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Literaturtheorien
Hans H. Hiebet
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Metapher und Metonymie



Da das Unbewußte wie eine Sprache strukturiert ist, konstituiert sich der Diskurs des Anderen aus materiellen Signifikanten; nur können diese für alles stehen außer für das, was sie sagen. Man bedient sich der Sprache, 'pour signifier tout autre chose que ce qu'ellc dit" ; das gilt a fortiori für den Diskurs des Unbewußten. Auch sind die Signifikanten letztlich abgekoppelt von einem Signifikat, dem verlorenen Objekt ,,a" bzw. dem imaginären 'Phallus", der dieses Objekt substituiert. Im Aufsatz 'Das Drängen des Buchstabens' geht Lacan daher von der Vorstellung aus, daß 'das Signifizierte unaufhörlich unter dem Signifikanten gleitet" .

      Es ist der Schnitt zwischen Signifikant und Signifikat, der das 'poststrukturalistische" Moment an Lacan indiziert und die Verwandtschaft mit Derridas Konzept der 'differance" [—> Dekonxtruktion], des unaufhebbaren Aufschubs, markiert .
      Saussure hatte deutlich gemacht, daß es keinen für sich bestehenden Signifikanten gibt, daß jeder 'Signifikant" die Spur aller anderen in sich trägt, 'Differenzen" zu allen anderen Signifikanten eines gegebenen ,,Wert"- bzw. Bezugs-Systems in sich vereint |—> Semiotik und Interdiskursanaly.se]. Erst der jeweilige Kontext weise dem arbiträren Signifikanten ein Signifikat zu. Diese Lockerung des Bandes zwischen Signifikant und Signifikat radikalisic-ren Lacan und der gesamte Spätstrukturalismus: 'Der Referenz-wert wird abgeschafft und übrig bleibt allein der strukturale Wertzusammenhang."x
Lacan dreht Saussures Formel S/s um und privilegiert den Signifikanten S/, wobei er das 's" zudem einklammert, um sein Verschwinden im Unbewußten anzudeuten. Auf dieses '", das mit dem verlorenen Objekt bzw. dem imaginären 'Phallus" in Beziehung steht, weisen in der 'Rhetorik" des Unbewußten - neben Ellipse, Hyperbaton, Katachrese usw. - vor allem Metapher und Metonymie.
      Deren Semiotik wird mit Freuds 'Verschiebung" und 'Verdichtung" in Verbindung ge-bracht. Im Traum ist bekanntlich jede feste Zuordnung von Zeichenkörper und Bedeutetem, von Signifikant und Signifikat aufgelöst. Ein Pferd kann - metaphorisch - für den leiblichen Vater stehen ; eine 'Bahre" kann, obgleich dies widersinnig scheint, auf metonymischem Weg für das Begehren nach einer bestimmten Person stehen, nur weil der Zufall einmal beides miteinander verband. Ein Traum-Wort wie 'Propylen" kann auf einen nach Amyl riechenden Likör weisen - oder auf einen Freund, den man in der Nähe der Münchner Propyläen getroffen hatte.

     
   Lacan geht in seiner Definition von Metapher und Metonymie mit R. Jakobson auf die zwei Grundfunktionen der Sprache zurück, die paradigmatische bzw. selektive, die er in Beziehung zur Metapher setzt, und die syntagmatische bzw. kombinatorische, die er mit der Metonymie in Verbindung bringt.
      Die Metonymie sei getragen 'von dem Wort für Wort" einer Verknüpfung, z.B. von Segel und Schiff; an anderen Stellen denkt Lacan eher an die generelle syntagmatische Funktion der Kombination als an den Tropus der Metonymie . - 'Ein Wort für ein anderes" ist die Formel für die Metapher:
'Der schöpferische Funke der Metapher entspringt nicht der Vergegenwärtigung zweier Bilder, das heißt zweier gleicherweise aktualisierter Signifikanten. Er entspringt zwischen zwei Signifikanten, deren einer sich dem andern substituiert hat, indem er dessen Stelle in der signifikanten Kette einnahm, wobei der verdeckte Signifikant gegenwärtig bleibt durch seine Verknüpfung mit dem Rest der Kette" .
      Im Unbewußten ist das Feld der Metapher die 'Verdichtung", das der Metonymie die 'Verschiebung" . Nur scheint die Metapher als Ãœberlagerung bzw. Signifikanten-Ersatz offenbar auch den Tropus der Metonymie einzuschließen, d.h. jenen Signifikanten-Ersatz, der nicht auf einer Similaritäts-, sondern auf einer Kontiguitäts-Relation basiert ; auch wird der metaphorische Ersatz häufig, als handle es sich um einen metonymischen Ersatz, als entstellende 'Verschiebung" begriffen; umgekehrt führt das metonymische 'mot ä mot" offenbar regelmäßig zu metaphorischen Ersatzbildungen .
      Nun ist allerdings von Wichtigkeit, daß für Lacan nicht nur der Traum, das Symptom und die Fehlleistung Ausdrucksformen unbewußter Bedeutungen sind, sondern daß dies ausnahmslos für jede menschliche Artikulation gilt; und du die poetische hier nicht auszunehmen ist, gilt für viele sich an Lacan orientierende Litcra-turinterpreten der struktural-psychoanalytischc Ansatz nicht als fachfremd und einseitig, sondern als universell und notwendig; diese Interpreten versuchen allerdings auch nicht, Kausalerklärun-gen zu geben und psychogenetische Pathographien zu erstellen, sondern setzen sich das Ziel, das Gesetz eines gegebenen Zcichcn-Gefüges zu eruieren.
     

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