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Strukturalismus



Der Strukturalismus als Methode basiert auf den zeichentheoretischen Vorstellungen des Schweizers Ferdinand de Saussure , die zur Grundlage der modernen Linguistik und — in weiterem Ausgriff — der modernen Semiotik geworden sind. Der Kerngedanke ist die Unterscheidung von Signifikant und Signifikat des Zeichens. Der Signifikant ist der materielle Bedeutungsträger, der arbiträr gesetzt ist; das Signifikat meint den unveränderlichen Sinn, auf den der Signifikant verweist. Das einfachste Beispiel für die Unterscheidung liefern die verschiedenen Wörter zweier Sprachen, mit denen jeweils dasselbe Signifikat bezeichnet wird. Sprache ist für de Saussure also ein System von Zeichen, das nach Regeln organisiert ist. Signifikant ist das Lautbild, Signifikat ist der Begriff oder die Vorstellung; im sprachlichen Zeichen sind beide verknüpft. Der Ausdruck Strukturalismus begegnet bei de Saussure selbst noch nicht, auch wenn er einen Begriff davon hat.

      Der Strukturalismus, zu dessen führenden Vertretern u. a. der französische Ethnologe Claude Levi-Strauss und der aus der Sowjetunion nach Prag und später in die USA emigrierte Linguist Roman Jakobsohn gehören, sucht nach den allgemeinen Strukturen, von deren Gesetzmäßigkeiten alle individuellen sprachlichen Erscheinungen abgeleitet sind.
      Die literaturwissenschaftliche Anwendung des Strukturalismus be-dient sich eines von Roland Barthes entwickelten Verfahrens des Segmentierens und Klassifizierens der Elemente von Texten, aus deren verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten Typen von Texten erzeugt werden können.
      Mit der werkimmanenten Interpretation teilt der Strukturalismus das Absehen von allen außertextlichen Bezügen, von ihr unterscheidet er sich im Ziel: Er will nicht das individuelle Werk als solches verstehen, sondern sein formales Strukturmuster ermitteln, das ihn zu einem Exemplar aus einer Menge gleichstrukturierter Texte macht.
      Im Kapitel zur Epik werden anhand des Beitrags des Strukturalismus zur Erzähltextanalyse einige seiner Grundbegriffe vorgestellt.
     

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