Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literaturtheorien
Das Problem, die strukturalistische "Invasion" zu einem "Gegenstand der Ideengeschichte" zu machen, hat Derrida zu Beginn von 'Kraft und Bedeutung' wie folgt umrissen: "Der Historiker würde sich aber
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Das Andere-im-Selben Lesen



Die Aufmerksamkeit für die Sprachlichkeit oder Textualität unseres 'Wissens', stellt 'als solche' die Stabilität jeder Bedeutung und jeden Wissens 'von etwas' in Frage; sie ist als 'Textarbeit",,disseminata". Die 'Arbeit' des Textes: 'die offene und produktive Fortbewegung der Tcxtkctte" wird gegen deren Fixierung auf und in Aussagen beobachtet. Eine solche Lektüre findet im Innern der Texte deren Außen auf, das also, was sie fernhalten wollen und müssen: statt einer 'Grenze', die nach außen sichern soll, die Furchungen, die im Innern verlaufen: 'das Andere im Selben'. Ein solches Lesen exponiert den Text als eine 'Oberfläche' mit Rissen und Furchen, Faltungen und StülpungenJ.

      Lektüren, die in den Texten eine 'Wiederherstellung' der Präsenz des Sinns suchen, müssen sich auf die Sprache als bloße Statthalterin, als Repräsentation, als ein bloßer Ersatz für Fehlendes und Nicht-Anwesendes, der durch das, wofür er stehen soll: den Sinn dirigiert werde, 'verlassen'. Mit dem Supplement der Sprache aber wird die Vollständigkeit des Sinns nicht erreicht, sondern ständig wieder verstellt und eine Ergänzung und Hinzufügung immer wieder von neuem notwendig . Darüber hinaus und weitreichender aber 'erzeugt" das Supplement, das bloß vorübergehend ersetzen und ergänzen soll, nachträglich erst das, 'woran dieses sich angeblich anfügt". Dies ist 'die befremdliche Struktur des Supplements" ; ihr entspricht die 'befremdliche Struktur'der Spur, die nachträglich erst das erzeugt, wovon sie angeblich bloß die Spur ist . Und die 'befremdliche Struktur' der Schrift ist 'schon immer' die Struktur dessen, der 'lebendigen' Rede, gewesen, wovon sie angeblich die bloße, falsche Wiederholung und parasitäre Fixierung ist . Gegen die 'Logik der Identität" erklärt die 'andere' Logik des Supplements das angeblich Primäre und alle Wiederholung Begründende zum paradoxen Produkt seiner Wiederholung, seiner Ersetzung und Ergänzung, seiner Re-Präsenta-tion . Was als ein Eigentliches, als ein vorauslicgen-des oder als telos erwartetes Erstes gedacht wurde, ist also selbst parasitär gegenüber dem, was es angeblich bloß darstellen oder vorübergehend ersetzen soll." Die 'Logik der Identität", die den Mangel nur als das bedrohliehe Draußen des reinen, erfüllten Innen denken kann, wird derart subvertiert von der 'anderen',,Logik der Supplementarität",
'in der das Draußen drinnen ist, das andere und der Mangel sich wie ein Mehr zu einem vervollständigenden Weniger hinzufügen, das, was an eine Sache sich anfügt, für den Fehler dieser Sache einspringt, der Fehler alsdas Draußen des Drinnen bereits innerhalb des Drinnen ist" .
      Dieser befremdlichen Struktur folgend ist das 'Lesen', auch als eine Wiederholung, nicht Wiederherstellung oder Wiedergewinnung einer vorausliegcnden Ursprungs-Schrift oder eines ursprünglichen Sinns.
      Denn ..zu glauben, man könne durch Abschaben zu einer allerersten Schrift, zu einem durch Interpretation freigelegten Text erster Hand und von da aus zum wahren unter der Deckschicht lebendigen Sinn gelangen, ist eben nur ein Glaube" .
      Dieser 'Glaube, das Trugbild einer Lektüre" ist die ,,Interpretation der Selbstauslöschung der Interpretation", ist jene Interpretation, die im Rückgang auf ein Erstes, Reines, Ursprüngliches , das sie nie erreicht, sich selbst auszulöschen sucht. Wenn das gesuchte Erste aber nie ein Ganzes, Vorausliegendes und Mit-Sich-Identisches war, dann wird es eine 'Vervollständigung" und Totalisierung als Rückkehr an den Ursprung des Textes nicht geben, dann sind alle Lektüren vielmehr 'immer schon' ..jenseits aller hermeneuiischen virginite": Interpretation wird auflnlerprc-tation folgen, und jede ist wiederum erneute Hinzufügung von 'Schrift', statt der Erreichung eines eigentlichen 'Sinns'.
     
   'Stets gibt es ein Ãobergewicht an Schrift, und nur indem man ihr etwas hinzufügt, kann man sie analysieren . .
      Dies kann das Lesen nur affirmieren, denn darin liegt die analytische, nie end-gültige Produktivität des Lesens.
      führen Texte als 'heterogene Texte" vor: Der Text selbst enthält- so Derrida -,,notwendigerweise" Reste, die er im 'Inhalt' restlos aufgehen lassen wollte, die sich aber als ,,Schriftreste" gegenüber jedem Inhalt behaupten . Mit diesen Rissen im Innern ist markiert, daß der Text nicht abgeschlossen ist, daß er die 'Gewißheit' über die Ordnung des Innern und des Ã"ußerlichen, die er behaupten will, als Text nicht teilt. Kein Inhalt kann seinen 'Schreibvorgang' restlos tilgen; dieser ist vielmehr eine 'Bewegung, mit der der Text sein Sagen-Wollen überschreitet'^
'Die Lektüre ... muß ein bestimmtes, vom Schriftsteller selbst unbemerktes Verhältnis zwischen dem, was er an verwendeten Sprachschemata beherrscht, und dem, was er nicht beherrscht, im Auge behalten. Dieses Verhältnis ist jedoch nicht durch eine bestimmte quantitative Verteilung von Schatten und Licht, Schwäche oder Stärke gekennzeichnet, sondern durch eine signifikante Struktur, die von der Lektüre erst produziert werden muß" .
      Derridas produktive Lektüre der Texte als heterogener Texte hat ihm den Vorwurf eingetragen, er lese sie als ästhetische. Die von der dekonstruktiven Aufmerksamkeit für die 'Textarbeit" aufgewiesenen Spuren ihrer Schreibarbeit, dessen, was sie nicht meinen und nicht sagen wollen, bestimmt aber auch und gerade sogenannte 'philosophische' Texte, die nach der Wahrheit fragen oder Wissen vermitteln sollen.n Die Helerogcnität ihrer sprachlichen Ver-faßlheit gegenüber dem, was sie mitzuteilen haben, ist von den 'philosophischen Gehalten' unablösbar.
      Dieses Lesen versucht, 'both lo recover what is lost and to analyze what happens when a text is read solely in funetion of intcntionalily, meaningfulness, and represenlativity. Deconstructi-on thus conlers a new kind of readability on those elements in a text that readers have tradilionally been trained to disregard, overcome, cxplain away, or edit out." So lesen sich auch 'literarische' Texte neu.
     

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