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Methoden und Ansätze



Wer in der Literaturwissenschaft heute von Methoden - in der Mehrzahl — spricht, bezieht sich in der Regel mindestens indirekt auf jene Orientierungsversuche, die seit etwa Mitte der l 980er Jahre unternommen wurden, um den Ertrag der vorangegangenen Theoriedebatten kritisch zu sichten und um eine neue Standortbestimmung der Literaturwissenschaft zu ermöglichen. Ging es, sehr vereinfacht gesagt, den »Einführungen« der 1970er Jahre darum, Zugänge zur Literatur zu eröffnen , so bieten spätere Sammlungen vielfach eher eine Ãœbersicht über die Literaturwissenschaft. Die methodische Reflexion über F,rkcnntnisintcrcsscn, Prinzipien und Verfahren der Interpretation wurde ergänzt und teilweise abgelöst durch methodologische Reflexion über unterschiedliche »Theorien, Modelle und Methoden« der Literaturwissenschaft . Das war ein notwendiger, in der d.ogik der Sache< angelegter Wandel, der auch reichlichen Gewinn gebracht hat. Er hat nach meinem Eindruck jedoch auch dazu beigetragen, dass die Rede von »Methoden« in der lirerarurwissenschaftlichen Praxis heute oft missverständlich, vieldeutig und sachlich undifferenziert ist . Die Studierenden sehen sich einem »methodologischen Warenhauskatalog« von »Ansätzen« konfrontiert, dessen additive Struktur und prinzipielle Unabschließbarkeit den Eindruck einer Beliebigkeit in der Wahl der Methoden, wenn nicht den ihrer Gleich-Gültigkeit zu wecken geeignet ist.

     
Demgegenüber bleibt darauf 7.11 bestehen, dass die Literaturwissenschaft schon um der methodologischen Orientierung willen »die eigentlich relevanten Unterscheidungskriterien konkurrierender wissenschaftlicher Standards adäquat erfassen« müsste , und dass sie den Stellenwert der verschiedenen »Methoden der Literaturwissenschaft« für die literaturwissenschaftliche Praxis kontinuierlich mit bedenken muss. Ausgangspunkt kann die Frage sein, wo denn die verschiedenen »Ansätze« mit ihrem Erkenntnis-interesse und ihren Verfahren jeweils ansetzen. Eine praktikable Antwort auf diese Frage stellt Frickes »Modell der Modelle« dar , in dem die traditionellen Methodenrichtungen jeweils einer bestimmten Relation im Modell der literarischen Kommunikation zugeordnet und durch eine einprägsame Formel charakterisiert sind:

Naturgemäß kann in der folgenden Ãœbersicht über die wichtigsten methodologischen Positionen und Perspektiven der Literaturwissenschaft weder die Auswahl der aufgeführten »Ansätze« noch die der Kategorien restlos befriedigen. Das in den Theoriedebatten der 1970er und 1980er Jahre wesentlich ausgeweitete, ganz unterschiedlich kultivierte, stellenweise auch zerklüftete Feld der Literaturwissenschaft erscheint hier als eineTopik von Leitbcgriffen und Fragen, deren Nutzen und Nachteil sich erst in der praktischen Arbeit erweisen kann. Die Methode der Interpretation ergibt sich ohnehin nicht aus einer einfachen Wahl der richtigen Instrumente aus einem vorab definierten Sortiment, sondern aus den Eigenschaften und der aktuellen Wirksamkeit des ausgewählten Werks sowie aus den durch die Lektüre aufgeworfenen Fragen. Entschieden zu unterstreichen ist Frickes Forderung nach einem »hinreichend komplexen Begriff wissenschaftlicher Argumentation«, der allein gültige Kriterien für eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit von »Ansätzen« liefern könne. Es kommt in der Fat bei der Interpretation literarischer Werke weniger darauf an, einen bestimmten »methodologischen Schtilzusammenhang« zu wahren als darauf, eine nachvollziehbare, konsistente und terminologisch transparente Argumentation zu entwickeln, die »ggf. durch Einwände intersubjektiv kritisierbar« ist .

     

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