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Literaturwissenschaft und systemtheorie

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Lese-, Studien- und andere Ausgaben



Für die wissenschaftliche Arbeit zu einem Autor ist nach Möglichkeit immer eine kritische Ausgabe heranzuziehen. Kritische Ausgaben gibt es freilich nur für eine Minderheit von Autoren, die nach allgemeiner Ãoberzeugung zum 'Kanon' gehören. Dann muß man nach Studienausgaben zitieren oder anderen geeigneten Ausgaben. Das können dem Original nahekommende sein, wie z. B. die inzwischen in großer Zahl existierenden Nachdrucke {ReprintS), die ein Exemplar eines alten Drucks photomechanisch reproduzieren. Das größte Corpus solcher Reprints stellt die von der Kulturstiftung der Länder geförderte Mikrofiche-Edition Bibliothek der deutschen Literatur dar, die etwa 15 000 Werke von 2500 Autoren umfaßt.

      Für die extensive und kursorische Lektüre, die der bloßen Erweiterung der Textkenntnis dient, sind dagegen Lese- oder Studienausgaben vollauf hinreichend. Leseausgaben bieten die blanken Werktexte, allenfalls ergänzt um ein Vor- oder Nachwort. Wenn sie kein Nachwort enthalten, kommen sie also daher wie belletristische Neuerscheinungen. Leseausgaben modernisieren oft die Orthographie oder kürzen den Text gar. Zuverlässig sind dagegen die Studienausgaben. Sie bieten oft einen vom Herausgeber revidierten Text, zumindest teilen sie mit, welcher Textvorlage sie folgen und begründen diese Entscheidung ebenso wie Auswahl und Anordnung der abgedruckten Texte. Während kritische Ausgaben meist demerhaltenen Gesamtwerk eines Autors gelten, treffen Studienausgaben in der Regel eine Auswahl aus dem Gesamtoeuvre, bieten aber das einzelne ausgewählte Werk vollständig. Zuweilen enthalten sie sogar ausgewählte Varianten. Auf jeden Fall gehört zur Studienausgabe ein mehr oder minder umfangreicher Kommentar mit Angaben zur Entstehung des Werks, Worterklärungenn und einer Bibliographie; dazu kann der Abdruck von Briefen des Autors und an ihn gerichteter Briefe sowie weiterer Dokumente zur Entstehung, aber auch zur Wirkungsgeschichte, kommen. Zu den Studienausgaben gehören die sehr aufwendigen Editionen in der umfassenden Bibliothek Deutscher Klassiker des Deutschen Klassiker-Verlags, die Klassikerausgaben des Hanser-Verlags, aber auch sehr viele der wohlfeilen Ausgaben des Reclam-Verlags u.a.m.
      Als Hilfsmittel hat die Datenverarbeitung in die Editorik längst Einzug gehalten. Seit kurzem aber hat sie in Verbindung mit opto-elek-tronischen CD-ROM-Produkten zu Editionen in der Form der elektronischen Publikation geführt. So hat der englische Verlag Chadwyck-Healey die gesamte Weimarer Goethe-Ausgabe inzwischen auf CD-ROM in einer recherchefähigen Datenbankversion herausgebracht. Die Texte sind bei der Digitalisierung, um die Fehlerrate zu minimieren, zweimal unabhängig voneinander erfaßt und dann automatisch kollationiert worden. Der Bielefelder Aisthesis-Verlag hat zur multimedialen Beschäftigung mit Arno Schmidt auf einer CD-ROM vereinigt: etwa 600 Abbildungen, 130 Textdokumente mit Selbst- und Fremdzeugnissen, 22 Tondokumente und zwei Videosequenzen zum Leben Schmidts. Verlage wie Reclam, Systhema und X libris bieten CD-ROM-Produkte mit klassischen Texten. Am Beispiel des Musil-Nachlasses erproben Friedbert Aspetsberger, Karl Eibl und Adolf Frise den Einsatz elektronischer Verfahren für eine kritische Edition.
     

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