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Literaturwissenschaft und systemtheorie

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Das Ebenenmodell des Literatursystems



Schon an der formalen Bezeichnung der drei Handlungsebenen wird deutlich, daß sie nicht etwas für das Literatursystem Spezifisches darstellen. Hierarchi-sierungen von Handlungen können sich als durchaus sinnvoll für die Erforschung anderer sozialer Systeme erweisen. So kann z.B. unter dem Aspekt der Regelung durch Subsysteme die Durchsetzung bestimmter Normen und Werte in sozialen Systemen beschrieben und erklärt werden. Die Frage, ob Handlungsebenen selbst als soziale Systeme zu konzipieren sind oder eher als soziale Handlungsbereiche, in denen sich soziale Systeme erst herausbilden und mit anderen sozialen Systemen zusammenhängen, ist in einer Theorie sozialer Systeme aufzugreifen und zu klären.

      Von dieser theoretischen Problematik einmal abgesehen, kann schon jetzt davon ausgegangen werden, daß alle drei Handlungsebenen die für soziale Systeme typischen, kommunikations- und handlungstheoretisch beschreibbaren Charakteristika aufweisen. Handlungen können differenziert werden in Aktionen, Interaktionen und Kommunikationen. Aktionen bezeichnen solche Handlungen, die auf das Eigenverhalten des Aktanten zurückgerechnet werden. Eine Interaktion wird definiert als Relation, die ein Beobachter zwischen Handlungen von Aktanten herstellt; bei Kommunikation schließlich handelt es sich um Interaktionen, die über Sprache oder andere Zeichensysteme als strukturelle Kopplung oder kognitive Parallelisierung von Aktanten zu bezeichnen sind." Dazu gehören neben Aktanten in Handlungsrollen und Handlungssituationen weiterhin Medien, mit konventionellen Zeichensystemen hergestellte Medienangebote unter einem materialen Aspekt und Kommunikate, Konventionen und Funktionen unter einem kognitiven Aspekt. Besonderheiten werden auf der jeweiligen Handlungsebene angesprochen.
      Das Konzept der Handlungsebenen bildet einen Beitrag zur Erreichung der theoretischen Differenzierung und eines Grades an Komplexität des Phänomenbereichs "Literatursystem", die für ein Prozeßmodell notwendig zu sein scheinen. Handlungen unterschiedlichen Typs, nämlich literarische und nicht-literarische, können auf diese Weise im Literatursystem selbst einerseits auseinandergehallen, andererseits miteinander verbunden bzw. aufeinander bezogen werden. Fragen der Selbstorganisation und der Veränderung des Literalursystems lassen sich so konzeptionell viel einfacher lösen als mit kommunikativen Intcrpenetrations-modellen soziologischer System/Umwclt-Theoricn. Weiterhin ist diese theoretische Differenzierung innerhalb der ETL als Rahmentheorie oder Basis-Thco-rie-Elcment einer Literaturtheorie leichter an Literaturthco-rien "mittlerer" Reichweite und deren Untersuchungsbereiche, literarische Subsysteme, anzuschließen.
     

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