Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literatur & sprache
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Realismus, Naturalismus und Jahrhundertwende (I848-I9I0)



Der Fortschritt der Naturwissenschaften in der zweiten Hüllte des 19. )h. setzte die Kunst unter Rechtfertigungsdruck. Wozu konnte die Literatur dienen? Wofür eignete sie sich? Sie sollte nicht mehr und nicht weniger als die »Widerspiegelung alles wirklichen Lebens« sein und die Realität in ihrem »inneren Kern« erfassen. Die großen französischen Gesellschafls-romane , Wilhelm Raabe gestalteten in ihren Romanen Konflikte zwischen Individuum und Gesellschaft. I Iierzu gehören auch die Novellen von Conrad Ferdinand Meyer , Gottfried Keller uliaaufdem DorfeDer Schimmelreiler«, 1888), in denen sich merkwürdige, wunderbare oder historische Begebenheiten finden.

      Radikalisiert wurde die Forderung nach realistischer Darstellung durch den Naturalismus, einer Aufbruchsbewegung, die vor allem den Natur- und Sozialwissenschaflen sowie der modernen Psychologie huldigte. Anregungen kamen von den großen europäischen Schriftstellern Zola, Dostojewski und Ibsen. Die Darstellungsmittel der Kunst sollten so gewählt werden, dass sie ein möglichst getreues Abbild von Wirklichkeitsabläufen liefern. Dementsprechend schufen Arno Holz und Johannes Schlaf ein Drama, >Papa Hamlet«, in dem das gespielte Geschehen mit der Geschwindigkeit des Bühnengeschehens abläuft.
      Die Industrialisierung hatte in derzweiten Hälfte des 19. Jh. die Gesellschaft grundlegend verändert und vor allem die Lebensbedingungen der Arbeiter verschlechtert. In Gerhart Hauptmanns
Drama >Die Weber« wird die Revolte - die schlesischen Webcraufständc 1844 - durch Hntlassungcn infolge neuer Webmaschinen ausgelöst. Die Personen werden als Objekte ihrer sozialen Umwelt dargestellt. Um sie möglichst naturgetreu zu zeichnen, Iässt Hauptmann sie teilweise in lokalen Dialekten sprechen. Mit naturalistischen Darstellungsniethoden wurde auch in der Lyrik experimentiert. Ã"hnlich wie im Impressionismus der Malerei geben Detlev von Liliencrons Gedichte und Peter Allenbergs Prosaskizzen Sinneseindrücke einzelner Augenblicke - »Hxlrakte des Lebens« - wieder.
      Line Gegenbewegung zum Naturalismus formierte sich um die Jahrhundertwende in Berlin, München und Wien. Die Kunst sollte nichl mehr der Darstellung dienen, sondern um ihrer selbst willen da sein. Diese Haltung bildete den Lebensmil-telpunkt einer jungen Generation: Arthur Schnitzler, Hermann Bahr, I lugo von Hofmannsthal und viele andere trafen sich in Wiener Kaffeehäusern . Ãoberdruss und Pessimismus kennzeichneten das Lebensgefühl der jungen Generalion, Lndzeit Gleichzeitig mit Sigmund Freud entdeckt der Arzt und Schriftsteller Arthur Schnilzler die Triebkraft der Sexualität und entfaltet ihre Dynamik in seinem Drama >Keigen< . Die menschlichen Beziehungen werden in diesem und in seinen anderen Stücken durch Zufälligkeilen bestimmt. Was aber verbirgt sich hinter den Konventionen und Lügen der Gesellschaft? Frank Wedekinds >LuluDer FrdgcisL und >Die Büchse der Pandora< zeigen den Sexualtrieb als zerstörerische Kraft. In >Frühlings Frwachen. Line Kinderlragödie< verursacht Unverständnis der Lrwachsenen für die erwachende Sexualität der Kinder grausame Folgen.
      In München formierte sich der Kreis um den Lyriker Stefan George . Ls war die Zeit des Jugendstils. Vorbild war die symbolistische Dichtung der Franzosen Baudelaire und Mallarme. Die Schönheit der dichterischen Form wurde zelebriert, mit George als Hohepriester: Inmitten seiner antik gekleideten Jüngerschar las er aus seinen Gedichtzyklen >Algabal< und >Dersiebente Ring< .
      Als dichterisches Genie machte der junge Hugo von Hofmannsthal von sich reden. Er lotete die Grenzen der Sprache (>Brief des Lord ChandosDerThor und der TodDas Märchen der 672. NachtMann ohne Eigenschaften!


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Realismus,  Naturalismus  Jahrhundertwende  (I848-I9I0)    





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