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Zugänge zur rezeptionsästhetischen Analyse



Die rezeptionsästhetische Analyse fragt nach den Bedingungen der Sinnkonstitution im Lese-Vorgang und dem Zustandekommen der ästhetischen Rrfahrung. Damit sind zwei unterschiedliche Aspekte angesprochen, deren einer die den Lese-Vorgang leitenden Orientierungen sowie die Textstruktur berührt und deren anderer die Aufklärung darüber betrifft, »was denn eigentlich im Lesen geschieht« . Dabei zielt die Analyse jedoch auf historisch-konkrete Deutung und Wertung ihres Gegenstandes. Die Rezeptionstheorie tendiert zuweilen dazu, die Krage nach dem inhaltlich bestimmten Sinn der Werke und ihrer Rezeptionen in den Hintergrund zu stellen. Es müsse, heißt es bei Iser ,die Konstitution von Sinn und nicht ein bestimmter, durch Interpretation ermittelter Sinn von vorrangigem Interesse sein. Rückt dieser Sachverhalt in den Blick, dann kann sich die Interpretation nicht mehr darin ersehöplen, ihren Lesern zu sagen, welchen Inhalts der Sinn des Textes sei; vielmehr muß sie dann die Bedingung der Sinnkonsiitution selbst y.u ihrem . Zugleich setzt er sich in ein beobachtendes Verhältnis zu diesen von ihm eingenommenen Leserrollen, indem er sich gegenüber dem impliziten Leser als eine historische Person in der eigenen Wirklichkeit identifiziert.
      Kann die Lektüre daran scheitern, dass es dem Leser nicht gelingt, den Text von einem vorausgesetzten impliziten Leser-Blickpunkt aus als sinnvollen und konsistenten wahrzunehmen, so wird die Lese-Erfahrung ganz ausbleiben, wenn sich der Leser nicht auf das Spiel mit der impliziten Leserrolle einlässt, das heißt sich nur beobachtend verhält. Wenn es dem Leser nicht gelingt, den Textals die Grundlage einer literarischen Darstellung aufzufassen, kann dieser nicht zur Grundlage einer ästhetischen Erfahrung werden. Bezeichnet diese Möglichkeit den durchaus denkbaren Grcnz-fall rezeptionsästhetischer Untersuchung, so wird in ihr zugleich anschaulich, dass die Methodik dieser Untersuchung weitgehend abhängig ist von den strukturellen und inhaltlichen Eigenschafren des je vorliegenden Textes. So ermöglichen etwa Erzähltexte, deren Darstellungsweiseden jeweils gegebenen »Tonnen des Lebens« sich annähert, eine unproblematische Vorstellungs- und Illusionsbildung; sie machen ihren Tiktions- und das heißt auch, ihren Werkcharakter leichter vergessen. Das sagt über ihren ästhetischen Rang nicht grundsätzlich etwas aus, muss jetloch bei der Textauswahl für die Analyse beachtet werden. Moderne geschriebene Texte dagegen lenken durch programmatische Unverständlichkcit die Aufmerksamkeit auf den Schicibprozcss und den artiliziellcn Charakter des Geschriebenen; in ihnen wird unübersehbar, was alle fiktionalen Texte und ihre Rezeption auszeichnet. Es ist daher für die folgende Ãoberlegung bewusst ein solcher Text als Beispiel gewählt. Die vorgestellten Kategorien und ihre Bedeutung für die textbezogene Analyse des Lesevorgangs gelten jedoch für Texte überhaupt, unabhängig von ihrer Schreibweise.
     

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