Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literaturtheorien
Das Problem, die strukturalistische „Invasion" zu einem „Gegenstand der Ideengeschichte" zu machen, hat Derrida zu Beginn von 'Kraft und Bedeutung' wie folgt umrissen: „Der Historiker würde sich aber
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Dekonstruktion II - das Konzept de Maus



Dckonstruktiv' ist eine Lektüre, die sich der Teleologic des kontrollierten/kontrollierenden Sinns nicht mehr unterwirft, sondern im Text die Widerstände gegen diesen wahrnimmt: die 'Sprache als Instanz der Disjunktion" - und zwar jener Momente, deren Dcckungsgleichhcit in der 'semantischen' Lektüre vorausgesetzt werden muß: Signifikat und Signifikant, Lilera-lität und Figuralität, performative und konstative Funktion. Ihre Inhomogenität macht Literatur als 'Sprache über Sprache" zum 'Ort", 'an dem sich das negative Wissen von der Verläßlichkeit sprachlicher Äußerung" zeigt . Für solche Lektüren spielt, vor allem mit und nach de Man, der Begriff der 'rhetorischen' Sprache eine Rolle. Sie tritt nichtnur auf als ein Aulschub des Dckodiercns, sondern sie führt jede Lektüre in irritierende UnenlscheidbarkeilcnJ

'Verstehen heißt in erster Linie, den referentiellen Modus eines Textes bestimmen; und wir tendieren dazu, als selbstverständlich anzusehen, daß dies möglich ist ... Solange wir zwischen wörtlicher und rhetorischer Bedeutung unterscheiden können, können wir die rhetorische Figur in ihren eigentlichen Referenten zurückübersetzen" .
      Jede idenlifizierbarc rhetorische Figur würde immer noch semantische Ãœbersetzbarkeit erlauben und qua 'referentiellen Kurzschluß' einen Zusammenhang von Sprache und Realität unterstellen. De Mans Lektüren zeigen aber, daß die 'Dimensionen" der Sprache, mit ihren quer zueinandcrslc-henden Bcdeutungseffekten in unentscheidbarer Weise gleichzeitig sind:
'Es ist nicht einlach so, daß es einlach zwei Bedeutungen gäbe, eine buchstäbliche und eine figurative, und daß wir nur zu entscheiden hätten, welche von beiden Bedeutungen in dieser bestimmten Situation die richtige wäre. Die Verwirrung kann nur durch die Intervention einer außersprachlichen Intention aufgelöst werden..." .
      Insofern ist diese Ambiguität nicht Merkmal semantischen Reichtums, sondern das einer prinzipiellen Irritation von semantischem Lesen. Wer die Verwirrungen scheiden wollte und die Entscheidbarkcildcr Lesarten unterstellt, muß auf eine Instanz der Macht setzen, aufs 'Machtwort', das die 'schwindelerregendc Möglichkeiten referentieller Verirrung" , in die das Lesen der einander irritierenden, sich in ihrer Bcdcutungsbildung gegenseitig ausschließenden, Dimensionen führt, fixiert. Die hermeneu-üsche Unterstellung [—> Neuere Hermeneutikkonzepte] eines 'einen' Sinns, seiner Lesbarkeil, ist nicht unschuldig.
      Jede 'thematische Aussage' kann, so zeigen die Texte in der Lektüre de Mans, von ihren eigenen Ausdrucksmitteln unterminiert werden - und gegen diese Möglichkeit gibt es keine Absicherung, fAlle Textpassagen haben 'als Ausdrucksmittel' einen 'me-talinguistischcn' oder metapoetischen Status, so daß sie als solche, als metatcxtucllc Kommentare ihrer selbst, der Bindung von Thematisiertem und 'Ausdrucksmittel' widersprechen können. 'Das Paradigma aller Texte ist eine rhetorische Figur und deren Dekonslruktion" . Die Lektüre muß sich den Irritationen einer Dckonstruktion aussetzen, die der Text bereits selbst, an sich selbst, seinen metatextuellcn Vorgaben und Behauptungen durchgeführt hat . Im double-bind von Figuration und Dcfiguration verhindert 'die Sprache über die Sprache", als die Literatur gelesen wird, die Fixierung der ,, Verwechslung von Sprache mit natürlicher Realität, von Bezugnahme auf ein Phänomen mit diesem selbst",,indem sie den Mechanismus ihres Funktionierens entblößt" und zwar als einen referentiellen Kurzschluß. Texte lassen sich als die 'Orte' dieser 'Entblößung' lesen, als die Orte dieses 'notwendigen' Kurzschlusses z/w/der'Entblößung' seines Funktionierens, das diesen aufschiebt und unterläuft . Lesen, das die unentscheidbare Gleichzeitigkeit der 'grammalischen" und der 'rhetorischen", der rhetorischen und der referentiellen, der kognitiven und der performativen 'Dimensionen" der Texte als beständige Irritation ihrer Lesbarkeit realisiert, ist ein 'negativer Prozeß", der verdeutlicht und vorführt, 'wieso man von allen Texten, als Texten, stets sagen kann, daß sie Niederlagen sind, Fehlschlage". Die 'Geschichte" der Texte als 'Fehlschlage", als 'Dekonstruktioncn' ihrer eigenen Modelle , hat die Literaturwissenschaft zu 'erzählen" .
     

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