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Literaturtheorien
Hans H. Hiebet
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Das Begehren



Lacan, der sich von 1938 an um die strukturale Rekonstruktion der Freudschcn Theorie bemüht, erhebt den 'Wunsch" explizit zum Zentrum der seelischen Logik und gibt ihm den Namen 'Begehren" ; er läßt das Begehren, das durch seine Beziehung zur Phantasie definiert ist, jener Kluft zwischen 'Bedürfnis" und 'Verlangen" bzw. 'Bitte" entspringen, die sich im Prozeß der fruchtbar-furchtbaren Separation eröffnet, welche über das narzißtische Spiegelstadium von der dyadischen Mutter-Kind-Totalität zum Ã-dipus-Komplex als dem Ende der Geburt führt: Indem das Subjekt durch den 'Dritten", der die duale Beziehung oder Dyade in Frage stellt - d.h. durch den Vater - in die Ordnung der Familie -die symbolische Ordnung überhaupt - eingeführt wird, sieht sich die Erfüllung des 'Bedürfnisses" fortan auf die Formulierung des 'Verlangens" verwiesen und können Ich und Anderer nurmehr durchs Tor der Sprache zueinander finden .4 Mit der Sprache wird zugleich das Unbewußte geboren: Der Eintritt in die sprachliche Ordnung - und somit die soziale Welt - ist der Einschnitt, der den nostalgischen Wunsch, das Begehren, allererst provoziert; das Begehren ist 'weder Appetit auf Befriedigung, noch Anspruch auf Liebe, sondern vielmehr die Differenz, die entsteht aus der Substraktion [sie!] des ersten vom zweiten, ja das Phänomen ihrer Spaltung selbst" . Das Begehren, der Wunsch stellen sich nun erst der Realität entgegen in den Träumen, den Fehlleistungen und Symptomen, regieren als 'Sprache des Anderen" , was sich dem Zugriff des Ich bzw. des Cogito entzieht. Der Begriff des Wunsches oder Begehrens trennt demnach in radikaler Weise einen soziologischen Diskurs, der sich - wie der Marx-sche - um die Begriffe des 'Bedürfnisses" und des 'Verlangens" als der Dimension sozialer Interaktion zentriert, von einem genuin psychoanalytischen, der sich auf die Phantasmen und Gesetze des Unbewußten bezieht.

     

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