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Werkimmanente Interpretation



Eine Zuspitzung auf das individuelle Werk erfuhr die Geistesgeschichte in der sogenannten werkimmanenten Interpretation. Galt das Interesse der Geistesgeschichte dem Verständnis von Leben, Werk und Epoche, so richtete die werkimmanente Interpretation den Blick auf die ästhetische Autonomie des einzelnen Kunstwerks. Die werkimmanente Interpretation hatte ihren lange anhaltenden Siegeszug in der Literaturwissenschaft bereits vor dem Zweiten Weltkrieg begonnen, auch im anglo-amerikanischen Raum, wo sie mit einem glücklicher gewählten Terminus als Close Reading bezeichnet wird. Es ist also nicht richtig, wenn oft behauptet wird, die werkimmanente Interpretation sei ein Rückzug der deutschen Literaturwissenschaft ins unpolitische Gefilde subtiler ästhetischer Analyse als eskapistische Reaktion auf die Selbstkompromittierung der Germanistik im Nationalsozialismus.

      Die werkimmanente Interpretation bedient sich zur Textanalyse der überkommenen Hilfsmittel der Metrik und Rhetorik und widmet sich vor allem dem Aufbau und dem Stil des sprachlichen Kunstwerks. Das sprachliche Kunstwerk lautet denn auch der programmatische Titel, den Wolfgang Kayser einem zuerst 1948, seitdem immer wieder neu aufgelegten Buch gegeben hat. Es ist als methodische Einführung in die werkimmanente Interpretation ein bis heute nicht überholtes Standardwerk geblieben; von dem darin ausgebreiteten textanalytischen Instrumentarium können auch neuere methodische Ansätze, etwa in der sozialgeschichtlich oder psychoanalytisch ausgerichteten Literaturwissenschaft, nicht absehen.
      Eine Folge des ästhetischen Ansatzes der werkimmanenten Interpretation ist die Konzentration auf'hohe' Literatur, auf das 'Dichterische', an dem die Interpretation zu erkennen versucht, mit welchen Mitteln es den Leser affiziert, um zu 'begreifen, was uns ergreift" . Die werkimmanente Interpretation verdankt ihre nachhaltige Wirkung zum großen Teil den suggestiven Arbeiten des Schweizer Gelehrten Emil Staiger . Seine Veröffentlichungen haben ein ungewöhnlich großes Echo außerhalb der engeren literaturwissenschaftlichen Zunft erreicht. Den Interpretationen liegt die Hermeneutik Martin Heideggers zugrunde. In den vielgelesenen Grundbegriffen der Poetik scheidet Staiger die poetischen Gattungen, indem er 'an Dichtungen lyrische, epische und dramatische Züge im Hinblick auf a priori erfaßte Ideen" abliest: dem lyri-sehen, epischen und dramatischen Stil korrrespondiert die Trias Erinnerung, Vorstellung und Spannung.
     

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