Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literaturwissenschaft und systemtheorie

Index
» Literaturwissenschaft und systemtheorie
» Stabilität und Entgrenzung von Wirklichkeiten - Peter M. Spangenberg
» Systemtheoretische Überlegungen zu Funktion und Leistung der Massenmedien

Systemtheoretische Überlegungen zu Funktion und Leistung der Massenmedien



Imaginez-vous dans le röle d'Hercule se col-letant avec l'Hydre de Lerne dan.s une purie de pois qui ferail ressembler le Ugendaire smog londonien ä un volle de brume, et vous aurez une idie de la difficuUe" ä concrttiser lade de commumcalion! Olivier, ct. al. S. 105.


      Im Gegensatz zu der rapide steigenden Forschungsliteratur zu Phänomenen der Massenkommunikation und der Massenmedien wird dieser Bereich in der soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns nur am Rande und mit deutlicher Distanz thematisiert. Dies erklärt sich daraus, daß die Systemtheorie von ganz anderen Vorgaben ausgeht und eine völlig andere Begrifflichkeil als die Masscnkommunikaiionsforschung verwendet. Termini wie: Medium und Kommunikationsmedien werden systemtheoretisch in sehr spezifischen Beschreibungskontexten eingeführt, und da die Gesellschaft als die Summe aller anschließbaren Kommunikationen definiert ist, machen Bezeichnungen wie Kommunikations- oder Informationsgesellschaft, die sogar schon als Charakteristikum und namengebendes Identitätskonzept des gegenwärtigen Gesell-schaftstyps vorgeschlagen werden , in der Systemtheorie keinen Sinn. Weil jedoch Kommunikation als basale Sclbstreferenz der Gesellschaft angesehen wird, auf der die Operationen ihrer autopoietischen


Selbstorganisation aufbaut, betont auch die Systemtheorie die zentrale Bedeutung von Kommunikationsmitteln für die Evolution der Eigendynamik der Gesellschaft .
      Die größte Aufmerksamkeit findet dabei der kommunikative Gebrauch der Schrift, die als irreversible evolutionäre Errungenschaft dazu führt, über räumliche und zeitliche Distanzen und ohne die Anwesenheit von Interaktionspartnern Kommunikation aufrechtzuerhalten. Die Evolution der gesellschaftlichen Binnenkomplexität steigt durch diese interaktionsfreie Kommunikation rapide an. Zur vollen Entfaltung gelangen die Möglichkeiten der Schrift erst durch die allgemeine und kommerzielle Verbreitung des Buchdrucks , die Alphabetisierung und die Möglichkeil, in vielen Interaktions- und Kommunikationssituationen gedrucktes Wissen als bekannt vorauszusetzen. Ein Kernbereich von Themen und Beiträgen, kommuniziert und gespeichert durch das Kommunikationsmittel Schrift, bildet in der modernen Gesellschaft jene bedeutsame Semantik , die zum kollektiven Gedächtnis4, zur personenüber-greifenden Kultur der Gesellschaft gehört. Die weit fortgeschrittene Ausdifferenzierung funktionaler Teilsysteme in der modernen Gesellschaft ist ebenfalls ohne die Nutzung von schriftlicher Kommunikation nicht denkbar. Schriftlich gespeichertes und tradiertes Wissen wird deshalb auch als ein wichtiger Indikator genutzt, um die Veränderungen der Gesellschaftsstruktur anhand der Evolution der langfristig folgenreichen Semantik zu analysieren5.
      Gleich unter zwei zentralen Gesichtspunkten, nämlich der Differenzierung der Gesellschaft in Funktionssysteme und auch unter dem Aspekt der bedeutsamen, weil evolutionär folgenreichen Semantik, fällt Massenkommunikation gewissermaßen durch das Analyseraster der Systemtheorie. Die Leistungen der Massenkommunikation sind weder auf funktionale Teilsysteme noch auf bedeutsame Semantik zuzurechnen. Die Beschreibung von massenmedialer Kommunikation soll deshalb aus einer anderen, doppelten Perspektive erfolgen. Zum einen wird versucht werden, einige der produktiven Beobachtungsunterscheidungen der Systemtheorie für die Analyse der Massenkommunikation nutzbar zu machen, und zum anderen sollen relevante Fragestellungen und Interessen der Medienforschung mit den Mitteln der Systemtheorie reformuliert werden. Allgemeines Ziel dieser Reformulierung ist, die Ausrichtung unserer Beobachtungen von Einheit auf Differenz umzustellen.

     
Für die erste Beobachtungsperspektive werden wir uns auf jene Vorarbeiten der Systemtheorie stützen, die sich mit modernen Kommunikationsmitteln -Print- und audiovisuelle Medien - unter dem Funktionsaspekt beschäftigen. Diese Beobachtungen sind medienübergreifend angelegt, so daß - ob intendiert oder nicht -der Eindruck der Funktionsäquivalenz von massenmedial vermittelter Kommunikation entsteht. Für die Medienforschung sind diese Arbeiten interessant, weil dort eine von der Massenkommunikalionsforschung stets als unproblematisch vorausgesetzte Leistung, die Verbreitung von aktueller Berichterstattung, neu perspektiviert wird. Statt der 'Übertragung' von aktueller Kommunikation, von der die Medienforschung in Anlehnung an das nachrichtentechnische Konzept des signalprocessing ausgeht6, beobachtet die Systemtheorie die Selbstorganisation einer Kommunikationsstruklur. Nicht die Frage, was ausgewählt wird, sondern wie dies geschieht, rückt damit ins Zentrum der Untersuchung. Die Blickrichtung wechselt somit von der Abbildung und Übertragung zur Codierung von Aktualität.
      Die uns interessierenden Beschreibungsprobleme der Massenmedienforschung, für die eine systemtheoretischc Reformulierung gesucht wird, betreffen die Differenzqualität der massenmedialen Kommunikation. Ihre Identität soll sowohl im internen Vergleich von Massenmedien als auch im Unterschied zur interaktiven Kommunikation betrachtet werden. Dies kann etwa anhand der Diskussion über das Fernsehen als Leitmedium geschehen, was zur Frage der Historisierung von Kommunikationsformen führt. Damit wird zugleich der Schwerpunkt von Funktionsäquivalenz massenmedialer Kommunikation auf Differenz verlagert d, S. 21-24). Eine Schwierigkeit dieser Beschreibung, das sei vorgreifend angedeutet, besteht in der Berücksichtigung der Kopplung von Kommunikationen bzw. Wahrnehmungsangeboten und psychischen Systemen über das Medium Aufmerksamkeit. Damit eröffnet sich für soziale und psychische Systeme ein Zugang zur Frage der Selektion von Selektionen . Obwohl dies hier nur in Ansätzen geschehen kann, ist doch festzuhalten, daß uns dieses Problem der Reflexivität des Kommunikationsbzw. Kognitionsprozesses in Bezug auf beide Systemreferenzen - Gesellschaft und Bewußtsein - interessiert. Als Beschreibungskonzept wird die Unterscheidung von Formen der massenmedialen Kommunikation verwendet werden, die auf Organisationsunterschiede der Reflexivität von Massenkommunikation zurückgeführt werden sollen. Durch diese Formen der Reflexivität kommt es sowohl zu Verstärkungen quasi natürlicher Wirklichkeitskonstruktionen , als auch zu einer Ausweitung dieser Konstruktionsleistungen. Diskutiert werden soll in diesem Kontext die These, daß es sich bei diesen Ausweitungen nicht allein um die Vermehrung von Raum/Zeithori-zonlen der Wirklichkeiten durch Kommunikation handelt, sondern um eine kaum prognostizierbare, qualitative Entgrenzung der Wirklichkeitserfahrung auf der Basis der massenmedialen Selbslorganisation von Kommunikation. Diese Suche nach unterschiedlichen Qualitäten im Rahmen der Bindung von Aufmerksamkeit psychischer Systeme geschieht unter der Perspektive massenmedial generalisierter Kommunikationsqualitäten.
     

 Tags:
Systemtheoretische  Überlegungen  Funktion  Leistung  der  Massenmedien    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com