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Literaturtheorien
Jürgen E. Müller
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Rezeption als Provokation



Mit seiner Schrift 'Literaturgeschichte als Provokalion der Literaturwissenschaft' eröffnete Hans Robert Jauß ein neues Kapitel literalurwissenschaftlicher Theoricbildung und Forschung. Literaturgeschichte wird von Jauß nicht mehr als isolierte Geschichte von Werken und Autoren verstanden, sondern erfährt eine Verankerung im Rahmen der allgemeinen Geschichte. Die Provokation seines Vorschlages einer Rezeptionsästhetik lag in der Schlußfolgerung, daß Literatur zum konkreten historischen Prozeß erst durch die vermittelnde Erfahrung derer wird,

"die ihre Werke aufnehmen, genießen und beurteilen, die sie damit anerkennen oder ablehnen, auswählen und vergessen, und derart Traditionen bilden, die nicht zuletzt aber auch die aktive Rolle übernehmen können, auf eine Tradition zu antworten, indem sie selbst Werke hervorbringen" .
      Rezeptionsgeschichte und Rezeptionsästhetik überwanden die Aporicn der immanenten und produktionsästhetischen Literaturtheorien und Intcrprelationsmodcllc, die in den Nachkriegsjahren dominierten, und gaben als alternatives und neues Paradigma den Weg frei für die Analyse bislang vernachlässigter Fragestellungen und die Entwicklung handlungs- und kommunikationstheoretisch orientierter Forschungen zur Literatur.
      Hans Robert Jauß' Provokation hat eine kaum zu überschauende Fülle von Forschungsvorhaben initiiert, die das Ziel verfolgen, die - in spezifische sozial- und mentalitätsgeschichtliche Zusammenhänge eingebetteten - Prozesse der literarischen Produktion und Rezeption zu rekonstruieren. Das historische Verdienst der Rezeptionsästhetik liegt indes nicht allein in der Entdeckung des 'dritten Standes', des Lesers, sondern vor allem im Impuls zur Durchführung von Analysen, deren Erkenntnisintercssen dem Ziel unterstellt sind, "die Bedingungen verschiedener Sinnbildungen über jeweils einem Text durch Leser mit verschiedenen geschichtlich und sozial vermittelten Rezeptionsdispositionen zu verstehen" .
      Angesichts der Vielzahl von 'Operationalisicrungen', Weiterentwicklungen, Rc-Akzcntuicrungcn, Differenzierungen und 'hi-furcations', welche die Rezeptionsästhelik in den vergangenen 20 Jahren erfuhr, fällt es gewiß nicht leicht, in einem knapp bemessenen Artikel eine Einführung in 'die Rczcptionsthcoric' und deren Beziehungen zu litcraturwissen-schaftlichen Handlungstheorien vorzustellen. Um diesem Dilemma - zumindest in Ansätzen - zu entgehen, bleibt einzig der Ausweg einer paradigmatischen Vorgehensweise: Wir werden uns einigen Grund-Positionen der beiden Hauplrichtungen der 'Konstanzer Schule der Rczcptionslheoric' zuwenden, deren Implikationen für die literaturwissenschaftlichc Theoricbildung und Forschung andeuten, vor dem Hintergrund dieser beiden Paradigmen zentrale Aspekte handlungsthcorctisch fundierter Textmodelle skizzieren und - in der gebotenen Kürze - ein Modell literarischen Handelns vorstellen.
     

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