Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Lyrik des 20. jahrhunderts (1900-1945)

Index
» Lyrik des 20. jahrhunderts (1900-1945)
» Dada-Avantgarde zwischen Weltkrieg und Revolution. 1916-1920
» Dada Berlin und MERZ-Dichtung

Dada Berlin und MERZ-Dichtung



Die Internationalität der dadaistischen Bewegung sorgte bald dafür, dass weitere bzw. neue Zentren des Dadaismus in Europa entstanden. Von Zürich aus gingen einige Dadaisten nach Berlin und sorgten dafür, dass die Metropole des im Untergang begriffenen Wilhelminismus zu einer der politisch agilsten Dada-Zentralen zwischen 1917 und 1920 in Europa wurde. Der Destruktionsimpuls richtete sich literarisch-künstlerisch gegen den noch dominierenden Expressionismus sowie politisch und kulturell gegen die Reste des monarchistischen Staatsapparates und seine sozialdemokratischen Erben. Alle Gegner boten gute Gelegenheit zu Spott, Hohn und Polemik. Die dadaistische Aktion mit ihren Protagonisten Huelsenbeck, Hausmann, Johannes Baader, George Grosz und Walter Mehring startete im Bewusstsein der Wirkungslosigkeit des dichterischen Wortes: Mit Versen läßt sich keine Welt erobern. Dieses Credo schloss eine vehemente Ablehnung der Berliner Expressionisten ein. Eine Waffe der Auseinandersetzung wurde der Habitus. Das provozierend aristokratische, elegante Auftreten zielte auf den Sozialrevolutionär-proletarischen Expressionisten-Look. Gerade weil im aufgeheizten politischen Klima jede Form der Provokation eine enorme Wirkung hatte, boten sich viele Möglichkeiten, in der Ã-ffentlichkeit der Metropole zu agieren. Wiederum wurden Vorträge, Dada-Abende, Rezitationen, Ausstellungen, Auftritte in Galerien und Sälen veranstaltet, aber auch auf der Straße und nicht zuletzt im Berliner Dom.
      Huelsenbecks Losung Die Dinge müssen sich stoßen galt allen Gegnern - und das waren alle Nicht-Dadaisten. Dadaistische Aktionen nahmen keine Partei im ideologischen Wettstreit und in den politisch erbittert geführten Debatten, vor allem nach der Novemberrevolution, son-dem spielten, übertrieben und pointiert zugleich, den Kampf nach, um ihn in seiner Struktur zu treffen. Dada, so Huelsenbeck, sieht instinktmäßig seinen Beruf darin, den Deutschen ihre Kulturideologie zusammenzuschlagen. Es sei aus der Frage: Was ist die deutsche Kultur? die Konsequenz gezogen worden [...], nun mit allen Mitteln der Satire, des Bluffs, der Ironie, am Ende auch mit Gewalt gegen diese Kultur vorzugehen. Hinter dieser Attacke stand das Ziel, vor dem Hintergrund des Weltkrieges die Ideologie und Phraseologie kollektiver Sinn-Systeme und deren Versprechungen und Illusionen aufzudecken. Der dadaistische Destruktionsimpuls erhielt eine radikale ideologiekritische Intention; seine Mittel aber waren Ironie und Bluff. Hausmann schrieb:
Dada, das ist der Bluff. Nun, die Menschen sind Sensationstiere, die das gruseln nicht erst zu lernen brauchen; der dadaistische Mensch überspringt im Bluff seine eigene Sensationsgier und Schwere. Der Bluff ist kein ethisches Prinzip, sondern praktische Selbstentgiftung; da Dada und Bluff gleichzusetzen sind, so ist der Bluff Wahrheit - denn Dada ist die exakte Wahrheit. Demnach ist Dada eher ein Lebenszustand, mehr eine Form der inneren Beweglichkeit als eine Kunstrichtung.1

   Diese Kunst einer militanten Ironie hatte kein Interesse an beschaulicher Poesie und auch nicht an appellativem >0-Mensch-Pathos

 Tags:
Dada  Berlin  MERZ-Dichtung    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com