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Semiotik und Interdiskursanalyse


Jürgen Link / Rolf Parr Eine scmiotischc Analyse des literarischen Diskurses rekurriert auf zwei nicht notwendigerweise miteinander verbundene Theoriekonzepte: das der Semiotik, als deren Objekt in der Regel die Strukturen sprachlicher aber auch nicht-sprachlicher Zeichensy-stemc gelten, und das der Interdiskursanalyse,


die kulturell vermittelte und institutionalisierte Formen der 'Rede' in verschiedenen gesellschaftlichen Praxisbercichen sowie deren Beziehungen untereinander zu ihrem Gegenstand macht. Eine semiotisch fundierte Interdiskursanalyse verbindet demnach die Frage nach der Spezifik literarischer Zeichen mit der nach ihrer Einbettung in umfassendere Produktions- und Reproduktionszyklen von ineinandergreifenden Teilsystemen einer Kultur. Führt man sich vor Augen, daß die Literatur auch in engerer semiotischer Perspektive nur als ein Zeichensystem neben anderen erscheint, daß aber zugleich typisch 'literarische' Zeichenkomplcxc wie Metaphern und Symbole (Kap. 1.2.4) auch in nicht-literarischen Diskursen (z.B. Politik) vorkommen, dann liegt eine diskurstheoretische Erweiterung der Semiotik um so näher. Wir wollen 'Literarizität' daher als Wechselspiel (immanent) semiotischer Strukturen (Kap. I u. 2) mit (extern) diskursiven Faktoren (Kap. 3) zu bestimmen versuchen. Dies geschieht in Kap. 4 am Beispiel der Kollektivsymbolik in Goethes "Faust II", an der sich besonders eindrucksvoll zeigen läßt, wie das Spezialwissen verschiedenster Diskurse literarisch weiterverarbeitet wird und wie sich zugleich die Literatur als ein spezifischer Intcrdiskurs aus Spezialdiskursen speist.


Die semiotische Perspektive: Literarizität und Konstituenten literarischer Diskurse in zeichentheoretischer Sicht
Ein Minimalkonsens unter Semiotikcrn besteht darin, ihre Disziplin als Wissenschaft von den Zeichen bzw. Zeichenprozessen zu definieren. Doch bereits die Frage nach der Beschaffenheit dieser Zeichen und dem Relationsgefüge ihrer Konstituenten1 läßt Differenzen zwischen einer eher linguistisch-Str [ ... ]
Die 'Referenz' literarischer Zeichenkomplexe: Ikonizität, Autonomie, Fiktionalität
Literarische Diskurse wurden zum einen als Zeichen mit Besonderheiten in ihrer Referenz aufgefaßt, wobei der Ikonizitätscha-rakter von Literatur, die Frage der Abbildung eines Referenzobjektes, bzw. ihre Autonomie, das Fehlen einer Darstellungsfunktion des literarischen Zeichens, diskutiert wird. Da [ ... ]
Die 'Signifikant/Signifikat-Struktur' literarischer Zeichenkomplexe
Wenn sich also Spezifika literarischer Zcichcnhaftigkeit bzw. literarischen Zcichengcbrauchs von der Instanz des Referenten her schwerlich begründen lassen dürften, so scheint die Literatursc-miotik auf die zwei verbliebenen Instanzen des ternären Modells (in Saussures binärem Modell die einzigen) v [ ... ]
Die 'Autofunktionalität' literarischer Zcichenkomplcxe
'Die Einstellung auf die Botschaft als solche, die Ausrichtung auf die Botschaft um ihrer selbst willen, stellt die, poetische Funktion der Sprache dar", formulierte Roman Jakobson 1958 in einem später als 'Closing Statement" (Jakobson 1979, 92) berühmt gewordenen Diskussionsbeitrag. Er benutzte den [ ... ]
'Konnotation' und 'Polyisotopie' als fundamentale Verfahren von Literatur
Eine der sinnfälligen Besonderheiten literarischer Zeichenkomplexe bzw. Diskurse ist ihre Tendenz zur Mehrdeutigkeit. Will man diese unmittelbare und zunächst einmal noch vortheoretische Erfahrung semiotisch-theoretisch reformulieren, dann ist festzustellen, daß unter einem Signifikanten verschieden [ ... ]
'Zeichenmotivicrung' und 'Symbolik' als dominante semantische Verfahren
Seit dem horazischen Topos ,,ul pictura poesis" sind literarische Diskurse immer wieder als 'Denken in Bildern" (exemplarisch dafür Potcbenja, vgl. Lachmann 1984, 853IT. und 1982a) bzw. als wesenhaft 'symbolisch" (oder 'sinnbildhaft", 'cmblematisch", 'allegorisch" usw.) begriffen worden. 'Symbol" wi [ ... ]
Semiotische Ebenen-Analyse literarischer Diskurse und literarischer Makrostrukturen
Die Frage nach dem semiotischen Charakter literarischer Mikro-strukturen ist nun zunächst durch die nach der Scmiosis entsprechender Makrostrukturen zu ergänzen. Lassen sich semiotische Gesetze formulieren, die nicht nur einzelne, überschaubare Zeichenkomplexe, sondern die syntagmatische Fügung lite [ ... ]
Ein Standardmodell der Ebenen eines literarischen Textes
Die Semantisierung der Signifikanten und die Ãobersemantisierung der Signifikate sind die Ursachen dafür, daß literarische Texte in der Regel außer der Ebene der Denotation mehrere Ebenen kon-notativer Signifikate besitzen. In dem folgenden Schema (die Beispiele beziehen sich wieder auf das 'Divan'- [ ... ]
Narrative Makrostrukturen
Gilt ein solches Ebenen-Modell auch für literarische Makrostrukturen, insbesondere literarische Narrationen? Sicherlich dürfte die Semantisierung der Signifikantebenen in manchen Narrationen eine weniger große Rolle spielen, obwohl Rhythmus, Tonfall, syntaktische Melodie des Erzählens stets ein ents [ ... ]
Die interdiskurstheoretischc Perspektive
Im Zuge der sozialen Evolution hin zu immer differenzierterer Arbeitsteilung läßt sich eine parallele Tendenz zu wachsender Diskursspezialisierung konstatieren. Unter Diskurs soll dabei mit Foucault (vgl. den Hinweis auf Foucault bereits bei Eco 1972, 92) das geregelte Ensemble von Redeformen, Genre [ ... ]
Goethes Faust II - Kollektivsymbolik und interdiskursive Textur
Wie sieht diese praktikenintegricrcnde Weiterverarbeitung im Falle von Goethes 'Faust II" aus? Jede Lektüre wird mit einiger Wahrscheinlichkeit zunächst einmal einen deutlichen ästhetischen, stilistischen und dann auch ideologischen Bruch gegenüber 'der Tragödie erstem Teil" feststellen: Die Figuren [ ... ]



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