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Literaturwissenschaft und systemtheorie

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Konsequenzen für die Literaturgeschichte



Wenn man die Geschichte der Kunst in Makroperioden einteilen wollte, würde sich die Orientierung an der Gesellschaflsstruktur anbieten: man würde dann von der 'Kunst' segmentär, stralifikatorisch und funktional differenzierter Gesellschaften sprechen. Literatur im modernen Sinne als ein funktionsspezifisch ausdifferenziertes Sozialsyslem mit eigenem Sondercode läßt sich ausschließlich der letzen Periode zuordnen - vorher gibt es weder Kunst noch Literatur, sondern polyfunktionale Kommunikationen mit gewissen 'ästhetischen' Anteilen neben vielen anderen. Für eine Literaturgeschichte der Moderne ist es folglich eine erste, zentrale Entscheidung, einen Schnitt dort zu ziehen, wo für sie die Moderne beginnt und Alteuropa endet. Wir setzen diese 'epoche' im 18. Jahrhundert, die sein letztes Drittel von allem Vorhergegangenen trennt. Dieser Einschnitt ist natürlich eine theoriegeleitele Dramatisierung: am 1.1. 1770 ändert sich nichts, und manche mögen dort Kontinuitäten sehen, wo wir den Bruch betonen. Aber es handelt sich ja auch um eine Konstruktionsentscheidung der Theorie, um eine erste beobachterabhängige Differenz im "unmarked space", die es erlaubt, Datenmengen spezifisch zu arrangieren, nicht aber um einen "Riß im Sein". Wir halten jedoch die Komplexität für überzeugend, die sich auf dieser Differenz aufbauen läßt.

      Die Differenz differenziert Differentes. Sie gibt zwei Seiten frei: die Entscheidung für 1770 als "Schwelle" konturiert auf dereinen Seite die "Literatur" Alteuropas, derem Kennzeichen ihre Multifunktionalität und ihre diversen Codierungen sind, die sich wechselseitig restringieren und derart das Sagbare erheblich verknappen: das Schöne ist das Nützliche; das Böse kann nicht schön sein; das Häßliche ist nicht wahr usw. Die stabile Kopplung erst später frei flottierender Codes wirkte als scharfer Themenfilter und verwies die protoliterarische Kommunikalion auf die Repräsentation eines religiös gedachten Kosmos oder einer vernünftigen Natur. Eine Repräsentation, deren epistemologi-sche, moralische, tcehno-pragmalische, pädagogische und "literarische" Komponenten nur schwer unterscheidbar waren. Eine Literaturgeschichte Altcuro-pas müßte sich hüten, die alten Texte als literarisch codierte "Werke" zu lesen.
      Der Vorschlag zu einer Literaturgeschichte der Moderne blickt jedoch auf der "Schwelle" nicht zurück nach Alteuropa, sondern auf die Epoche der neu auftauchenden literarischen Kommunikalion, die noch heule nicht abgeschlossen ist. Jenen Schnitt zu ziehen, veranlaßle uns der Prozeß sozialer Differenzierung, aus dem separierte, je "autonom" prozessierende Kommunikationssysteme hervorgegangen sind, deren nirgends mehr repräsentierbare "Einheit" die funktional differenzierte moderne Gesellschaft ist. Ausdifferenzierte Kommunikationssysteme erleichtern den beschleunigten Transfer extrem unwahrscheinlicher Sinnselektionen, weil sie von einem nur für sie zuständigen, binär codierten Kommunikationsmedium betreut werden. Wir haben gesehen, wie diese Medien immer unwahrscheinlichere Selektionen motivieren und die Kommunikation von Restriktionen der Interaktion und der begrenzten Speicherfähigkeit des Gedächtnisses entlasten. Sie nutzen die Kapazitäten von Schrift, Druck und EDV, weil sie die personale Motivation zur Annahme von Selektionsofferten nicht mehr benötigen.
      Wir schlugen vor, das "Werk" als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium des Kunst- und Literatursystems zu behandeln. "Werk" meint hier nicht ein empirisches Substrat, sondern jenen "Magneten", der aus allen möglichen Kommunikationen literarische Kommunikationen aussortiert. Goethes "Iphigenie" ist genauso als Werk kommunizierbar wie Handkes legendäre "Mannschaftsaufstellung des l.F.C. Nürnberg"; Josef Beuys' Fettplastiken sind nicht weniger Werke als Rodins "Bürger von Calais". Entscheidend ist, das Werk nicht als Einheit zu denken, sondern als Differenz von Medium und Form. Der Beobachter eines Werkes sieht die Form auf dem Hintergrund eines Mediums, er sieht ein Bündel wohlerwogener Selektionen aus einem Pool von Möglichkeiten. Diese Definition kommt den Erfahrungen von Künstlern recht nahe, die ja in aller Regel Entscheidungen gegeneinander abwägen, Alternativen prüfen, verwerfen oder festhalten und Handlungsmöglichkeiten mit jeder Entscheidung restringieren.
      In einem nächsten Schritt fragten wir nach der binären Codierung dieses "Werks" als Differenz von Medium und Form. Die Entscheidung Luhmanns für die ästhetische Leitdifferenz schön vs. häßlich rechneten wir der Umwelt des Literatursystems, der Philosophie, zu. Der Gegenvorschlag lautet, "interessante" und "langweilige" Selektionen zu unterscheiden. Der Code ist asymme-trisch: gewöhnlich zieht man das Interessante dem Langweiligen vor. Zum anderen fungiert der Code als Duplikationsregel: alles, was im Literatursystem vorkommt, kann dies zweifach: als interessant oder banal - wenn auch nicht für das gleiche Publikum zur selben Zeit. Was dann jeweils als interessant oder banal gilt, wird dem Code "programmiert". Während dieser ultrastabil ist, sind Programme instabil und auf Abwechslung angelegt. Der Code implementiert dem Literatursystem eine nicht mehr stopbare Progression. Das Interessante ist auf Ãoberbielung und Steigerung angelegt. Schlegel hatte dies gesehen und mit Blick auf die Antike einer zeitlosen, unüberbietbaren Schönheit hinlerhcrge-trauert, deren Produkte dem reißenden Strom der Zeit nicht ausgesetzt sind. Von hier aus wird die starke suggestive Kraft in der Moderne verständlich, immer wieder ästhetische Zweileodierungen auf moderne Werke zu projizieren, um sie so vor dem Schicksal, bloß interessant zu sein, zu bewahren und auf Dauer zu stellen. Diese Versuche sind vergeblich und schlagen allenfalls dort durch, wo sie sich mit Bildungsinstitutionen zusammentun und dann einen verbindlichen Lektürekanon unserer "wertvollen" und "bleibenden" Dichtung aufstellen.
      Kommen wir nun zur Frage der Evolution des Litcratursystems. Blickt man allein auf das symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium - die codierte Differenz von Medium und Form -, dann gibt es nur Kontinuität. Insofern ist die Literatur der Moderne als Makroperiode beschreibbar: seit etwa 1770 lassen sich Werke beobachten, die interessieren oder langweilen. Um die interne Zeitlichkeit dieser Epoche bestimmen zu können, muß man daher feiner justieren. Fragt man nach den grundsätzlichen Möglichkeiten des Literatursystems, "Sinn" zu bilden, ergeben sich mehrere Optionen, die den Grundriß einer Epochengliederung ergeben.
      Wir setzen beim Medium an und fragen, was überhaupt im Falle literarischer Kommunikation als Medium für Formen fungieren kann. In der Phase ihrer Ausdifferenzierung zwischen 1770 und kurz nach der Jahrhundertwende nutzt die Literatur die Syslem/Umwelt-Differenz selbst als Medium, dessen Differenz zu den dann möglichen Formungen als interessant programmiert wird. Die daraus entspringenden Semantiken konstituieren Konzepte von "Autonomie" und "Subjektivität", die in der verschiedensten Weise interpretiert und zum Teil als Leistungsofferten an andere Teilsysteme oder die Gesellschaft im ganzen adressiert werden. Formeln wie "Poesie ist Poesie" reflektieren die nun überall mitlaufende Selbstreferenz des Systems, dessen Operationen ausschließlich literarisch codiert sind, auch wenn sie sich anders gebärden. Die Literatur kann nun semantisch ihre Grenze zu ihrer Umwelt problematisieren oder gar leugnen und sich als My-thologie oder ästhetische Erziehung ausgeben - ihr Systemstatus wird dabei nicht gefährdet. Auch die neue Mythologie ist nur ein Medium, dessen Formung interessant ist oder langweilig. Carl Schmitt hat in seiner Politischen Romantik diese literarische Bearbeitung der Grenze zwischen System und Umwelt, die gleichwohl die Grenze nie verletzt, scharfsichtig als Kennzeichen der Romantik herausgestellt. Diese erste Epoche der Romantik verliert ihre Dominanz als federführendes Paradigma, als sich die Perspektive des Literatursystems im 19. Jahrhundert auf die eine Seite der System/Umwelt-Unterscheidung kapriziert - nämlich auf die Umwelt. Die Literatur tritt damit in die Epoche des Realismus ein, sofern sie - bei stets mitlaufender Systemreferenz! -exklusiv ihre Umwelt als Medium für Formgewinn benutzt; genauer: Realitätskonstruktionen der Umwelt aus der Umwelt als Medien importiert, um sie dann codespezifisch zu formieren. Da in der Umwelt diverse "Realitäten" vorkommen, gibt es diverse Realismen: man kann z.B. die Wcltsichten der Politik oder der Religion aber auch der Philosophie importieren. Die Pointe soll an einem klassischen Fall kurz erläutert werden: die Wirklichkeit ist "schön", z.B. eine Frau, aber nicht immer und überall. Kontingentes macht sich bemerkbar; prominentes Beispiel ist die Warze auf der Nase. Diese lockere und zufällige Kopplung des Schönen in der sogenannten "Realität", die vom Unpassenden durchschossen ist, dient dann dem "idealistischen Realismus" als Medium, dessen "schöne" Elemente formiert, d.h. strikt gekoppelt werden. Zufälliges wird eliminiert, die Narbe ignoriert, die Falten geglättet usw. Das Verfahren nennt man dann "Verklärung" oder präziser "Läuterung" bzw. "Reinigung".
      Die Systemoption "Realismus" tastet die gesamte Umwelt nach potentiell interessanten Realilätskonstruktionen ab, wobei neben den thematischen mehr und mehr die technischen Aspekte der möglichst optimal präzisen Art und Weise der Simulation solcher "Realitäten" in den Vordergrund tritt. In diesem -z.B. an den Experimenten des 'konsequenten' Naturalismus beobachtbaren -Umschlag von interessanten Themen zu interessanten, immer verblüffenderen Präsentationen von Themen läßt sich das Ergebnis einer Verknappung an Themen sehen: am Ende wird das banale Gerede gleichgültiger Personen in mediokren Situationen ausgestellt - aber mit einer technischen und formalen Präzision und Artifizialität der sprachlichen Darstellungsmittel, die interessant ist.
      Verflüchtigt sich das Sujet aber im Modus seiner sprachlichen Artikulation, die allein noch fesselt, während das Thema für sich selbst genommen langweilen würde, dann schaltet das System von Umwelt- auf Selbstreferenz um. Das Literatursystem konzentriert sich nun auf die andere Seite der Ausgangsdifferenz zwischen System und Umwelt und behandelt sich selbst als Mediumfür Formen. Damit tritt die Literatur in die Epoche des Ã"sthetizismus ein. Der Ã"sthetizismus wird mithin definiert als jene Option, die das Kunst- und Literatursystem als Medium verwendet; zwei Varianten dieser Option lassen sich unterscheiden: eine, die gleichsam "künstliche Realitäten" konstruiert, um sie als Medium zu verwenden. Man denke etwa an die artifiziellen Welten eines Huysman, Wilde oder George; und eine radikalere, die primär das basale Medium literarischer Kommunikation - die Sprache und die Tradition der Literatursprache - für Formgewinne nutzt. Dieser sprachreferentielle Ã"sthetizismus -z.B. im Kreis um Herwarth Waiden - heizt das Tempo der literarischen Evolution weiter an, weil er Formen sofort in die Stellung von Medien überführt: die Form von heule ist das Medium von morgen. Nur auf sich selbst kapriziert, stünde am Ende dann eine Art literarischer "Wärmetod" des von der Umwelt abgekoppelten Systems, weil alle "Energie" dahin wäre - wenn der Ã"sthetizismus nicht sein dauerndes Widerlager im Realismus fände, der dem System aus der Umwelt "Energie" zuführte, d.h. "Sinn" importiert, der dann im System wieder zerschlissen, transformiert, ironisiert oder negiert werden kann.
      An seinen romantischen Ausgangspunkt kehrt das Literatursystem gewissermaßen zurück, wenn es in der Aera der Avantgarde zwischen 1910 und 1930 die Differenz, von System und Umwelt noch einmal als Medium wählt, nun aber in der Absicht, diese Differenz zu enrdifferenzieren: Kunst, Literatur und "Leben" zu integrieren oder zu "verschmelzen". Wenn man einmal von der Möglichkeit absieht, das Scheitern der Avantgarde ihrer Beobachtung bereits zugrundelegen zu können, lassen sich aus der Binnenperspektive der Programmatiker der Avantgarde deren Absichten rekonstruieren. Es stellt sich dann heraus, daß es der europäischen Avantgarde in Anlehnung an kurrente kulturpolitische Zielvorgaben darum geht, die für das "Werk" konstitutive Differenz von Medium und Form zurückzunehmen - und entweder die Form ins Medium zurückzuziehen wie im Falle des Dadaismus, oder das Medium als Form auszugeben wie z.B. im Futurismus mit seiner Vision einer technisch durchgestylten Gesellschaft. Nimmt man nun aber die historisch gegebene Beobachtungsposition in Anspruch, die über das Scheitern dieser Programme informiert ist, dann ist ihre "Naivität" unübersehbar. Die vorgeblichen "NichtWerke" sind genau jene "Werke", die die Konstruktion einer Indifferenz von System und Umwelt als Medium verwendet haben, um daraus witzige oder interessante Sinnselektionen, also Formen zu destillieren. Im Blick auf das Schicksal des Surrealismus hat Maurice Nadeau mit bedauerndem Unterton festgestellt:
"Diese antiliterarische, antipoetische, kunstfeindliche Bewegung läuft nämlich letztlich doch nur wieder auf eine neue Literatur, eine neue Dichtung, eine neue Malereihinaus |...|. Aus der umfassenden Umwandlung des Lebens, die die Bewegung sich /um Ziel gesetzt halte, ist |...| nichts geworden."4''
Die Ãoberführung der Kunst in die Lebenswelt ist eben auch nur Kunst - langweilige oder spannende.
      Mit der Konsolidierung der Beobachtung, daß auch dezidierte "Nicht- oder Anti-Kunst" Kunst ist, wenn sie auf das symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium "Werk" projiziert wird, hat das moderne Literatursystem seine Optionen historisch erschöpft. In einer vielleicht mit Postismus am ehesten zu bezeichnenden Epoche kann das System seine historischen Möglichkeilen nur noch kopieren, kombinieren, extremisieren, paradoxieren, usf. Die Programmatik dieser nun folgenden Kette von Neoismen gesteht dieses Bewußtsein bloßer Neuauflagen in Begriffen wie Neorealismus, Neocxpressionismus oder Neoavantgarde durchaus zu. Dieses Stadium der Involution muß kein Nachteil sein, denn der Umstand, daß durchgreifende Ãoberraschungen nicht mehr zu erwarten sind, kann den Sinn für Nuancen und Details ganz ungemein schärfen. Der Geschmack wird sublim, wenn man mit basalen Programmalternativen nicht mehr rechnen darf und sich infolgedessen auf die "Kunstgriffe" der Werke und ihre Gekonntheiten einlassen kann, um sich interessant unterhalten zu lassen. Dann noch mögliche Lektüren hat etwa Uwe Johnson in einem "Vorschläge zur Prüfung eines Romans" betitelten Essay 1975 so skizziert:
"Wo/u taugt |ein| Roman? - lir ist ein Angebot. Sie bekommen eine Version der Wirklichkeil. - Iss ist nicht eine Gesellschaft in Miniatur, und es ist kein maßstäbliches Modell. lis ist auch nicht der Spiegel der Well und weiterhin nicht ihre Widerspiegelung, es ist eine Welt, gegen die Welt zu halten. - Sie sind eingeladen, diese Version der Wirklichkeil zu vergleichen mit jener, die sie unterhallen und pflegen. Vielleicht paßt der andere, der unterschiedliche Blick in die ihre hinein. - Verteidigen Sie ihre Unabhängigkeil bis zur letzten Seite des Buches. Wird Ihnen ausdrücklich gesagl, was der Roman zu sagen versuchte, ist dies der letzte Augenblick zur Lnifernung des Buches. Sie haben sich das Recht erworben auf eine Geschichte. Die Lieferung einer Quintessenz oder einer Lehre ist Bruch des Vertrages. Mit dem Roman ist die Geschichte versprochen. - Was dazu gesagt wird, sagen Sie. Der Roman muß Sie unterhallen. [...] Während Sie anders beschäftigt sind, beschafft der Romanschreiber Ihnen Unterhaltung und Information. Damit hat er seine Verantwortung gegenüber der Gesellschalt, sofern sie einseitig bestehen kann, erfüllt." [Hervorh.: Plumpe/Werber]

  

Die Funktion der Literatur ist es, ihr Publikum zu unterhalten. Dies fällt schwer, wenn keine "epochalen" Innovationen mehr ausgespielt werden können und man vom aggressiven Flair des Neuen, Anderen, Nie-Gesehenen nicht länger zehren kann.
      Offen bleibt noch das Problem der Motivation von Epochenwandel. Das Literatursystem gibt zunächst ja nur strukturelle Optionen für Sinnselektionen vor, die keineswegs schon die Konditionen ihres historischen Auftritts kondi-tionieren. Aus der Binnenperspektive des Literatursystems läßt sich nur sagen, daß sein Gesetz - das Interessante noch interessanter zu machen - eine 'logische' Tendenz hat, alles was sagbar ist, auch zu sagen, also letztlich alle Optionen zu erschöpfen und ins Extrem zu treiben. Wann das aber geschieht und warum dann - diese Frage kann nicht mit den Mitteln einer Syslemge-schichte moderner Literatur, sondern nur im Horizont einer polykontexturalen Literaturgeschichte erörtert und beantwortet werden. Daß etwa die deutsche Literatur im 19. Jahrhundert solange im Realismusparadigma gefangen blieb und erst spät - viel später als in Frankreich - auf Ã"sthetizismus umstellte, diese Talsache kann nur erklärt werden, wenn man die Literatur auch als Umwelt anderer Systeme wie Religion, Politik, Erziehung usw. beobachtet. Eine Umwelt, die ihrerseits Lileraturbegriffe ausprägt und an das Literatursystem dezidierte Erwartungen richtet, welche die Literatur beobachten kann, um sie dann zu akzeptieren und zu bedienen - oder auch nicht. Ã"hnliches gilt für die Analyse des politischen Systems, wenn man die spezifisch "avantgardistischen" Konstellationen erfassen will, die sich in den europäischen Ländern so unterschiedlich - und doch so ähnlich zugleich ergeben haben. Der Epochenwandel bleibt vom System Literatur her gesehen ein kontingentes Ereignis. Es bedürfte einer polykontexturalen Beobachtung, um diese Kontingenz als motivierte Transformation zu rekonstruieren. Aber dies bleibt einer systemtheoretischen Literaturwissenschaft erst noch zu leisten.
     

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