Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Moderne / postmoderne literatur
Sollten die Skeptiker recht behalten, dann befaßt sich dieses Buch mit einem nichtvorhandenen Objekt, einem proton pseudos, das zu kommentieren sich nicht lohnt. In regelmäßigen Absländen werden nämli
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Moderne, Modernismus und Postmoderne als Problematiken



Daß die zeitliche Dimension von Moderne und Postmoderne nicht schlicht unterschlagen werden kann, nur weil Lyotard behauptet, die Postmoderne sei keine neue Epoche41, liegt auf der Hand. Denn vor allem in der Geschichtswissenschaft und in der Soziologie bezeichnen diese Begriffe soziale und kulturelle Entwicklungen, Verschiebungen, Verwerfungen und Brüche. Zugleich ist es problematisch, die Postmoderne als eine völlig neue Zeit aufzufassen, die die Spätmoderne oder den Modernismus ablöst. Auch in unserer Zeit wirken vormoderne, moderne, modernistische und postmoderne Strömungen in Politik, Wissenschaft und Kunst zusammen, so daß es unmöglich ist, von einer rein postmodernen Zeit seit 1950 oder 1960 zu sprechen. Angesichts dieser globalen Ambivalenz kann die Postmoderne sowohl als Bruch mit der Moderne als auch als deren Fortsetzungmit neuen Mitteln konstruiert werden. Diesen Gedanken formuliert Dietmar Kamper ganz zu Recht als Einheil der Gegensätze: »Die beiden kontradiktorischen Thesen: die Postmoderne ist eine radi-kalisierte Moderne, die sich im Entscheidenden treu bleibt; die Postmoderne isl ein Verrat am Entscheidenden der Moderne, treffen also beide zu.«4' Wesentlich ist, daß »Treue« und »Verrat« nicht dahingehend interpretiert werden, daß es zu einer Ideologisierung der beiden Schliisselbegriffe kommt, die zur Folge hätte, daß Moderne und Postmodernc letztlich als mythische Aktanlen gegeneinander ausgespielt würden."
Dies geschieht, wenn beispielsweise Stephen Crook die »radikalen Prätentionen der Postmodernc« pauschal mit dem Nihilismus assoziiert und sich auf Redewendungen einläßt wie »postmodernism at-templs«4S, »postmodernism regards«"', »poslmodernism requi-res«" und »modernism requires«'*, die Modernismus und Postmoderne zu Kontrahenten in einer Auseinandersetzung auf Leben und Tod werden lassen. Sie werden zu einander ausschließenden Ideologien, deren Ringen um die Wahrheit auch Linda Hutchcon inszeniert, wenn sie von »the obscurity and hermeticism of modernism«4'' spricht und behatipet, »postmodernism challenges some aspects of modernist dogma«su, wobei die literarische Moderne bedenkenlos mit Hermetismus und elitärer Gesinnung identifiziert wird - so als hätte es Auden, Brecht und Camus nie gegeben.
     
Moderne, Modernismus und Postmoderne sind jedoch als Ideologien, Weltanschauungen oder rivalisierende Ã"sthetiken kaum zu verstehen. Sie sind eher als gesellschaftliche und historische Problematiken aufzufassen: als sozio-linguislische Situationen, in denen bestimmte Antworten auf bestimmte Fragen gesucht weiden, wobei Fragestellungen, die in einer besonderen Situation noch sinnvoll erschienen, im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen standen und eine Antwort erheischten, in einer späteren Problematik an die Peripherie des intellektuellen Geschehens gedrängt werden oder gar in Vergessenheit geraten.
      So erregt beispielsweise die Frage nach der Identität, Entscheidungsfreiheit und Verantwortung des Individuums, die im Brennpunkt existentialistischer Betrachtungen der Zwischenkriegszeit und Nachkriegszeit stand, kaum noch die Gemüter. Sie wird von den Vertretern des Nouveau Roman achtlos beiseite geschoben. Die verwandle marxistische Frage nach der Beziehung von Taktik und Ethik, die nicht nur Lukacs beunruhigte, findet aus naheliegenden Gründen kaum noch Beachtung.'' So manchen engagierten Intellektuellen mag die Tatsache, daß die stereotype Frage der 60er Jahre: Wie viele Arbeiterkinder studieren an dieser Universität? im Zeilaller des Feminismus selten zu hören ist, melancholisch stimmen. Aber der Weltgeist ist eben nicht zimperlich.
      Nicht er, sondern die Entstehung neuer Berufsgruppen, Bewegungen und politischer Eliten" ist für die Verlagerung der Gewichte innerhalb einer Problematik und für deren allmähliche, kaum wahrnehmbare Ablösung durch eine neue Problematik verantwortlich. Während dieser Ablösung, die alles andere als eine Mutation und zeitlich schwer begrenzbar ist, kommen neue Fragen auf und erheischen neue Antworten. Während der Modernismus als Spätmoderne z.B. die Frage nach dem Subjekt und dessen Identität von der Romantik und dem Realismus erbte , wird diese Frage in der Postmoderne zu einer Randerscheinung; sieiwird - zumindest tendenziell - von der Frage nach der Wirklichkeit als Umwelt abgelöst.
      Frage und Antwort sind nicht konkret zu bestimmen, solange sie nicht im Rahmen einer sozio-linguistischen Situation mit bestimmten Soziolekten oder Gruppensprachensl verknüpft werden, aus denen sie hervorgehen. Während elwa die moderne Präge nach dem politischen Engagement des Intellektuellen nicht unabhängig von existcntialistischen und marxistischen Soziolekten und Diskursen der Zwischen- und Nachkriegszeit zu verstehen ist, in denen sie gestellt wurde, sind die eher postmodernen Fragen nach der Risikoverteilung innerhalb der Gesellschaft oder nach der männlichen oder weiblichen Beschaffenheit der Sprache in den Soziolekten und Diskursen pazifistischer, ökologischer und feministischer Gruppen beheimatet. Daß sich solche Gruppen nicht lange bei der Frage nach der religiösen, politischen oder ästhetischen Identität und Verantwortung männlicher Individuen aufhallen, liegt auf der Hand. Sie denken in einer anderen Problematik, die nicht nur aus gesellschaftlichen Verschiebungen, sondern auch aus neuen wirtschaftlichen, technologischen und wissenschaftlichen Entwicklungen hervorgeht.
      Freilich ist auch die hier vorgeschlagene Konstruktion von Moderne, Modernismus und Postmoderne integraler Bestandteil dieser Problematik und zugleich ein Versuch, auf deren Fragen zu antworten. Mit anderen Worten: Sie gehört der sozio-linguistischen Situation an, die sie beschreiben soll. Die gewissenhaften Skeptiker, die an dieser Stelle zu einer Verschiebung des Vorhabens raten, weil sie sich mehr historische Distanz wünschen, können mit dem Hinweis auf vergangene Zeiten beruhigt werden, deren Darstellung ebenso problematisch zu sein scheint wie die von Moderne und Postmodernc. So entrüstet sich beispielsweise Anfang der 70er Jahre der Komparatist Ulrich Weisstein über Paul Van Ticghems Versuch, Villon und Rabelais dem Mittelalter, Montaigne und die Pleiade-Dichter hingegen der Renaissance zuzurechnen, die bei Van Ticghcm ganze 40 Jahre währt, während sie sieh bei Weisstein über drei Jahrhunderte erstreckt: vom 14. bis ins 16. Jahrhundert.*
Die Ãoberlegung, daß die hier genannten Problematiken nur im Rahmen der zeitgenössischen sozio-linguistischen Situation konstruiert weiden können, mündet in die Frage nach dem Standort des Diskurssubjekts oder des für die Konstruktion verantwortlichen Autors. Hr geht zwar von der Kritischen Theorie der Nachkriegszeit, also von einer vorwiegend spätmodernen oder modernistischen Theorie aus, die die Moderne kritisch reflektiert, versucht aber, diese Theorie durch eine soziosemiotische und dialogische Auflassung der Kultur- und Wcrtproblematik zu ergänzen und weiterzuentwickeln. Folglich gehl es auch darum, den Soziolekl der Kritischen Theorie in der gegenwärtigen sprachlichen Situation neu zu bestimmen und ihn zur poslmodernen Problematik in Beziehung zu setzen.
Nicht zu Unrecht war im Laufe der Diskussion von postmodernen Perspektiven bei Walter Benjamin und Theodor W. Adorno die Rede", und die beiden amerikanischen Autoren Steven Best und Douglas Kellner sprechen sogar von »Adorno's proto-postmodern theory«.5'' Nun kann Adorno sicherlich nicht einfach der postmodernen Problematik zugeschlagen werden - und das ist auch nicht die Absicht von Best und Kellner -, aber die postmodernen Aspekte seiner Theorie sollten verhindern, daß es im folgenden zu einer dualistischen Darstellung kommt, in der die beiden Tenne »Moderne« und »Poslnioderne« als »Held« und »Antiheld« ideologisiert werden.
      Wie können nun Moderne, Modernismus und Postmoderne als Kultur- und Wertproblematiken konstruiert werden? Zunächst erscheint es wichtig, darauf hinzuweisen, daß die Moderne als

Neuzeit und die Postmoderne als Nachkriegszeit verschiedenen Größenordnungen angehören. Denn die Moderne, die zahlreiche Soziologen und Philosophen, wie sich zeigen wird, recht pauschal mit Aufklärung und Rationalismus identifizieren, ist zu lang und zu heterogen, um mit der Post moderne kontrastiv verglichen werden zu können. Dies ist der Grund, weshalb im folgenden - insbesondere aber im vierten und fünften Kapitel -vor allem der Modernismus als Spätmoderne mit der postmodernen Problematik konfrontiert wird.
      In den nächsten beiden Kapiteln wird allerdings die Moderne als Neuzeit und Aufklärung mitberücksichtigt, weil Autoren wie Bauman, Touraine, Giddens, Lyotard und Habermas sie so auffassen - und der Last des akkumulierten Wissens wird sich niemand leichtfertig entledigen wollen. Es geht hier jedoch nicht nur um die Last einer fragwürdigen Konstruktion , sondern auch um die vertretbare These, daß die poslnioderne Problematik in ihren Fragestellungen möglicherweise mit der gesamten »aufgeklärten Moderne« von Francis Bacon bis zur Dialektik der Aufklärung , in der die moderne Vernunft durch Selbstkritik gerettet werden sollte, bricht.
      Auf der Lbene der kulturellen Werte, die zugleich sprachliche Werte oder »Worlwertc« sind, erscheinen Moderne, Modernismus und Postmoderne als Konstellationen'", die von drei zentralen Problemen strukturiert werden, auf die sich ihre politischen, psychologischen, philosophischen und ästhetisch-literarischen Fragen und Antworten beziehen: die Ambiguität, die Ambivalenz. und die Indifferenz.
      Damit ist, vorerst etwas verkürzt ausgedrückt, folgendes gemeint: Für die Philosophie und die Literatur des 18. und des frühen 19. Jahrhunderts ist eine Ambiguität charakteristisch, die in der Erkenntnistheorie, der philosophischen Psychologie und dem literarischen Erzählerkommentar aufgelöst werden kann, so daß der Gegensatz zwischen Sein und Schein, Wahr und Falsch, Gut und Böse usw. wiederhergestellt wird. Die Wirklichkeit erscheint trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse erkennbar und beherrschbar. In der Literatur haben Schriftsteller wie Jane Allsten, Balzac, Guidos und Gottfried Keller immer von neuem die Auflösung des Scheins in der Eindeutigkeit, im Wesen inszeniert.
Ihre oft disparaten Anliegen und Bestrebungen werden von Hegel in seinen Vorlesungen über die Ã"sthetik zur Synthese gebracht, wo die Kunst mit der Auflösung des Scheins, der Ãoberwindung der Ambiguitat als Widerspruch und der sinnlichen Darstellung der Wahrheit beauftragt wird: »Den Schein und die Täuschung dieser schlechten, vergänglichen Well nimmt die Kunst von jenem wahrhaften Gehalt der Erscheinungen fort und gibt ihnen eine höhere, geistgeborene Wirklichkeil. Weit entfernt also, bioller Schein zu sein, isl den Erscheinungen der Kunst der gewöhnlichen Wirklichkeit gegenüber die höhere Realität und das wahrhaftigere Dasein zuzuschreiben.«â"¢ Ein letztes Mal kommt hier in einer »Ideologie der Ãoberlegenheit der Vernunft«'''', wie Zygmunt Bauman sagt, die Zuversicht der Moderne zum Ausdruck, Täuschung, Irrationalität und Unordnung bändigen zu können. Hegels Einheit der Gegensätze ist als Ãoberwindung der Ambiguitat in der Synthese höherer Erkenntnis zu denken.
      Diese Zuversicht erweist sich im Modernismus der Spätmoderne als illusorisch, und die Krise des literarischen Realismus sowie der Zerfall des Hegeischen Systems bei den Junghegelianern läuten eine Ã"ra der Ambivalenz, ein, die als Einheit der Gegensätze in keiner Synthese aufgeht, d. h. unaufhebbar bleibt. Gut und Böse, Wahr und Ealsch, Sein und Schein sind unentwirrbar miteinander verwoben, ohne daß es möglich wäre, den Schein im Sein aufzulösen und die Ambivalenz aufzuheben.
      Der Denker der Ambivalenz und spätmoderner Herausforderer Hegels ist Friedrich Nietzsche, dessen Rezeption in der Psychoanalyse und in den Romanen Musils, Svevos, Prousts, Hesses, D. H. Lawrences und Gides kein Zufallist, sondern von einer fundamentalen typologischen Affinität zeugt: »Gesaml-Einsicht: der zweideutige Charakter umver modernen Welt - eben dieselben Symptome könnten auf Niedergang und auf Stärke deuten.«'' Nietzsches Philosophie und Kafkas Romane erteilen sowohl dem Rationalismus als auch dem Hegelianismus eine Absage, indem sie uns stets von neuem die Unauflösbarkeit des Scheins und den unzeitgemäßen Charakter des Wahrheitsbegriffs vor Augen führen. Im Gegensalz zu Hegel definiert Nietzsche - darin seiner Erkenntnistheorie treu - die Kunst »als den guten Willen zum Scheine«'' und verabschiedet sich von der metaphysischen Wescnssuche.
      Die postmoderne Problematik nimmt Nietzsche insofern vorweg, als er die Möglichkeit ins Auge faßt, daß die Ambivalenz als Einheit der Gegensätze, als Einheit unvereinbarer Werte wie Gut und Böse, Wahrheit und Lüge, in die Indifferenz als Austauschbarkeil der Werte ausmündet. »Es wäre sogar noch möglich«, erklärt er in Jenseits von Gut und Böse, »daß was den Wert jener gulen und verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein.« M Wenn sich aber herausstellt, daß es die scheinbar entgegengesetzten Werte gar nicht gibt, weil sie in »Wahrheil« wesensgleich sind, dann bricht die Zeil der Indifferenz, der Austauschbarkeit aller Werte, an: Gut und Böse, Wahrheit und Lüge, Liebe und Hall sind kaum noch zu unterscheiden.
      Komplementär zu Nietzsches Kritik des metaphysischen Gegensalzes und der metaphysischen Wahrheit verhält sich die Darstellung der Werleproblematik beim jungen Marx. Auch er nimmt die Austauschbarkeit oder Indifferenz der Werte vorweg, wenn er schreibt: »Da das Geld, als der existierende und sichbestätigende Begriff des Wertes, alle Dinge verwechselt, vertauscht, so ist es die allgemeine Verwechslung und Vertauschung aller Dinge, also die verkehrte Welt, die Verwechslung und Vertauschung aller natürlichen und menschlichen Qualitäten. - Wer die Tapferkeit kaufen kann, der ist tapfer, wenn er auch feig ist. Es ist die Verbrüderung der Unmöglichkeiten, es zwingt das sich Widersprechende zum Kuß.«'''
Im Anschluß an diese Ãoberlegungen wird hier der Ãobergang von der Spätmoderne zur Poslmoderne und von der Ambivalenz zur Indifferenz - ebenso wie der Ãobergang von der Ambiguität zur Ambivalenz - mit der immer intensiver werdenden Vermittlung durch den Tauschwert, der sie begleitenden sozialen Differenzierung und der ideologischen Polarisierung erklärt. Die neuen Richtungen des postmodernen Denkens und der postmodernen Literatur sprechen offen aus, was unterschwellig schon bei Nietzsche und Marx anklingt: daß es in der spätmodernen Wirlschafls-gcsellschafl keinen kulturellen Wert gibt, der es mit dem alle kulturellen Werte negierenden Tauschwert aufnehmen könnte, aus dem die Indifferenz als Austauschbarkeit der Werte hervorgeht.
      Die Postmoderne, wie sie im folgenden dargestellt wird, ist die Ã"ra der Indifferenz: der austauschbaren Individuen, Beziehungen, Wertsetzungen und Ideologien. Damit soll nicht suggeriert werden, daß es in der postmodernen Marktgesellschaft keine moralischen, ästhetischen oder religiösen Werte gibt, sondern daß diejenigen, die in ihrem Namen agieren, es im Rahmen der herrschenden Tauschwertproblematik tun.
      Schließlich sei auf den in diesem Buch zentralen Nexus von Indifferenz., Pluralisierung, Partikularisierung und ideologischer Reaktion hingewiesen. Wo moralische, ästhetische und politische Werte, ja ganze Ideologien als austauschbar erscheinen, wird ihr Anspruch auf Allgemeingültigkeit und Verallgemeinerungsfähigkcit radikal in Frage gestellt: Es gibt keine christliche, liberale, sozialistische oder nationale Wertsetzung mehr, die unumstritten und konsensfähig wäre. Die Tendenz zur Partikularisierung sowie zum philo-sophischen, politischen und kulturellen Pluralismus wird daher zu einem der augenfälligsten Merkmale der postmodernen Problematik. Ideologische Reaktionen auf Indifferenz und Pluralismus sind innerhalb dieser Problematik jedoch stets möglich, ja wahrscheinlich.
Um zu vermeiden, daß die hier vorgeschlagene Objektkonstruktion, die den Ãobergang von der Moderne zur Spälmoderne und zur Postmoderne als einen Ãobergang von der Ambiguität zur Ambivalenz und von dieser zur Indifferenz darstellt, mimelisch mit der Wirklichkeit verwechselt wird, soll sie abschließend kritisch zerlegt werden. Zunächst fällt auf, daß sie auf bestimmten Relevanzkriterien und Klassifikationen gründet, die vor allem die Wcrtproblemalik betreffen und bewirken, daß auf semantischer Ebene nach dem Dualismus der feudalen ZeilhS Ambiguität, Ambivalenz uu Indifferenz unterschieden werden. Sodann fällt die narrative Struktur dieser Konstruktion auf, in der mindestens drei Schichten einander überlagern: Die Entwicklung »von der Moderne und Spätmoderne zur Postmoderne« wird im Zusammenhang mit der parallel verlaufenden Entwicklung »von der Ambiguität zur Ambivalenz, von der Ambivalenz zur Indifferenz« erklärt und diese wiederum vor dem Hintergrund der wichtigsten Enlwicklungsphasen der kapitalistischen und spatkapitalistisch.cn Gesellschaft verstanden.
      Wer wie Lyotard von einer postmodernen Skepsis allen metaphysischen Melaerzählungen gegenüber durchdrungen ist und mit Musil glaubt, wir sollten uns nichts mehr erzählen lassen, wird dazu neigen, auch diese mehrschichtige Erzählung mit Skepsis zu betrachten. Dem Autor kann das nur recht sein, weil er nicht darauf aus ist, ideologisch zu überzeugen, d. h. seinen Diskurs und seine Konstruktionen der Wirklichkeit gleichzusetzen, sondern sie in einem offenen Dialog prüfen zu lassen . Der Skeptiker sollte außerdem bedenken, daß auch Lyotard in einem verführerischen inetarecit die Geschichte von Moderne und Postmoderne erzählt und daß sogar Musil uns erzählt, weshalb das Erzählen nicht mehr möglich ist. Es kommt nicht darauf an, die narrativc Struktur theoretischer Diskurse, die Greimas und andere Semiotiker so gründlich untersucht haben, zu leugnen, sondern darauf, die erzählende Theorie als einen heuristischen Entwurf im konstruktivistischen Sinne zu verstehen.
     

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