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Barbara Hahn
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Genres feministischer Theoriebildung: Monographien und Sammelbände



Es ist sicher auch der schlechten und unabgesicherten Lage von Wissenschaftlerinncn geschuldet, daß bislang nur wenige monographische Studien vorliegen, die in den skizzierten Forschungskontext gehören. Dies betrifft alle Facetten feministischer Theoriebildung, sei es eine Litcraturgeschichtsschreibung, die weibliche Autorschaft integrieren kann, sei es eine Theorctisierung von Schreibweisen unter der Frage, wie die Konstitution des Geschlechterunterschieds in diese eingeschrieben ist.

      Sozialgcschichtlich argumentierende Einzelstudien zur Geschichte weiblichen Schreibens umfaßten bislang mit Ausnahme der Arbeiten von Silvia Bovcnschen und Barbara Becker-Canta-rino relativ kurze historische Zeilräume ; sie waren daher nicht mit der Frage konfrontiert, ob und wie sich Umrisse einer Literaturgeschichte entwerfen lassen, wenn größere Zusammenhänge betrachtet werden. Exemplarische Analyse von Schreib-konslcllationcn wirken dagegen oft willkürlich. Bislang gibt es nur einen Versuch, ein Textkorpus enzyklopädisch zu erschließen, in dem die Konstitution geschlechtlicher Identität bearbeitet wird: Annette Runtes Biographische Operationen. Diskurse der Transsexualität . Wie weit sich diese Studie von traditionellen literaturgeschichtlichen Zugriffen entfernt, zeigt sich allein schon daran, daß die erfaßten Texte weder historisch noch nationalsprachlich, weder nach Autornamen noch nach Genres sortiert werden, sondern ausschließlich nach diskursiven Formationen.
      Darüber hinaus finden sich Ansätze von Gender Studies fast nur in Sammelbänden, wobei die im Umfeld des Münchner Graduiertenkollegs 'Geschlechterdifferenz und Literatur" entstandenen Bände hervorzuheben sind . Sie sind nicht allein interdisziplinär angelegt, sondern thematisieren Fragefelder, statt sich auf fest abgesteckten Terrains zu bewegen.
      Von der feministischen Literaturwissenschaft kann man - zusammenfassend - also kaum sprechen. Daß die Zugänge und Schreibweisen so unterschiedlich sind, läßt sich durchaus als hoffnungsvolles Zeichen lesen. Denn in der Literaturwissenschaft kann es gar nicht genug verschiedene Feminismen geben.
     

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