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Literaturwissenschaft und systemtheorie

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Allgemeines



Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff , der große Erneuerer der Klassischen Philologie, trug in einer Vorlesung zur "Einführung in die Philologie" seinen Hörern 1919 an der Berliner Universität zur "philologischen Methode" die folgende Anekdote vor, die sein Schüler Wolfgang Schadewaldt überliefert hat: "Da kommen die Herren Kollegen Harnack und Roethe zu mir und sagen: 'Ja, Sie haben die Philologische MethodeV -Aber diese gepriesene 'Philologische Methode': die gibt's doch gar nicht, die gibt es so wenig wie eine Methode, Fische zu fangen. Der Wal wird harpuniert, der Hering im Netz gefangen. Der Butt wird getreten, der Lachs gespießt, die Forelle geangelt. Wo bleibt da die Methode, Fische zu fangen? -Und überhaupt die Jägerei! Vielleicht gibt's da so etwas wie Methode. Aber meine Damen und Herren : es ist doch schließlich ein Unterschied, ob man Löwen jagt oder Flöhe fängt."

Auch für die Geisteswissenschaften gilt, daß der größte Teil aller Wissenschaftler, die je gelebt und publiziert haben, im weiteren Sinne unsere Zeitgenossen sind. So nimmt es nicht wunder, daß sich auch in der Literaturwissenschaft neue Theorien, Methoden, Ansätze usw. immer schneller ablösen.
      Lästig ist die begriffliche Unscharfe, mit der in vielen Veröffentlichungen nicht unterschieden wird zwischen Poetik als der Lehre des 'Ma-chens', also der Anfertigung von Texten, und Literaturtheorie oder zwischen Literaturtheorie, Paradigma und Methode. Immer häufiger wird sehr allgemein nur von Verfahren, Ansätzen u.a. gesprochen. Dabei geht es meist um ein neues Paradigma, dessen Theorie und Methoden erst in der Diskussion begriffen sind.
      Weitgehende Übereinstimmung besteht darüber, daß neuere Ansätze in der Literaturwissenschaft die älteren nicht ersetzen, sondern ergänzen, daß also die Vielfalt der literaturwissenschaftlichen Fragen einen Methodenpluralismus verlange; ebenso darüber, daß Literaturwissenschaft - werde sie nun als Literaturtheorie in systematischeroder als Literaturgeschichte in historischer Absicht betrieben - es zwar primär mit Texten zu tun hat, bei deren Analyse aber von textexternen Kontexten der Texte nicht absehen kann.
     

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