Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literaturinterpretation

Index
» Literaturinterpretation
» Literaturaneignung als kommunikative Praxis
» Methodische Praxis der Interpretation

Methodische Praxis der Interpretation



Methode ist der systematische und reflektierte Zusammenhang von Operationen beim Erkennen und Verändern eines Gegenstandes. Methodisch vorgehen heißt, die Ausgangsbedingungen der eigenen Arbeit kennen, ein Erkenntnis- bzw. Handlungsziel definieren und die Prinzipien und Verfahren formulieren, nach denen auf dem projektierten Weg zum Ziel vorgegangen werden soll. Literaturwissenschaftliche Interpretation unterscheidet sich von der alltäglichen Praxis der Textauslegimg vor allem durch den Anspruch methodischer Reflexion. Diese hat den Zweck, die angewandten Untersuchungsverfahren in ihrem Zusammenhang mit der Gegenstandswahl und dem Erkenntnisinteres.se kontinuierlich zu explizieren, um sie auf diese Weise erkennbar, überprüfbar und kritisierbar zu machen. Die einzelnen Untersuchungsebenen und -verfahren werden zu diesem Zweck voneinander getrennt, je für sich möglichst exakt dargestellt und in ihrer theoretischen wie hermeneutischen Bedeutung reflektiert. Diese didaktisch gemeinte Operationalisierung darf nicht zu dem Schluss verliihren, dass das im Folgenden dargestellte Interpretationsverfahren als eine Gebrauchsanweisung lür gelingende Textauslegung benutzt werden könne. Zu wissen, welche fragen an literarische Texte gestellt werden können, wie man sie systematisch stellt und welchen möglichen Gewinn ihre Beantwortung verspricht: das erweitert die eigenen Möglichkeiten des Herangehens und erleichtert die Entscheidung darüber, was man denn von einem bestimmten Text konkret wissen will. Und es trägt zur Erkenntnis des literarischen Textes und der literarischen Kommunikation bei.
      Denn eine Methode bildet sich immer in engem Zusammenhang mit einer impliziten oder expliziten Theorie des jeweiligen Untersuchungsobjektes heraus. Sie gibt den Gegenstand in seiner inhaltlichen Entwicklung wieder, so dass sie »als das reine Entsprechen des Begriffs und seiner Realität« definiert werden kann. Hegels Formulierung zielt auf den unaufgebbaren Zusammenhang zwischen der >Logik der Sache< und ihrer Erkenntnis. Diese ist nur soweit sinnvoll, wie sie von der Objektivität und Erkennbarkeit ihres Gegenstandes ausgeht. Auf die literaturwissenschaftliche Arbeit bezogen heißt das: Jede Bemühung um Interpretation setzt voraus, dass der literarische Text und der Prozess seiner Produktion und Rezeption mindestens teilweise objektiv erkennbare, das heißt, regelhaft - und nicht rein - zufällig strukturierte und funktionierende Bestandteile der Wirklichkeit sind.

     
Das schließt ein, dass jede methodisch gewonnene Einsicht über Literatur die vorausgehende Vorstellung vom Erkenntnisgegenstand verändert, das heißt, die jeweilige Auffassung von Literatur und des litcraturwisscnschaftlichen Verstehens [...] klärt [sich] in der Besinnung auf die Bedingungen ihrer Vermittlung und liegt nicht vorab fest .

     
Hinzugefügt werden muss, dass eine derart sich wandelnde Auffassimg des Gegenstandes ihrerseits die Methode seiner Interpretation verändern kann.
      Die Entwicklung der Literaturwissenschaft seit den 1980er Jahren gibt Anlass zu der Bemerkung, dass es selbstverständlich E.ntstehungsbedingungen, Eigenschaften und Wirkungen literarischer Werke gibt, die der wissenschaftlichen Erklärung und der strukturellen Analyse gänzlich verschlossen bleiben beziehungsweise nur indirekt zugänglich sind. Zu wissen, welche Fragen man an Kunstwerke stellen kann, schließt das Einsehen darüber ein, auf welche Fragen man keine Antwort erwarten kann. »Worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen« .

     

 Tags:
Methodische  Praxis  der  Interpretation    




Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com