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Hans H. Hiebet
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Friedrich A. Kittler



Im programmatischen Vorwort zu dem Band 'Urszenen' proklamieren F.A. Kittler und H. Turk die 'Diskursanalyse": Den genealogischen Ursprüngen von Diskursverboten und Diskursivierun-gen neuer Diskurs-Ordnungen - resultierend aus veränderten Macht-, Begehrens- und Wisscns-Konstellationen - gelte es auch auf dem Gebiete der Literaturgeschichte nachzuspüren. In dem Aufsatz ''Das Phantom unseres Ichs'" zu E.T.A. Hoffmanns 'Der Sandmann' und in anderen Arbeiten versucht Kittler, die Foucaultschc Diskurstheorie |—> Historische Diskursanalyse] mit der - historisierten - Theorie Lacans zu verbinden.


     
   Kittler handelt in diesen Studien von der Konstituierung und der Veränderung der Struktur der modernen Familie sowie von deren Korrelaten in der Psyche wie im Diskurs von der Psyche:
'Das Mittelalter hatte etwas, das Sippe hieß. Seit dem 18. Jahrhundert heißt der Verwandtsehaftscodc Familie. Die Sippen unterstanden dem Gesetz der Exogamie, das sie verknüpfte, und sehrieben ihre Nachkommen den Achsen der Generationen und der Geschlechter ein. Die Familie inlrojizicrt ihren Kindern Normen und Imagincs, die die binäre Gcschlechtsdifferenz unterlaufen, und produziert Seelen, die der Inzcstwunsch scxualisicrt" .
'Politische, juristische, ökonomische Macht und Verwandtschaft fallen [nun] auseinander. Aus dem Haushalt wird eine Familie, der allein die Pri-märsozialisalion der wenigen und geplanten Kinder, sie aber der Familie allein zufällt. Der reale Vater verliert unter seiner Last, zugleich symbolischer sein zu müssen, den Primat an die Mutter, die als neue Familienmitte die einstigen Ammen ersetzt wie, paradoxerweise, ein Ursprung einen Ersatz. Intimität und Erziehung binden die wenigen Kinder an Eltcrnimagines und überlagern eine Liebe, die Freud als inzestuöse Ãœbertragungsliebe entzifferte, dem Exogamicgcsetz: Wenn sie Mütter oder Väter werden können oder möchten, träumen Lessings Jungfrauen von einem Vater und Goethes Jünglinge von einer Mutter. Das Phantasma einer singulären Familie verdunkelt den Tausch zwischen vielen Familien, der Familie kulturalisiert" .
      Zwei Stufen des Paradigmawechscls setzt Kittler an: jene mit Lessing gegebene der symbolischen Vaterschaft, in welcher die symbolische und die reale Funktion des Vaters noch zusammenfallen, sowie jene am Ende des 18. Jahrhunderts einsetzende Konstellation, in welcher es zu einer Trennung von symbolischem und realem Vater komme und das Begehren des Kindes fortan von den Müttern codiert werde.
      Im Lessing-Aufsatz geht Kittler von der These aus, daß die bürgerliche Familie durch die 'Diskursivierung" des quasi inzestuösen Intimitäts-Ideals gebildet worden sei. Die ökonomische

Funktion des Vaters werde abgelöst durch seine pädagogische, die eben darin bestehe, neue fam//('

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