Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literaturtheorien
Das Problem, die strukturalistische "Invasion" zu einem "Gegenstand der Ideengeschichte" zu machen, hat Derrida zu Beginn von 'Kraft und Bedeutung' wie folgt umrissen: "Der Historiker würde sich aber
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Schrift



Schrift wird hier schon verwendet als der Name für den Text, der nicht von einem Autor kontrolliert wird und nicht einem, von diesem intendierten, Sinn untersteht. Und Schrift ist seit 'Die Schrift und die Differenz', 'Die Stimme und das Phänomen' und 'Gram-malologie' das Stichwort, das mit Derrida am ehesten in Verbindung gebracht wird.lNicht ganz zu Unrecht. Um dies zu verdeutlichen, wollen wir mit den frühen Texten Derridas einsetzen - so problematisch eine Geschichte früherer und späterer Texte insbesondere hier ist. In frühen Texten finden sich nämlich systematische Demonstrationen dessen, was dekonstruktives Lesen genannt werden kann, und Exemplifizierungen, die insbesondere dessen sprachtheoretischc Relevanz ausspielen. Gemeint sind vor allem: 'Die Stimme und das Phänomen', 'Kraft und Bedeutung', 'Zeichen und Spiel', 'Ellipse', 'Grammatologie' und 'differance'. Spätere Texte, Ergebnisse einer Lektüre von Piaton, Hegel, Nietzsche und Heidegger, aber auch von Mallarme, vermeiden zunehmend diese 'systematisch' genannte De-Konstruktion: ihre Lektüre ist vagabundierender; sie durchstreift Texte. Zunehmend organisieren sich Derridas Texte als textuelle Hintertreibungen, die auch die eigenen Texte und deren fixierende Lektüren nicht auslassen.

      I Der Begriff der Schrift steht in einer Kette von sich ablösenden, aufeinander verweisenden, sich kommentierenden Begriffen: Spur, Gramma, Zeichen: Marke, Ritzung, Markierung gehören dazu, später dann auch: Pfropfung, Pharmakon, Hymen. Sie alle markieren die primäre, die ursprüngliche und als solche 'undenkbare' Abwesenheit. Der Begriff der Schrift ist Dcrridas strategischer Einsatz gegen das, was er den fundamentalen Phonozentris-mus der Philosophie nennt, 'die Privilegierung der Stimme", die 'verschmilzt mit der historischen Bestimmung des Sinns von Sein überhaupt als Präsenz " |Der Glaube an die Priorität des Ersten, des Einen, Reinen, der sich im 'Phonozentrismus' manifestiert, ist exemplarisch für die Modelle und Konstruktionen, die zum Gegenstand der Derridaschen 'De-Konstruktion' werden; dieser Glaube funktioniert nur durch die komplementäre Vorstellung eines Anderen, des 'Zweiten', das als die Komplikation, Negation, Manifestation oder Zerstörung des 'Ersten' zu denken ist. Symptomatisch für diese Modelle ist die Abwehr der 'verderbenden' Schrift, die sich der 'lebendigen Rede" nicht nur parasitär auflagert, sondern diese auch infiziert. Schrift steht der Illusion der Durchsichtigkeit der Sprache, die sich als Transportmittel in der Botschaft möglichst restlos auflösen sollte, entgegen, die - seit Piaton - mit dem Vorrang der Stimme und einer Abwehr der Schrift gekoppelt ist:
'In dieser Perspektive wird die Schrift zum Außen, Gegenständlichen, Nichttranszendentalen, und die Gefahr der Schrift besteht dann darin, daß die Verfahren, die nichts weiter als Ausdrucksmittel sein sollten, die Bedeutung, die sie repräsentieren sollen, affizieren" .
      Schrift weist darauf hin, daß die Sprache kein transparentes Medium ihr vorgängiger Gedanken oder Gefühle ist; sie ist Markierung, die sich vom Autor und dessen Intention ablösen kann und die damit auf ein Funktionieren aller Zeichen als solcher hinweist: 'die Schrift deckt im allgemeinen den gesamten Bereich der Zeichen" .
     

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