechnung trägt; er hat zugleich aber den Nachteil, daß er suggeriert, postmoderne Literatur und Literaturwissenschaft seien als Reaktionen auf die Moderne als Rationalisierung und Aufklärung nicht zu verstehen: sie seien ausschließlich im Gegensatz zum Modernismus zu betrachten. Eine solche Verkürzung der Perspektive führt unweigerlich dazu, daß wesentliche Aspekte postmoderner Literatur ausgeblendet werden: vor allem die Tatsache, daß sie die modernistische Kritik am Rationalismus, am Hegelianismus, am Vernunft- und Subjektbegriff weiterführt und radikalisierl. Prousts und Musils Rationalismuskritik, Camus' Kritik der metaphysischen metarecits und Pirandcllos extremer Konstruktivismus gehen in die postmoderne Schreibweise ein, die sich als radikal gewandelter Modernismus abermals gegen die Moderne richtet. Sie tut es, indem sie Nietzsches und Heideggers Kritik der Metaphysik (des Subjekts, der Begrifflichkeit, der Wahrheit), die bei Musil, Lawrence und Gide ins Fiktionale übergeht, auf die Spitze treibt. Deshalb wird hier weiterhin von Postmoderne und nicht von Postmodernismus die Rede sein; der Modernismus wird allerdings den Platz der Moderne einnehmen.


Konstruktionsversuche
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Postmoderne als Poststrukturalismus: Iterabilität, Aporie und Intertextualität
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