Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literaturtheorien
Das Problem, die strukturalistische "Invasion" zu einem "Gegenstand der Ideengeschichte" zu machen, hat Derrida zu Beginn von 'Kraft und Bedeutung' wie folgt umrissen: "Der Historiker würde sich aber
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Schreibvorgänge - 'Vorsichtsmaßnahmen



Der zweite Aspekt der genannten 'Aufmerksamkeit" für den Text, deren 'Ausarbeitung' das vielleicht einzige 'Programm' der Texte Derridas ist, ist die 'Arbeit' dieser Texte selbst, 'Schauplatz' dieser 'endlosen' Bewegung . Denn das Lesen anderer Texte hat statt in den doppelten 'Strategien', bzw. 'Gesten' der Texte Derridas.

      Zu den bekanntesten dieser Strategien gehört die Vcr-/Ent-/ Wendung von 'Namen' als Paläonymen: ein 'alter Name' wird für einen neuen Begriff genommen, entwendet oder aufgepfropft; dessen Fälle 'Schrift', Spur oder Supplement und 'differance' wurden bereits angeführt und auf deren 'zweischneidigen' Charakter konnte mit Sarah Kofman hingewiesen werden. Diese Bildungen sind instabil. Insofern das Paläonym, der alte Name in neuer Verwendung, wenn auch umwertend, seinen alten Kontext erinnert, prägt sich in ihm und seiner Entwendung diedoppelte Geste des de-kon-struktiven Lesens aus. Die Ausstellung der eigenen Textualität, die eingestandene, gar inszenierte, Rückstellung seiner Theorie in deren textuelle Verfaßtheit, kennzeichnet Derridas Texte nicht als ästhetische , sondern ist selbst ein theoretischer Zug.
      'Diese Begriffe sind 'Scheineinheiten', die sich dem philosophischen Op-positionsprinzip widersetzen, die seiner Organisation zuwiderlaufen; dennoch handelt es sich nicht um Begriffe dritter Art, um 'Aufhebungen' der beiden entgegengesetzten" .
      Sie sind die Schauplätze der 'anderen' Logik der Supplementari-tät, die sie vorführen und inszenieren. Die Paradoxalität, die 'Un-haltbarkcit' von 'begrifflichen' 'Scheineinheiten" wie 'Ur-Spur', 'ursprüngliches' Supplement, 'ursprüngliche Ursprungslosig-keit" der differance, interveniert in der präsenzmetaphysischen und identitätsstiftenden Ordnung des Mit-sich-Identischen Ersten einerseits und des bloß Sekundären, der Wiederholung und der Differenz andererseits. Derridas 'Begriffe' 'widersetzen" sich dem 'Oppositionsprinzip" dadurch, daß sie keinem seiner beiden Pole, sowie auch beiden einander ausschließenden Polen angehören:
'das Supplement, entnommen Rousseau, 'ist weder ein Mehr noch ein Weniger, weder ein Draußen noch die Ergänzung eines Drinnen, weder etwas Akzidentelles noch etwas Wesentliches usw.'; ... 'Das gramma ist weder Signifikant noch ein Signifikat, weder Zeichen noch Ding, weder eine Anwesenheit noch eine Abwesenheit, weder eine Position noch eine Negation usw.; der Anschnitt ist weder die Integrität eines Anfangs oder eines einfachen Einschnitts noch eine einfache Nebensächlichkeit. Weder/noch heißt zugleich oder oder; die marque ist auch die marginale Grenze, die marche usw."
In Derridas Texten sucht diese 'Rhetorik' des Weder/Noch und sowohl/als auch, weder innen noch außen und sowohl innen als auch außen, was innerhalb der Logik der Identität und der Oppositionen, die zitiert werden, ausgeschlossen ist, einen atopischen Ort des Un-Denkbaren zu eröffnen, und zwar ohne daß dieser erneut - begrifflich mit-sich-identisch - einnehmbar werde. Insofern unternehmen Derridas Texte doppelte 'Vorsichtsmaßnahmen" : Sie hintertreiben nämlich die Restitution 'identischer' Begriffe ebenso, wie sie auch den Gestus des vielsagenden Schweigens vermeiden, der wiederum ein Unsagbares zu implizieren schiene .
     
   Derridas 'Schein"-Bcgriffc sind dagegen 'in das endlose Spiel der Supplcmentaritäl und der differance, der Spur hineingezogen", das sie als instabile Scheineinheiten produzieren, von dem sie handeln und das sie vorführen. Jeder dieser 'Begriffe' 'ist auf die anderen gepfropft, alle bilden ein 'barockes und veränderliches Glossar'" : Spur, differance, Pfropfung, Pharmakon, Supplement, Hymen, Gramina, Verräumlichung . Die Texte Derridas machen sich so zu Schauplätzen permanenter Hintertreibungen einer 'begrifflichen' Restitution, einer Restitution, die doch nie vermieden werden kann. Ihr 'Nicht-sagen-Wollen dessen, was einfach Sache des Vcrstchens wäre", organisiert sich in den internen Aporien der 'Scheineinheiten" und deren Multiplikationen, die andere 'Denkmöglichkeiten', 'ein neuartiges Denken der Disjunktion" eröffnen oder versprechen . Sie sind unaufhörlich weiter sich hinzufügende und aufpfropfende 'Vorsichtsmaßnahmen" gegen die Beendbarkeit der Lektüre der Dckonstruktion als Methode oder sich einrichtendes Paradigma .
     

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