Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Moderne / postmoderne literatur
Die europäische Soziologie, die als eigenständige Wissenschaft in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Emile Durkheim, Max Weber, Alfred Weber, Ferdinand Tönnies,
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Feministische und ökofeministische Kritiken



Die feministischen Ansätze werden der soziologischen Zeitdiagnose nicht iiui' deshalb angeschlossen, weil sie sich mit den von Bauman, Touraine, Beck und Giddens behandelten Themen auseinandersetzen, sondern auch deshalb, weil sie wie die Soziologen von einer radikalen Kritik der Naturbcherrschung, des Rationalismus und der Aufklärung ausgehen. Dies unterscheidet sie von den meisten Marxisten, denen ein Abschied von der Industriegescll-schafl als Klassengesellschaft und der historischen Vernunft schwerfällt, Es wird sich zeigen, daß die Marxisten zwar mit den Feministinnen die Herrschaftsstrukturen kritisieren, zugleich jedoch gegen die Feminislinnen die historische Teleologie und den Anspruch der Vernunft auf universelle Geltung verteidigen.
      Trotz solcher Auseinandersetzungen, in denen Feminismus und Marxismus bisweilen als homogene Einheiten erscheinen, sollte die wachsende Heterogenität feministischer und marxistischer Standpunkte nie außer acht gelassen werden. Im folgenden soll deshalb einerseits die starke Partikularisicrungslendenz hervorgehoben weiden, die die meisten Varianten des Feminismus von marxistischen und soziologischen Theorien unterscheidet, andererseits das feministische Streben nach Solidarität und der ihr entsprechenden Verallgemeinerungsfahigke.il von Gesellschaftskritik. Es wird kaum jemanden überraschen, daß diese beiden Tendenzen - Partikularisierung einerseits und Vcrallgemeinerungsfähigkeit von Kritik andererseits - für die Widersprüche und Spannungen innerhalb der feministischen Theorien verantwortlich sind.
      Charakteristisch für viele feministische Diskurse ist einerseits eine Gesellschafts- und Zivilisationskritik im Sinne der Dialektik der Aufklärung, andererseits die postmoderne These, daß sich diese Kritik nicht primär gegen den Kapitalismus, sondern das männliche Herrschaftsprinzip richten sollte. In Franchise d'Eau-bonnes Feminismus oder Tod geht die Zivilisationskritik gleichsam von selbst in eine Kritik der Männerherrschaft über: »Die erste Verantwortliche ist die hyperurbanc und hyperinduslrialisier-te technologische Zivilisation, die in rasender, unaufhaltsamer Fahrt dem Profit nachjagt, wie das brennende Rad, das die Gallier die Hügel hinunterrolllen ließen; aber das taten sie, um durch Dunsthilze die Felder zu befruchten, während unsere technologische Kultur den nährenden Boden mit ihrem Rad versengt.«" Verursacht wird die nahende Katastrophe nicht so sehr durch Profit und Marktgesel/., sondern durch die jahrtausendealte Herrschaft des männlichen Geschlechts: »In der llmweltzerstörung und in der Ãobervölkerung prallen die Widersprüche des Kapitalismus hart aufeinander, wenngleich diese Probleme weit über den Rahmen des Kapitalismus hinausgehen und der Sozialismus sie ge-nausogul kennt, weil dort wie hier der Sexismus die herrschende Macht ist.«"
Sieht man sich diesen metapherngesegneten Diskurs genauer an, so stellt man nicht nur fest, daß er von mythischen Aktan-ten' wie »technologische Zivilisation« und »Sexismus« beherrscht wird, sondern daß ihm zugleich ein historischer Anspruch auf universelle Geltung innewohnt: Die treibende Kraft der technischen Zivilisation, die in unaufhaltsamem Fortschritt Natur und Menschheit zerstört, ist der herrschende Sexismus. Diesem mythischen Aklanlen werden hier anscheinend die von Weber und Durkhcim untersuchten Prozesse der Rationalisierung und Arbeitsteilung zusammen mit Marxens Prinzip der Klassenherrschaft subsumiert. Nicht diese ideologie- und diskurs-krilische Erkenntnis soll hier jedoch im Mittelpunkt stehen, sondern der rationalistische Anspruch dieser Rhetorik, die gegenwärtigen Verhältnisse monokausal und universalistisch aus dem Sexismus ableiten zu können.
      Gerade dieser Anspruch wird nämlich von Feministinnen zurückgewiesen, die die cssentialistischen und universalistischen Konzepte »traditioneller« philosophischer Theorien in Frage stellen, weil diese Konzepte männliche Vorstellungen und Erkenntnisinteressen stillschweigend in verallgemeinerungsfähige Konstanten verwandeln.
      Nancy Fräser und Linda Nicholson distanzieren sich zunächst von I.yotards postmoderner Ablehnung aller verallgemeinerungs-fähigen Theoreme und Begriffe , wenn sie für eine theoretisch fundierte Gesellschaftskritik plädieren. Eine wirksame Kritik männlicher Herrschaft, erklären sie, mache »ein breites Spektrum von Methoden und theoretischen Gattungen« erforderlich und »setze zumindest umfassende narrative Darstellungen der Veränderungen von sozialen Organisationen und Ideologien«' voraus. Dennoch streben sie eine Gesellschaftskritik ohne philosophische Fundierung an " und stellen sich einen postmodernen Feminismus vor, der dem rationalistischen, hegelianischen und marxistischen Universalismus absagt: »Im übrigen wäre eine postmodem-feministische Theorie nicht-universalistisch. Sollte ihre Betrachtungsweise kultur- oder epochenübergreifend sein, so wäre sie eher komparatistisch als universalistisch und eher an Veränderungen und Kontrasten interessiert als an allgemeinen Gesctzen

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